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Die Weihnachtsgeschichte als Pilgerweg in Heiligenschwendi

Es ist dunkel da oben in Heiligenschwendi. Der Wanderer tastet sich dem Pfad entlang, rutscht aus und erschrickt – Glatteis auf dem Weg. Nur aus den Fenstern einzelner Häuser schimmern schwach die Lichter. Doch da sieht er einen hellen Fleck in der finsteren Nacht. Neugierig nähert sich der Wanderer ihm. Das Licht wird grösser und grösser. Als er dicht vor einer Scheune steht, geht ihm selbst ein Lichtlein auf: Es ist Gabriel, der Engel. Der Wanderer hört ihn reden: «Bald, Maria, bekommst du einen Sohn.» Der Wanderer geht weiter. Es ist kalt da oben in Heiligenschwendi. Der Wanderer spürt die eisige Bise an seiner Nasenspitze. Wie gerne würde er ein wenig ruhen an einem warmen Ort, um zu frischen Kräften zu kommen. An vielen Herbergen kommt er vorbei. Nirgends ist Platz für ihn. Auf einmal trifft er eine Frau auf dem Esel und einen Mann. Auch sie frieren und suchen Unterschlupf. Sie heissen Josef und Maria. «Niemand will uns aufnehmen», sagt Maria. Noch bevor der Wanderer das Wort ergreifen kann, sind die drei verschwunden. Es ist einsam da oben in Heiligenschwendi. Der Wanderer ist eine halbe Stunde unterwegs. Er hat vergessen, warum er hier ist, und noch weiss er nicht, wohin der Weg führt. Draussen auf dem Feld hüten Hirten ihre Schafe. Der Wanderer sucht das Gespräch. Da verkünden die Hirten ihm vom Erscheinen eines Engels. «Es wurde ganz hell», sagen die Hirten, «und der Engel sprach von einem Kind, das geboren wurde.» In Bethlehem, in einem Stall. «Dorthin will ich gehen», denkt der Wanderer und schreitet fort. Es wird hell da oben in Heiligenschwendi. Der Wanderer blickt auf in den Sternenhimmel. Da tauchen sie auf, die vielen Engel. Einer leuchtet heller als der andere. Dann hört er sie singen im Chor: «Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!» Der Wanderer stimmt ein, summt leise mit. Seine Kehle wird warm. Er schöpft Kraft für seinen Weg. Sein Ziel ist der Stall in Betlehem, um das Neugeborene zu sehen. Es geschieht etwas da oben in Heiligenschwendi. Am Himmel leuchtet ein neuer Stern. Sofort zieht er den Wanderer in seinen Bann. Er leuchtet so hell, dass der Wanderer seinen Weg sehen kann. An weitschweifigen Feldern zieht er vorbei. Fernab hinter dem Wegrand steht ein dichter Wald. Wieder ein Leuchten aus der Ferne. «Das muss Bethlehem sein», denkt der Wanderer. Aufgeregt beschleunigt er seine Schritte. Vorsichtig schleicht er zur Tür. Die drei Männer im Innern des Stalls bemerken ihn sofort. Es wird leutselig da oben in Heiligenschwendi. «Wir suchen den neugeborenen König», sagen die drei Männer. Dem Wanderer wird jetzt klar, worauf er sich eingelassen hat. «Auch ich bin auf dem Weg dorthin», sagt der Wanderer zu ihnen. Aber wer sind diese drei Männer? Es wird warm da oben in Heiligenschwendi. Es sind die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar. Sie kämen aus einem fernen Land. Auch sie hätten diesen hell leuchtenden Stern am Himmel gesehen und seien ihm gefolgt. Der Wanderer schlägt ihnen vor, gemeinsam den Weg zum Bethlehem-Stall zu beschreiten. Der Wanderer ist froh, eine Begleitung gefunden zu haben. Ihm wird warm ums Herz beim Gedanken, bald am Ziel seiner Reise zu sein. Es wird getratscht, da oben in Heiligenschwendi. «Schau nur, die drei Könige», hört der Wanderer es von allen Seiten her flüstern. Jetzt kann es nicht mehr weit sein. Dutzende Menschen – Kinder mit ihren Eltern, Grossmütter und Grossväter – bevölkern den Pfad. Es wird geplaudert. In der Gerüchteküche der Kinder brodelt es: «Meinst du, Jesus liegt im Heu?» – «Hat Josef lange Haare?» – «Liegt Maria erschöpft auf dem Bett?» Der Wanderer weiss es nicht. Er ist geboren, da oben in Heiligenschwendi. In Marias Armen liegt Jesus und schläft. Der Stern leuchtet über dem Stall. Der Weg des Wanderers geht zu Ende. Jetzt sieht er den ganzen Pfad aufscheinen. Bald spürt er auch seine Füsse und Hände wieder. Die giftige Bise ist verklungen. Dino Dal Farra Der «Weihnachtsweg» in Heiligenschwendi stellt die Weihnachtsgeschichte in sechs verschiedenen Scheunen dar. Er kann noch bis 31.Dezember abgeschritten werden. Mehr Informationen im Internet: •www.wiehnachtswaeg.ch>

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