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Die Krux mit den Hypotheken

KantonalbankIm vergangenen Jahr hat die Berner Kantonalbank ihr Hypothekarvolumen um 680 Millionen Franken gesteigert. Die Bankspitze räumte ein, dass ihr die Entwicklung auf diesem Markt Sorgen bereitet.

Das Wachstum ist eindrücklich: Die Berner Kantonalbank (BEKB) hat im vergangenen Jahr zusätzliche 680 Millionen Franken als Hypothekarkredite vergeben. Die Hypothekarforderungen stiegen damit auf rund 15,6 Milliarden Franken. «Wir wachsen in diesem Bereich mit einem Wert von 4,5 Prozent relativ stark», sagte BEKB-Chef Jean-Claude Nobili an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz. Der Grund für das rasche Wachstum ist das tiefe Zinsniveau, welches es für viele angehende Hausbesitzer attraktiv macht, Wohneigentum zu erwerben. Das Wachstum ist so stark, dass Philipp Hildebrand, der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, vor einer Immobilienblase gewarnt hat. In seinem Referat sagte Jean-Claude Nobili, was alle Bankchefs in der aktuellen Situation sagen: «Bei der Kreditgewährung achten wir darauf, dass die Tragbarkeit für die Kunden auch bei einem deutlich höheren Zinsniveau gewährleistet ist.» Der Tragbarkeitsberechnung werde ein Zinssatz von fünf Prozent zugrunde gelegt. Nachdenklicher BEKB-Chef Doch in der Fragerunde schlug Jean-Claude Nobili ungewöhnliche Töne für einen Bankchef an: «Ich bin völlig gleicher Meinung wie Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand», sagte er. Dessen Sorgen seien durchaus berechtigt. «Wir wissen nicht, welche Folgen es haben wird, wenn die Zinsen von zwei auf vier Prozent steigen werden», fügte der BEKB-Chef an. Nobili hat beobachtet, dass die tiefen Zinsen zu einem Mentalitätswandel bei den Kunden geführt haben: «Die Kunden sind heute rascher bereit, sich zu verschulden. Wir haben etwas den Respekt vor den Schulden verloren», fügte er an. Preise sind «sportlich» Als Folge der hohen Nachfrage sind die Immobilienpreise im Kanton Bern stark angestiegen: Hanspeter Rüfenacht, der Nobili Anfang 2012 als BEKB-Chef ablösen wird, nannte Gstaad, Grindelwald und die Thunerseeregion als Beispiele. In der Stadt Bern seien die Preise für Eigentumswohnungen «sportlich». Aber das Niveau sei nicht mit demjenigen von anderen Schweizer Städten vergleichbar. Von einem abrupten Bremsmanöver bei der Vergabe von Hypotheken will Nobili indes nichts wissen: Man sei schon vor mehreren Jahren auf die Bremse getreten, sagte er. «Wir tun alles dafür, dass wir auch bei steigenden Zinsen unseren Kunden werden in die Augen schauen können», sagte er. Zudem vergibt die BEKB nur zurückhaltend Hypothekarkredite mit Laufzeiten von gegen zehn Jahre. So will sie verhindern, dass ihre Marge bei steigenden Zinsen allzu stark sinkt. Eine Bank kann nämlich in eine Schieflage geraten, wenn sie den Sparern plötzlich fast gleich hohe Zinssätze zahlen muss wie sie ihr die Hypothekarschuldner bezahlen müssen. Nobili betonte zudem, dass die Bank in den letzten Jahren auch Reserven geäufnet habe, um allfällige Verluste verkraften zu können: «Bei Schönwetter muss man sich überlegen, wie man sich für das schlechte Wetter wappnet.»Stefan Schnyder>

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