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Die FDP jubelt für ihren Hannes

LangenthalDas grosse Zittern blieb aus: FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann schaffte gestern die Wiederwahl locker. Seine Parteikollegen fieberten im Langenthaler Bären vor dem TV-Bildschirm mit. Ein Augenschein vor Ort.

Man hätte den Eindruck bekommen können, dass fast alles, was der Mann in letzter Zeit gemacht oder gesagt hat, falsch sei: Johann Schneider-Ammann (FDP), seinerzeit erfolgreich mit der Bauausrüsterfirma Ammann und seit einem Jahr Bundesrat, wurde als Abwahlkandidat Nummer eins gehandelt. Vielleicht waren gestern Vormittag auch deswegen relativ viele Medienvertreter in den Bären nach Langenthal gekommen. Hier, im altehrwürdigen Hotel, hatten sich die Parteikollegen des Wirtschaftsministers versammelt, um ihm vor dem Bildschirm die Daumen für die Bundesratswahl zu drücken. Gelassener Parteipräsident Doch eine mögliche Abwahl war kein Thema. «Ich bin überhaupt nicht nervös», sagte Rudolf Lanz, der Präsident der FDP Langenthal, kurz nach 10 Uhr. «Johann Schneider-Ammann wird Bundesrat bleiben.» Lanz sprach seine Worte mit einer gewissen Gelassenheit, er hatte ein Lächeln auf den Lippen. Und er sollte recht behalten. – Soeben waren Doris Leuthard (CVP) und Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) bestätigt worden. Und auch Ueli Maurer (SVP) sowie Didier Burkhalter (FDP) schafften die Wiederwahl. «Die Partei spielt Schach» Damit stand früh fest: Ein Krimi würde dieser Wahlvormittag nicht mehr werden. Oder etwa doch? Gegen 10.30 Uhr zumindest verstummten die mittlerweile 30 Zuschauer. Gebannt blickten alle Augen auf den grossen TV-Bildschirm, wo SVP-Fraktionschef Caspar Baader zu sehen war. Er kündigte an, SVP-Kandidat Hansjörg Walter ziehe sich zurück. Stattdessen greife sein Parteikollege Jean-François Rime nun in allen Wahlgängen an. Musste Schneider-Ammann nun doch noch zittern? Die Zuschauer im Bären reagierten gelassen auf Baaders Kampfansage. Die SVP gehe immer nach dem gleichen Muster vor, meinte Ammann-Personalchef Richard Bobst. «Die Partei spielt Schach mit einem unsichtbaren Gegner.» Und auch Bernhard Meyer, Präsident des Wirtschaftsverbands Oberaargau, liess sich nicht aus der Ruhe bringen. «Rime macht gegen Hannes nicht mehr Stimmen als bisher.» Alles bleibe beim Alten. Man war sich einig im Bären, dass vor allem der Rückzug von Bauernverbandspräsident Walter den Weg frei machte für Schneider-Ammann. «Mit dem Bauern wäre die SVP sicher gefährlicher geworden für Hannes», fand Ulrich Andreas Ammann, der Schwager des Langenthaler Bundesrats. Glückwünsche von der SVP Kurz nach 11 Uhr hatte die Orakelei dann ein Ende. Es wurde mucksmäuschenstill im Saal, als im Fernsehen die Resultate verlesen wurden. Der Applaus nach der Wiederwahl von Schneider-Ammann war kurz, aber heftig. «Ich bin sehr glücklich und sehr zufrieden», sagte FDP-Präsident Rudolf Lanz. Zumal Schneider-Ammann «den Geist der FDP verkörpert». Für die FDP Langenthal sei dieses Amt von grosser Bedeutung. Quasi unbemerkt hatte sich inzwischen Langenthals Stadtpräsident Thomas Rufener unter die Zuschauer begeben. Der SVP-Politiker fühlte sich in FDP-Kreisen sichtlich wohl. Keine Spur von Neid, im Gegenteil. «Ich bin glücklich, dass die Wahl so klar herausgekommen ist.» Und natürlich verspüre er einen gewissen Stolz . «Schliesslich gibt es ja nur sieben Bundesräte.» Kaum hatte Rufener seinen Satz beendet, zeigte ein Zuschauer nach draussen und sagte: «Jetzt scheint auch noch die Sonne. Das passt.» Dominik BalmerInterview mit Johann Schneider-Ammann (Seite 4). >

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