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Die Region erhält klare Grenzen

Der Name Oberaargau des künftigen Verwaltungskreises hat eine lange Geschichte. Der Langenthaler Historiker Max Jufer zeigt hier auf, was zu verschiedenen Zeiten unter dem Oberaargau verstanden wurde.

Die kantonale Verwaltungsreform, die auf 2010 in Kraft tritt, ist für den Oberaargau ein historischer Einschnitt. Er bedeutet, dass der kommende Jahreswechsel zum Scharnier wird zwischen den bald der Vergangenheit angehörenden, traditionsreichen Amtsbezirken Wangen und Aarwangen und dem neuen Verwaltungskreis Oberaargau, zu dem künftig auch der Nordteil des einstigen Amtsbezirkes Trachselwald gehört. Und nicht nur dies: Nach über einem Jahrtausend gewinnt der Oberaargau seine staatsrechtliche Gestalt wieder. Beginn: 9. Jahrhundert Der Oberaargau entstand nach verschiedenen karolingischen Reichsteilungen als fränkischer Verwaltungsbezirk um die Mitte des 9. Jahrhunderts als Teil eines ursprünglich von der Aare zur Reuss reichenden Gesamtaaregaus. Er umfasste so noch das Gebiet rechts der Aare von der Murg über die Rot und den Napf bis zum Brienzergrat. Wissenschaftlich verbürgt erscheint dieser Bezirk erstmals im Jahr 861 in einer St.Galler Urkunde, gemeinsam mit «langatun (Langenthal) in pago (Gau) superiori Aragauginse». Keine territoriale Einheit Der Verwaltungsbezirk bildete, obwohl begrenzt und unter einem königlichen Beamten stehend, angesichts der damaligen Besiedlungsarmut und einer noch rudimentären Administration keine fest umrissene territoriale und rechtliche Einheit. Im Jahre 922 gelangte er an das welfische, sich von der Aare bis in die Provence erstreckende Königreich Burgund und ging mit diesem 1032 in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation ein. Damit verlor auch der Begriff «Oberaargau», nachdem er noch 1040 als «comitatus Oberargewe» (Grafschaft) fassbar ist, allmählich seine politische Bedeutung und wurde zu einer blossen Zugehörigkeitsbezeichnung wechselnden geografischen und subjektiven Inhalts. Das Landgericht Murgeten Ein wichtiger Schritt in der Suche nach einer neuen Identität war für alle, die sich damals noch durch Geschichte, Sprache, Sitte und Brauchtum als Oberaargauer fühlten, 1252 die Entstehung der Landgrafschaft Burgund mit dem Landgericht Murgeten. Denn dieses entsprach mit seinen Grenzen Murg – Rot – Napf – Emme – Jurakamm – Aare ungefähr ihrem (bis heute verbliebenen) Wohnraum und wurde nach der Kapitulation des Landgrafengeschlechts Neu-Kiburg vor Bern (1406) in die Landvogteien Wangen (1408), Aarwangen (1455) und Bipp (1463) gegliedert. Und es setzte sich der Name «Oberaargau» folgerichtig auch wieder offiziell durch. Denn nach der Eroberung des westlichen Aargaus 1415 schied die Obrigkeit der Stadtrepublik Bern deutlich die neuen Ämter des «Unteren Aargaus» von denen des «Oberen Aargaus». 1668 entstand der Rekrutierungskreis Oberaargau (Vorläufer des späteren Oberaargauer Regiments 16), 1704 wurde im «Weissen Kreuz» zu Langenthal die «Oberaargauische Krämerzunft der drei Ämter Wangen, Aarwangen und Bipp» gegründet und nur drei Jahre danach gleichenorts die «Oberaargauische Meisterschaft der Chirurgischen Sozietät der Wund- und Schnittärzte» der Ämter Wangen, Aarwangen und eines Teils von Burgdorf und Trachselwald. Die nächste öffentliche Erwähnung liess nun allerdings lange auf sich warten, bedingt durch eine vom zentralistischen Geist Frankreichs beherrschte Epoche, in welcher der Begriff «Oberaargau» 1798 nach einem Bauernaufstand in den Buchsibergen bewusst verdrängt und die Vogtei Bipp dem Distrikt Wangen zugeschlagen wurde. Sie war erst in der Restauration mit dem Wahlkreis «Landschaft Oberaargau» und dann im liberalen, 1831 geschaffenen Volksstaat der Regeneration wieder möglich. Zahlreiche Verbände Da erfolgten nun um das Kerngebiet Wangen/Aarwangen in verschiedenen Ämterkonstellationen 1837 die Gründung des Oekonomisch und Gemeinnützigen Vereins Oberaargau und der Oberaargauischen Volksbibliothek, 1838 des Oberaargauischen Sekundarschulverbandes, 1848 des Oberaargauischen Offiziersvereins und des Landesteil-Wahlkreises Oberaargau (identisch mit dem Oberaargauischen Schützenverband von 1909). 1853 wurde das radikale Presseorgan «Der Oberaargauer» gegründet, 1869 der Grossratswahlkreis Oberaargau und 1891 die Oberaargauische Armenverpflegungsanstalt Dettenbühl in Wiedlisbach. Nun war der Damm gebrochen. Es sammelten sich über die Jahrhundertwende und die beiden Weltkriege hinweg mit dem Bekenntnis zum Landesteil Oberaargau Tausende von Natur- und Heimatschützern, Sängern, Musikanten, Sportlern, Berufsleuten, Gliedern der Landeskirche, Gewerkschaftern und politischen Gesinnungsfreunden in Vereinen, Verbänden, Gesellschaften und Parteien. Jakob Käser und Jahrbuch Besonders zur Identifizierung trugen zudem bei: zahlreiche geschichtliche und geografische Beiträge, Jakob Käsers Mundartband «Oberaargouerlüt», Fritz Ramseyers Wanderbuch «Oberaargau», «Der Oberaargau in den Zeichnungen Carl Rechsteiners», das «Oberaargauerlied» von Willy Burkhardt nach dem Text von Ernst Balzli, und schliesslich 1958 das «Jahrbuch des Oberaargaus». Jetzt war der Weg geebnet zur Entstehung der Oberaargauischen Mittelschulen 1963, zum Planungsverband Region Oberaargau 1967, zur Volkswirtschaftskammer Region Oberaargau 1987, zur Regionalen Verkehrskonferenz 1994, zur Regionalen Tourismusorganisation 1996 mit dem Monatsbulletin «Oberaargau», 2000 zum Spital Region Oberaargau (SRO), zum Kirchlichen Bezirk Oberaargau sowie der Sammlung «Das Recht im Oberaargau» und als krönendem Abschluss 2010 zum territorial erstmals eindeutig festgelegten Verwaltungskreis Oberaargau.Max Jufer >

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