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Die «Swissness» in Person

Gehts noch schweizerischer? Wer Hanspeter

Vor noch nicht allzu langer Zeit verkörperte er in Thun die Tragik in Person. Am Freitagabend drehte er den Spiess um und drückte auf die Lachtränendrüse. Hanspeter Müller-Drossaart, der Darsteller Dällebach Karis an den Thuner Seespielen, stellte im Bärensaal sein zweites Soloprogramm «Unter anderem – überleben Sie gut!» vor. Rund 160 Zuschauerinnen und Zuschauer sahen einen Parcours Suisse, während dessen kein kleinkariertes Müsterchen aus- und selten eine helvetische Gepflogenheit unveräppelt blieb. Schulluft geschnuppert Als Erster musste Schulrektor Zögerli dran glauben. Nervös, aufgewühlt, halb verdrossen und mit abgewirtschafteten Witzchen im grauen Kittel, liess Zögerli alias Müller-Drossaart das Publikum abgestandene Schulluft schnuppern. In fast lupenreinem St.-Galler-Dialekt berichtete er von Lehrern, die aus Verzweiflung ihre Köpfe auf den Kopierapparat hämmern, Papa-Moll-Bücher als Lehrmittel anschaffen, «weil die wenig Text und viel Bilder drin haben», und vom neu angestellten Putzgehilfen, den er halb widerwillig und halb aus Mitleid angestellt hat: ein Ex-UBS-Banker aus einem Arbeitsloseneinsatzprogramm. Blümlisalp und Stockhorn Den Höhepunkt in Müller-Drossaarts Kabarett-Revue markierte das «Seminar Swissness»: Als «supergspüriger» und fast schon überengagierter Seminarleiter inszenierte er vor den versammelten Teilnehmern (dem Publikum) eine Art Swiss-Quiz: «In welchem Restaurant im Kanton Uri stieg Schiller zu seiner Zeit ab, um den ‹Tell› zu schreiben? In den Schützen, in den Adler oder in den Tell?» Nach wenigen Sekunden wurde das Opfer im Publikum nach seiner falschen Antwort als Schweiz-Banause geoutet: «Chabis! Schiller war gar nie im Kanton Uri.» Auch die Region Thun wurde zum Thema, als der Seminarleiter von «Übersättigung durch das Stockhorn-Piercing» sprach und die Art und Weise des fahrenden MS Blümlisalp als «Slow Steaming», zu Deutsch Langsam-Dampfen, beschrieb. Berner, Basler, Bündner Müller-Drossaart verstand es im weiteren Verlauf seiner Show, ohne Gleitmittel in die Haut von Baslern, Bündnern, Wallisern und Bernern zu schlüpfen. Dabei hatte er das bernische «Iiiu» genau so drauf wie das walliserische «Gäll?!», das baslerische «Nit?!» und das bündnerische «Guat!». Hauptsache Mann und Frau bleibt ganz schön schweizerisch. Und immer dran denken: «Das Zentrale der helvetischen Mentalität: S chunnt wies chunnt!» Dino Dal Farra >

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