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Die Hürde ist hoch – wie in Barcelona

LeichtathletikAn der morgen beginnenden WM in Daegu ruhen die Hoffnungen aus Berner Sicht primär auf Lisa Urech. Für die Hürdensprinterin ist der Final in Reichweite – sofern alles zusammenpasst.

Asien ist Neuland. Lisa Urech befindet sich im Steigflug, lange Strecken jedoch hat sie erst einmal fliegend zurückgelegt. Es erstaunt daher nicht, ist die Unbekannte im WM-Fahrplan der Hürdensprinterin eng mit der Reise nach Südkorea verbunden. Sie sei einmal in Südafrika gewesen, sagt die 22-Jährige, «aber wie ich auf den Zeitunterschied reagieren werde, weiss ich nicht». Südafrika liegt in der mitteleuropäischen Zeitzone, die Differenz zwischen Bern und Daegu beträgt sieben Stunden. Zeit zur Akklimatisierung ist entsprechend viel einkalkuliert worden, Urech ist heute in der 2,5 Millionen Einwohner zählenden Metropole angekommen. Die Vorläufe über 100 Meter Hürden werden am nächsten Freitag ausgetragen. An die zu erwartenden Temperaturen hat sich die Bernerin in der letzten Woche auf Mallorca gewöhnt. Es sei der richtige Entscheid gewesen, sich den letzten Schliff auf der Insel zu holen, sagt Trainer Sven Rees. «Im Schnelligkeitsbereich sind Lisas Werte so gut wie noch nie.» Und es sei ihr zuweilen gelungen, die Explosivität auf die Hürden zu übertragen. Was simpel klingt, stellt eine grosse Herausforderung dar – eine kurze Unaufmerksamkeit könne den ganzen Lauf zunichtemachen, hält Urech fest und liefert ein Exempel: «Ist in der Startphase ein Schritt zu passiv, stimmt in der zweiten Hälfte das Timing nicht.» In einem solchen Fall gehe auf wenigen Metern sehr viel Zeit verloren. Unterbewusstes Taktieren Ein derartiges Missgeschick darf sich die Schweizer-Rekord-Halterin nicht erlauben, soll die Vision von der Finalqualifikation real werden. An den letzten beiden Weltmeisterschaften sei dazu eine 12,70er-Zeit erforderlich gewesen, sagt Rees. Urechs Bestmarke liegt bei 12,62, es handelt sich um den Exploit auf der Höhe von La Chaux-de-Fonds. Für den zweitschnellsten Lauf, den sie unter regulären Bedingungen bestritt, benötigte sie 12,80 Sekunden. Die Ausgangslage erinnere sie an jene vor der EM 2010, meint die Langnauerin. «In Barcelona hatte ich gewusst, dass ich den Final nur mit einer Topleistung erreichen kann. Nun bewege ich mich auf höherem Level, aber die Herausforderung ist ungefähr die gleiche.» In Katalonien ging der Plan auf; Urech sprintete in 12,95 in den Endlauf. Die Gefahr, bereits im Vorlauf zu stolpern, scheint gering. «Taktieren ist nicht mein Ding», erwidert Urech auf die entsprechende Frage. «Ich kann mich schlecht zurückhalten, aber fürchterlich ärgern, wenn etwas nicht so läuft, wie ich mir das vorstellte.» In diesem Wesenszug erkennt Rees eine zentrale Ursache der Stärke seiner Athletin. Spezielle Typen seien in der Lage, Besonderes zu leisten, pflegt der Deutsche zu sagen. Den Umstand, im Vorlauf in der Regel langsamer zu sein als im Final, führt die Bernerin auf das Unterbewusstsein zurück. «Im Vorlauf spüre ich oft weniger Druck unter den Füssen als in einem Final. Steuern kann ich das nicht.» Vorbild Pearson Steigerungspotenzial sieht Rees in allen Belangen, die Bereiche sind miteinander verknüpft. So führt die Erhöhung der Stabilität über technische Fortschritte. Filigrane Athletinnen wie Urech geraten eher aus der Balance als Kraftpakete, wenn sie eine Hürde touchieren. Als Orientierungspunkt dient die Jahresbeste Sally Pearson (12,48). Deren Technik sei «fast perfekt», sagt die Bernerin und bezeichnet die Auftritte der Australierin als «inspirierend. Sie zeigt, dass man als weisse Läuferin ganz vorne sein kann.» Rees ist der gleichen Ansicht, wirft jedoch ein, Pearson sei 25-jährig und damit bereits im besten Alter. Die 22-jährige Urech hingegen befinde sich noch in einem früheren Entwicklungsstadium. «Deshalb ist es für Lisa nicht so relevant, ob sie in Daegu den Final erreicht oder nicht. Wichtiger ist, dass es ihr gelingt, am Wettkampftag die bestmögliche Leistung abzurufen.» Diese Vorgabe ist Herausforderung genug – erst recht in fremden Gefilden.Micha Jegge>

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