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Die Katastrophen-Gefahr ist gebannt

GuntenbachJetzt steht der neue mächtige Geschiebesammler im Guntenbach. Das Millionenbauwerk aus Beton und Stahl soll das Dorfzentrum Gunten bei Unwettern vor Millionenschäden und Schlimmerem bewahren.

Gewaltig, fast furchteinflössend sind die Dimensionen des neuen Geschiebesammlers, so wie er jetzt noch «nackt» und unbewachsen den Guntenbach um fast zehn Meter überragt. Mit Gewalt und Furcht hat das soeben fertig gestellte Bauwerk beim Brätliplatz Riedli einige hundert Meter hinter dem Dorfzentrum Gunten auch einiges zu tun. Die Sperre soll nämlich die Furcht im Dorf vor den Gewalten der Natur mindern, die im Guntenbach wirken können. Es war im Sommer 1937. Ein heftiges Unwetter über dem fast acht Quadratkilometer grossen Einzugsgebiet des Guntenbachs liess das ansonsten idyllische Bächlein zu einem reissenden Fluss anschwellen. «Dabei waren die Wassermengen nicht das grösste Problem», betont Lorenz Saurer, Projektleiter bei der Sigriswiler Bauabteilung: «Weit schlimmere Schäden richtete das mitgeführte Geschiebe an.» Einfaches System Mit dem Wasser wälzten sich Tausende Tonnen Geröll hinunter. Das Bachbett vermochte sie nicht zu fassen. Wie Rammböcke schossen Baumstämme unkontrolliert in Richtung See und drohten, die engsten Stellen im entfesselten Bach zu verschliessen. Häuser wurden überflutet. Nach dem Unwetter waren erhebliche Teile des Dorfkerns mit Steinen, Kies, Sand, Schlamm, Holz und Unrat übersät. Diese Gefahr ist mit dem neuen Geschiebebecken gebannt. Dessen Funktionsweise ist denkbar einfach. Fast sieht die Geschieberückhaltemauer aus wie ein kleiner Staudamm. Doch in der Mitte klafft eine rund drei Meter breite Lücke: der Wasserdurchlass. In diesen werden in verstellbarem Abstand horizontal massive Stahlbalken eingesetzt, sodass der Durchlass einer Art breiten «Leiter» ähnelt. Tritt nun ein Hochwasserereignis mit enormen Geschiebemengen ein, werden die gröbsten Geröllbrocken aufgehalten, während das Wasser weiter abfliessen kann. Wichtige Etappe «32000 Kubikmeter Geröll kann das Geschiebebecken zurückhalten, bevor es voll ist», erklärt Bauingenieur und Planer Kurt Pieren (siehe auch Infokasten). Er hat für das Steffisburger Planungsbüro Gerber+Pieren Ingenieure AG das Projekt im Auftrag der Gemeinde Sigriswil ausgearbeitet. «Nun haben wir eine entscheidende erste Bauetappe für den Hochwasserschutz Guntenbach termingerecht fertig gestellt», freut sich der Ingenieur. Dazu gehört auch eine neue Brücke über den Guntenbach und eine Zufahrtsstrasse zum Geschiebebecken, um dieses nach einem Unwetter ausbaggern zu können. Als Nächstes brechen Arbeiter die alte Geschiebesperre ab. «Sie wurde 1938 etwas oberhalb des neuen Bauwerks als Reaktion auf das schwere Unwetter von damals errichtet», weiss Lorenz Saurer, Projektleiter und Bereichsleiter Umwelt der Bauverwaltung Sigriswil. «Nach dem Abbruch können die Fische übrigens wieder bis zum Wasserfall aufsteigen.» Anstelle der alten Sperre entsteht ein Ringnetz aus starkem Maschendrahtzaun, um bei Extremereignissen Schwemmholz abzufangen. Wenn dann im Bühlgraben bei der Tschingelbrücke 14 Betonsperren errichtet, 5 repariert und 3 abgerissen sind, wird in etwa zwei Jahren das gesamte Bauprojekt vollendet sein. «Übergabe ans Volk» «Im Rahmen einer kleinen öffentlichen Feier mit Apéro weihen wir jetzt den Geschiebesammler mit Zufahrt und die Brücke über den Guntenbach ein», sagt Thomas Zwahlen, Gemeinderat von Sigriswil (Gunten gehört zur Gemeinde Sigriswil) und Vorsteher der Bau- und Umweltkommission. «Wir übergeben die neuen Bauwerke so symbolisch dem Volk.» Die Einweihung findet heute Freitag um 17 Uhr statt; alle sind eingeladen. Besonderen Grund zum Feiern haben Eigentümer, Bewohner und Benutzer all jener Gebäude, die dank dem neuen Geschiebesammler künftig nicht mehr in einer roten Zone eingetragen sind, in welcher die Gefahr bei einem Unwetter als erheblich eingestuft wird. Dazu gehören auch ein Schulhaus, ein Restaurant und eine Arztpraxis. Und sobald die nun entblösste Umgebung wieder eingewachsen ist, wird das neue Bauwerk nicht mehr so gewaltig und furchteinflössend wirken. Hans Peter Roth >

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