Die Formel 1 bleibt ihm in Erinnerung

Philippe Urfer ist als Mitglied des Schweizer Special-Olympics-Radteams zurück von den Welt-Sommerspielen in Abu Dhabi. Dort hat den Ringgenberger nicht nur die Formel-1-Rennstrecke beeindruckt.

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Haben Sie schon mal auf dem Rennvelo Ihre Runden auf einer echten Formel-1-Rennstrecke gedreht? Etwas anderes als ein klares «Nein» auf dieses Frage würde wohl jeden überraschen. Wie es sich jedoch anfühlt, auf dem Yas Marina Circuit von Abu Dhabi auf zwei statt vier Rädern und ohne Motor auf jene Zielgerade einzubiegen, wo sonst Lewis Hamilton und Sebastian Vettel in den höchsten Gang schalten und an den voll besetzten Tribünen vorbeirauschen, das weiss Philippe Urfer aus Ringgenberg.

«Schon speziell», lässt sich der 33-jährige Ringgenberger in der Kantine der Stiftung Bernaville in Schwarzenburg entlocken. Dort, wo Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung leben und arbeiten, erinnert sich Philippe Urfer in diesen Tagen nur zu gerne an die Reise an die World Summer Games im Fernen Osten.

«Sehr heiss und viel Sand», so umschreibt Special-Olympics-Teilnehmer Urfer die Bedingungen während des 5-Kilometer-Radrennens auf dem Formel-1-Rundkurs. «Das Klima mit dem bis zu 50 Grad heissen Asphalt und dem stetigen Sand in der Luft, auch während der Rennen, hat den Athleten alles abverlangt», ergänzt Jürg Müller, Berner Coach des Radteams, die Aussagen seines Schützlings. Müller ist nicht nur Trainer des Special-Olympics-Radfahrertrios Philippe Urfer, Michael Bucher (Lanzenhäusern) und Stefan Gutknecht (Kriechenwil), sondern gleichzeitig auch als Leiter des Arbeitsbereichs Werkstatt in der Stiftung Bernaville Chef des Oberländers.

Auf beleuchteter Strecke

Müller windet dem Trio ein grosses Kränzchen und ist stolz auf dessen Leistung. Es sei ein besonderes Erlebnis gewesen, durch die Boxengasse der Formel 1 zu schlendern und als besonderen Höhepunkt streicht der Radteam-Coach die abendliche Spazierfahrt per Velo auf der hell beleuchteten Rennstrecke heraus. «Ja, superschön», antwortet Philippe Urfer auf die Frage, ob das Fahren auf der Rennstrecke eine der bleibendsten Erinnerungen an die Reise sei.

Und seine sportliche Leistung mit einem vierten Rang im 5-Kilometer-Radrennen, ein fünfter Platz im 5-Kilometer-Zeitfahren und Rang 8 im Zeitfahren über 2 Kilometer? Ist er damit zufrieden? «Schon, ja», gibt der Ringgenberger zu Protokoll. Dass zumindest ein Podestplatz über fünf Kilometer in Reichweite gelegen hätte, weiss Philippe Urfer selber.

Unterwegs in der Wüste

Doch die drei Velofahrer aus der Stiftung Bernaville spulten im Wüstenstaat mit ihren Mountainbikes nicht nur Kilometer um Kilometer ab, sondern lernten auch ein wenig Land und Leute kennen. Die Stoffgewänder mit den speziellen Kopfbedeckungen der Männer hatten es den Special-Olympics-Teilnehmern aus Schwarzenburg besonders angetan und Philippe Urfer liess nicht locker und kaufte sich in einem Geschäft eine Garnitur. Der Ritt auf einem Dromedar durfte beim Ausflug in die Wüste auch nicht fehlen.

Und nach der Rückkehr in die Schweiz und dem Empfang im Bernaville durch Belegschaft, Bewohner und Schwarzenburgs Gemeindepräsident Martin Haller ist für Philippe Urfer und seine Olympia-Kollegen der Alltag eingekehrt.

«Das Training nehmen wir Ende April wieder auf, dann sind wir einmal pro Woche mit dem Bike unterwegs und feilen unter anderem an der Technik», sagt Coach Jürg Müller und macht sich wieder an die Arbeit mit der Kontrolle der Konfektionsarbeiten von Philippe Urfer und dessen Mitbewohnerinnen und -bewohnern in der Werkstatt im Bernaville.

Berner Oberländer

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