Die «Übergangslösung» fährt seit 100 Jahren

Dieses Jahr begeht die Automobilverkehr Frutigen-Adelboden AG ihr 100-Jahr-Jubiläum. Trotz misslichen Wegverhältnissen, Planung einer Bahn und Opposition seitens der Kutscher kam es zur Gründung des Automobilverkehrs.

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Im vorletzten Jahrhundert gab es immer wieder heftige Kämpfe um eine neue Strassenverbindung im Engstligental. Projekte wurden entworfen und wieder verworfen, bis dann 1884 mit der Vollendung der Stegbrücke die damals neue Adelbodenstrasse fertiggestellt war.

Erst in der Mitte des letzten Jahrhunderts wurde die Strasse an vielen Stellen auf fünf Meter Breite ausgebaut. Weitsichtige Männer gründeten im Herbst 1916, während des Ersten Weltkriegs, ein Initiativkomitee für die Einführung des Automobilverkehrs als Übergangslösung bis zum Bahnbau.

Automobilverkehr statt Bahn

Trotz Opposition der Kutscher von Frutigen erfolgten Probefahrten zur Abklärung, ob auf der schwierigen und gefährlichen Strasse Automobilverkehr überhaupt möglich und nicht zu gefahrenvoll sei. Man war sich einig, dass nach Ansicht aller Kenner der besonderen Verkehrsverhältnisse nur ein Ziel für das Bestehen und die Weiterentwicklung Adelbodens gegeben war, nämlich die Erstellung der Bahn, sobald normale Verhältnisse ­eintreten.

Zum Bau der geplanten Schmalspurbahn kam es jedoch nie. Am 3. April 1917 nahm die Automobilverkehr Frutigen-Adelboden AG (AFA) den Betrieb auf, anfänglich mit nur einem Lastwagen.

Die erfreulichen Passagierzahlen des ersten Sommers gaben denen recht, die eine erhebliche Verkehrszunahme durch Ein­führung des Autodienstes vorausgesagt hatten. Das hohe ­Personenaufkommen erforderte, dass ein Lastwagen dazugemietet werden musste, bis der bestellte Omnibus der Firma Saurer im August gleichen Jahres ausgeliefert wurde.

Hindernisse auf allen Seiten

Der Benzinpreis, der sich seit Ausbruch des Ersten Weltkriegs verfünffacht hatte, schlug auf die Betriebskosten, und da war der noch immer schlechte Zustand der Strasse. Als «ein böses Kapitel» im ersten Jahresbericht sind die Fahrkünste der Chauffeure wie folgt erwähnt: «Am ersten Tag seiner Anstellung fuhr einer in eine Strassenhecke, und ein anderer karamboliert mit dem ersten Kutscher, der ihm begegnet, obschon beide Fahrer eine dreiwöchige Chauffeurschule absolviert haben.»

«Am ersten Tag seiner Anstellung fuhr einer in eine Strassenhecke, und ein anderer karamboliert mit dem ersten Kutscher, der ihm begegnet, obschon beide eine Chauffeurschule absolviert haben.»Aus dem ersten Jahresbericht

Schon im ersten Winter wurden der AFA Hindernisse in Form von Schnee in den Weg gelegt. Die AFA pflügte anstelle der eigentlich pflichtigen, aber säumigen Gemeinden die Adelbodenstrasse selber. Doch in Frutigen schüttete der Staatswegmeister im Einvernehmen und zur Freude der dortigen Industrie den Schnee wieder zurück auf die geöffnete Strasse.

Auch Hindernisse in Form von Naturgewalten behinderten den Verkehr. Im Jahr 1951 der grosse Hangrutsch im Hohstalden und der Felssturz von über 100 000 Kubikmeter 1984 an gleicher Stelle, was den Bau einer Umfahrungsstrasse über die alte Adelbodenstrasse erforderte. In demselben Jahr wurde dann eine Grosssprengung zur Stabilisierung des Felsgebietes am Hohstalden ausgelöst.

Im gleichen Jahrzehnt wurden die Brücken am Hohen Steg und über den Ronnigraben für insgesamt 2,5 Millionen Franken saniert. Aktuell sind die fünfzehn Kilometer der Adelbodenstrasse auf sechs Meter Breite ausgebaut. Trotzdem gibt es noch steinschlaggefährdete Stellen, die im Auge behalten werden müssen.

Jubiläumsanlässe: 1. Juli in der Technik der AFA in Frutigen: Oldtimer, Festwirtschaft, 100-Jahr-Ecke, Museumsbus. 7. Okt. im Festzelt hinter Bernahof Adelboden: Konzert und DJ. 8. Okt. im Festzelt hinter Bernahof Adelboden: Tagesprogramm für die Familien. 18. Nov. Unterhaltungsabend an der Lenk mit Komiker Martin Sumi.

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