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Die Reise in ein neues Leben

Ein Traum wird wahr: Sabine Widmer aus Schwendibach wandert nach Neuseeland aus. Am anderen Ende der Welt will sie als Kunstschaffende leben. Die Vorfreude ist gross, der Schmerz, die Familie zu verlassen, aber ebenso.

Sabine Widmer geht weg. Für immer. Nach Neuseeland. Seit die 29-Jährige vor drei Jahren zum zweiten Mal Ferien am anderen Ende der Welt gemacht hat, weiss sie: «In Neuseeland bin ich wirklich glücklich, da gehöre ich hin.»

Während mehrerer Monate reiste sie alleine mit Auto und Bus durch Neuseeland. Im Reisegepäck: Skizzenblock, Farbstifte, Schnitzmesser und Fotoapparat. Wo immer es ihr gefiel, machte sie Halt, skizzierte, schnitzte oder fotografierte. Die wilde Landschaft mit ihren kräftigen Farben und die Kunst der Maori, der Ureinwohner, inspirierten sie. «Ich war noch nie so kreativ wie in Neuseeland», sagt die gelernte Hochbauzeichnerin.

Lang gehegter Wunsch

Wieder daheim in Schwendibach, im Berner Oberland, setzt Sabine Widmer ihre Skizzen um. Sie malt Landschaftsbilder in Acryl, entdeckt aber bald ihr Interesse für Tattoos und beginnt Vorlagen zu zeichnen. Dabei verbindet sie Symbole aus der Kultur der Maori und der Kelten.

Die mehrmonatige Reise nach Neuseeland weckte in Sabine Widmer einen lang gehegten Wunsch: das Leben als Künstlerin. Ein Leben, das für sie in Schwendibach und überhaupt in der Schweiz unvorstellbar scheint. In Neuseeland sei das anders: «Die dortige Kunstszene ist gross, wesentlich offener als hier, und der Einstieg ist einfacher», sagt sie. Auch die Akzeptanz der Neuseeländer gegenüber jenen, die ihr Leben etwas freier gestalten möchten, empfand sie als grösser.

So hat sich Sabine Widmer entschieden auszuwandern. Sie lebt alleine und hat in den vergangenen Wochen ihren gesamten Haushalt verschenkt oder verkauft und sich bei den Eltern einquartiert. Am 3.Februar 2010 fliegt sie mit 30 Kilogramm Reisegepäck nach Auckland, Neuseeland, in ihre neue Heimat.

Dabei wollte Sabine Widmer gar nie auswandern. Nie weg aus der Region Thun, weg von ihren Eltern, der Schwester, den Freundinnen und Freunden. «Sie zurückzulassen ist nicht einfach für mich», sagt sie, «besonders schmerzlich ist es, zu sehen, wie meine Familie unter meinem Entschluss leidet und mich gleichzeitig unterstützt, wo sie nur kann.» Doch die tiefe Liebe, die sie mit Neuseeland verbindet, und der Drang, aus ihrem Leben das Beste zu machen, seien zu gross.

Einen Job finden

Der Alltagstrott wird sie auch in Neuseeland einholen, dessen ist sich Sabine Widmer bewusst. Kunst zu schaffen wird in der ersten Zeit nur eine Nebensache sein. Als Erstes muss die Auswanderin eine Arbeit finden. Ihr Touristenvisum ist acht Monate gültig, so lange reicht auch das ersparte Geld. Hat sie bis zu diesem Zeitpunkt keinen Arbeitsvertrag, muss sie zurück in die Schweiz. «Der Schritt in mein neues Leben ist unsicher, aber es ist eine Bereicherung, so oder so», sagt sie.

Etwas ist für Sabine Widmer bereits sicher: «Meinen 30.Geburtstag nächstes Jahr im Mai feiere ich in Neuseeland, das wünsche ich mir seit sechs Jahren, seit meinem ersten Aufenthalt dort.»

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