Die Gefahr vom Niesen wird eingedämmt

Wimmis

Immer wieder bringt der Gatafelgraben, der zwischen Mittel- und Westgrat des Niesens bis ins Dorf Wimmis führt, Schlamm, Wasser und Geröll mit vom Niesen. Schutzdämme sollen den Graben nun sicherer machen.

Manfred Hofmann von der Schwellenkorporation Wimmis erklärt, wo die Schutzmassnahmen errichtet werden sollen. Foto: Claudius Jezella

Manfred Hofmann von der Schwellenkorporation Wimmis erklärt, wo die Schutzmassnahmen errichtet werden sollen. Foto: Claudius Jezella

15, vielleicht 30 Minuten dauerte das Gewitter im vergangenen Sommer, kein Grossereignis und schon gar kein Jahrhundertereignis. Aber es reichte aus, um die drei grossen Geschiebesammler – immerhin 50 mal 30 Meter lang und 2,50 bis 6 Meter hoch, Fassungsvermögen: jeweils 5000 bis 6000 Kubikmeter – randvoll zu machen: grosse Felsblöcke im oberen, Steine und Geröll im mittleren, hauptsächlich Schlamm im unteren, ein erhöhter Wasserstand im Dorfbach.

«Grosse Ereignisse gab es hier schon immer, aber man muss sagen: Das nimmt eindeutig zu.»Manfred Hofmann, Schwellenkorporation Wimmis

Der Wirtschafts- und Wanderweg, der etwas oberhalb davon über den Gatafelgraben führt, war unpassierbar. Das, was Manfred Hofmann hier beschreibt, wiederholt sich mittlerweile Jahr für Jahr. Der Ablauf sei nahezu identisch: Die Gewitter ziehen aus dem Simmental heran und entladen sich dann am Niesen zwischen Mittel- und Westgrat. Die dabei auftretenden Wassermassen sammeln sich im Gatafelgraben, reissen das lose Gestein im steilen Gelände mit und transportieren es in beachtlichen Mengen in Richtung Wimmis. Am schlimmsten seien Gewitter mit Hagel, so Hofmann.

Vier Häuser in roter Zone

«Grosse Ereignisse gab es hier schon immer, aber man muss sagen: Das nimmt eindeutig zu», meint Hofmann, der es in den 20 Jahren, in denen er für die Schwellenkorporation Wimmis tätig ist, bereits dreimal miterlebt hat, dass der Graben den Schlamm bis ins Dorf getragen hat.

Besonders gefährdet sind vier Wohnhäuser auf der Lochmatte. Um diese Häuser am Siedlungsrand aus der roten Gefahrenzone zu holen, hat die Schwellenkorporation Wimmis durch das Ingenieurbüro Kissling und Zbinden AG nun ein umfangreiches Hochwasserschutzprojekt ausarbeiten lassen.

Im Kern sollen mehrere Schutzdämme Wasser und Geschiebe im Gatafelgraben im Notfall in die richtige Bahn lenken. Der oberste Punkt, an dem angesetzt wird, liegt auf rund 900 Metern über Meer und betrifft die im Sommer zuletzt verschüttete Wirtschaftsstrasse. Diese soll links des Grabens auf einer Länge von 86 Metern um einen Meter angehoben werden.

An der Stelle, an der der Graben im weiteren Verlauf nach rechts biegt, sind die umfangreichsten Massnahmen zum Schutz der Lochmatte vorgesehen. Ein bis zu 4 Meter hoher sogenannter Leitdamm mit einer Länge von 315 Metern soll dort das Austreten von Murgängen verhindern. Ein weiterer 2,40 Meter hoher und 97 Meter langer Damm gleich daneben soll wiederum gewährleisten, dass Wasser, Schlamm und Geröll den dort bestehenden Geschiebesammler nicht überfliessen.

Beim folgenden Geschiebesammler soll die Lücke zwischen zwei bestehenden Dämmen auf einer Länge von 140 Metern bis zu den gefährdeten Häusern auf der Lochmatte geschlossen werden. Ähnlich sieht es beim untersten Geschiebesammler aus. Hier wird die Strasse um 1,50 Meter angehoben, um die Dammlücke zu schliessen.

Bund und Kanton helfen mit

Die letzte Massnahme betrifft die Stelle beim Sagimoos auf 630 Metern über Meer, an der der Dorfbach unter die Erde tritt. Vorgesehen ist, das Gerinne aufzuweiten, die Biegung etwas zu strecken und den bestehenden Durchlass zu ersetzen.

Mithilfe eines Staukragens soll die Durchflusskapazität in der eingedolten Strecke erhöht werden. Es wird mit Gesamtkosten von 2,7 Millionen Franken gerechnet, wovon voraussichtlich 30 Prozent auf die Schwellenkorporation fallen werden. Nach aktuellen Einschätzungen übernehmen Bund und Kanton die übrigen 70 Prozent.

Baustart im nächsten Winter

Das Mitwirkungsverfahren sei im Grunde bereits abgeschlossen, erklärt Manfred Hofmann. «Wir haben mit allen Landbesitzern und der Waldgemeinde alles vorbesprochen.» So seien für die Anlage der Dämme auch Rodungen im kleinen Umfang und nachträglich Wiederaufforstungen vorgesehen.

Und so hoffen die Verantwortlichen, nach dem Erhalt der Baugenehmigung im nächsten Winter mit den Arbeiten beginnen zu können. Unabhängig davon wird die Schwellenkorporation in den nächsten Wochen die üblichen Unterhaltsarbeiten am Gatafelgraben vornehmen und die Geschiebesammler leeren. – Das nächste Gewitter über dem Niesen kommt bestimmt.

Berner Oberländer

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