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Die Rückkehr des Sonderbaren

Seit wenigen Wochen ist Felix Häsler, Mitglied der U21 des FC Thun, wieder einsetzbar. Der 20-Jährige ist Bruder von gleich acht Geschwistern, angehender Psychologe und erst seit acht Jahren Angehöriger eines Fussballklubs.

Manchmal lernt Hans doch, was Hänschen verpasst hat. Felix Häsler ist ein Späteinsteiger. Erst mit 12 war er einem Fussballklub beigetreten. In der Folge musste er sich aneignen, was für Gleichaltrige längst zum Effeff gehörte. Häsler, heute 20 und Angreifer der U21-Auswahl des FC Thun, sagt, Teamkollegen hätten ihm in Belangen wie Technik und Taktik nach wie vor was voraus. Das mag sein. Den Rückstand aber vermochte er in bemerkenswert kurzer Zeit auf ein für Laien kaum wahrnehmbares Minimum zu reduzieren. Felix Häsler ist in Gsteigwiler bei Interlaken aufgewachsen, als eines von neun Kindern einer Grossfamilie. Seiner Mutter war es schlicht nicht möglich, auch noch ihn ständig zu chauffieren. Also durfte er sich dem FC Interlaken erst anschliessen, als er fähig war, die Strecke mit dem Rad zurückzulegen. Häslers erste Station im geführten Fussball waren die Db-Junioren. Und da entpuppte er sich gleich als Talent. «Der Trainer bezeichnete mich als Strassenfussballer», sagt Häsler. Bevor er im Verein kickte, hatte er oft mit Freunden gespielt. Auf dem Schulhof etwa und meist gegen Ältere. «Da lernte ich mich durchzusetzen.» Auf der Fähigkeit, Zweikämpfe zu gewinnen, fusst die Karriere des schnellen Offensivspielers, der im Verlauf seiner Jugend massiv an Kraft zugelegt hat. Heute misst der Oberländer 1 Meter 88 und ist 86 Kilogramm schwer. Sein athletischer Körper ist kein Zufallsprodukt, sondern Resultat zahlloser Einheiten. «Meine Mutter nannte mich früher einen Kleinen und Feinen.» «Schätze Immaterielles» Feingliedrig ist Häsler im Innern noch immer. Er ist hoch anständig, wirkt scheu und ist in der Wortwahl sehr selektiv, was zu Sätzen wie «Weil es mir an Materiellem nie gemangelt hat, hatte ich die Möglichkeit, Immaterielles schätzen zu lernen» führt. Als Junior hatte er 2007 einen Gutschein für zehn Liter Bier gewonnen. Eingelöst hat er ihn bis heute nicht. Häsler ist Student, wie es mit Ausnahme einer Schwester all seine Geschwister waren oder sind. In Psychologie wird der 20-Jährige an der Universität in Bern gelehrt. Felix Häsler pflegt Werte, die gemeinhin rar zu werden drohen. Das Angebot eines anderen Teams hatte er einst abgelehnt, weil er Teile seines Umfelds nicht enttäuschen wollte. «Ich hatte Brüdern wie einem Kollegen versprochen, die Saison mit ihnen zu bestreiten. Daran hielt ich mich selbstverständlich.» Häslers Gewichtung mag der Karriere nicht immer förderlich gewesen sein. Zum Verhängnis wurde sie ihm indes nicht. Als 17-Jähriger schloss er sich – begünstigt durch eine glückliche familieninterne Konstellation – doch dem Fanionteam des FC Spiez an, zu dem er im Sommer 2007 im «Paket» mit Brüdern gewechselt hatte. In der 2. Liga machte der Angreifer auf sich aufmerksam. Ein Schlüsselspieler war er aber zu keiner Zeit. Daran, Profi zu werden, verschwendete er keinen Gedanken. Vom Ziel eines jeden Jungen, der Fussball mag, begann er im Sommer 2009 zu träumen. Da hatte er eben den Wechsel zur U21 des FC Thun geschafft. Im letzten Winter durfte Felix Häsler als einer der wenigen Nachwuchsfussballer die 1. Mannschaft ins Trainingslager begleiten. «Ich war damals in Topform.» Davon hat sich Häsler ein Stückchen entfernt, ohne dass er Schuld hätte. Er verletzte sich im Sommer, fiel zwei Monate aus. Gegenwärtig arbeitet er daran, sich den Stammplatz zurückzuerobern. Zuletzt durfte er immerhin jeweils die Schlussphase bestreiten. Er sagt: «Ich ordne dem Fussball nicht alles unter. Sollte ich aber die Möglichkeit kriegen, Profi zu werden, würde ich sie schon nutzen wollen.» Vielleicht schafft er es ja. Valon Behrami musste schliesslich 13 werden, bis er sich einem Fussballklub anschloss. Adrian Horn>

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