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Die Gämse, die Stilisten und die Albträume

OK-Vizepräsident Fredy Fuchs (72)

Gämsjagd vor dem Slalomsieg. Als Fredy Fuchs im Zielraum Adolf Mathis und Willi Forrer entdeckt, steuert er auf die rüstigen Pensionäre zu. Nach der herzlichen Begrüssung erzählt Fuchs eine besondere Geschichte: «Es geschah am Tag vor dem Lauberhorn-Slalom 1962. Eine blinde Gämse hatte sich im Wald neben der Piste verirrt. Mathis und Forrer fingen das Tier von Hand ein, brachten es in einen Stall und holten den Wildhüter. Am anderen Tag gewann Adolf Mathis das Rennen.» Zwei Jahre später wurde Mathis eidgenössischer Wildhüter, ein Beruf, den er bis 2003 ausüben sollte. Mathis (71) und Forrer (74), Dritter in der Lauberhorn-Abfahrt 1958, seien Gegenpole gewesen, sagt Fuchs: «Forrer konnte in der Nacht vor dem Rennen nicht schlafen. Deshalb jasste er im ‹Eiger› bis tief in die Nacht hinein. Mathis dagegen schlief wie ein Murmeltier. Am Renntag besuchte der Katholik morgens um 6 Uhr jeweils die Messe.» Rüge an Tomba. Als der Italiener Alberto Tomba in den Neunzigern seinen Frust über das Ausscheiden am Holzzaun im Zielgelände ausliess, packte Fredy Fuchs den Star am Kragen. «Wenn du den Zaun mit deinen Skischuhen kaputtmachst, kannst du ihn bezahlen. Du gehst jetzt, wie jeder andere Fahrer auch, zum Ausgang und stellst dich den Journalisten, sonst haben wir Krach.» Da habe Tomba aber gehorcht, erzählt Fuchs mit einem Schmunzeln. Abschied mit Stil. Nach dem letzten Rennen am Lauberhorn zieht die Weltcup-Karawane jeweils zügig aus Wengen ab. Drei Fahrer bestiegen die Wengernalpbahn nie, ohne Fredy Fuchs in dessen Büro persönlich auf Wiedersehen gesagt zu haben. Christian Neureuther (De), Erik Haker (No) und der Schweizer Walter Tresch hätten ihm immer für die tadellose Organisation gedankt. «Das hat uns motiviert, es im nächsten Jahr noch besser zu machen», sagt Fuchs. Reinstadlers Todessturz. Das traurigste Erlebnis für Fredy Fuchs am Lauberhorn ist das Unglück aus dem Jahr 1991. Der Österreicher Gernot Reinstadler verunfallte im Qualifikationstraining bei einem Sturz im Zielhang tödlich. Die Rennen wurden danach abgesagt. «Ich hatte zwei, drei Monate lang Albträume. In diesen Träumen sah ich aber nie Gernot, sondern einen mir unbekannten Skirennfahrer, der beim Canadian Corner stürzte, auf die Geleise der Wengernalpbahn rutschte und von der Lokomotive überfahren wurde», sagt Fuchs. In dieser aufwühlenden Zeit habe er sich überlegt, die Rennleitung der Lauberhornrennen abzugeben. An den Todessturz werde er immer wieder erinnert. Im Winter beim Skifahren, im Sommer beim Wandern oder im Herbst, «wenn ich beim Pilzsuchen den Zielhang traversiere». Thomas Wälti >

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