Zum Hauptinhalt springen

Die Zierliche und ihre kräftigen Brummer

AarbergUrsula Huber fährt Kipper, Reisecars und Feuerwehrautos. Sie spielt leidenschaftlich gerne Theater und führt Regie in Aarberg. Die zierliche Frau sucht die Herausforderungen des Lebens.

Momentan geht es eher gesittet zu im Leben der 51-jährigen Aarbergerin Ursula Huber: Sie hat vor eineinhalb Monaten eine neue Stelle bei der Berner Kantonalbank angetreten. Hier betreut sie Kunden am Schalter. Und sie fährt mit der Mobilen Bank durchs Seeland. Den Führerausweis für Lastwagen hat sie schon lange im Sack. Bis vor ein paar Jahren ist Ursula Huber mit dem Schlittschuh-Club Lyss zu den Auswärtspartien ins Baselbiet, Oberland oder Emmental gefahren – als Carchauffeurin. Vier Jahre lang hat die zierliche Frau die Spieler des Erstligisten im Marti-Car von A nach B transportiert. Von der Grösse eines Vehikels lässt sich Huber nicht einschüchtern. «Am liebsten fahre ich Kipper. Zwar ist man am Abend froh, unter der Dusche zu verschwinden. Aber toll ist es allemal.» So hat sie beim Bau der Autobahn bei Pieterlen mitgeholfen, hat tagelang Material herumgekarrt – als eine von rund 20 Fahrern. «Die Routen waren jedoch eine einzige Hetzerei, jeder wollte möglichst viele Fahrten im Tag zurücklegen.» Oder sie ist mit einer Ladung Kalk ins Waadtland gefahren. Die Landwirte brauchen diesen zum Durchmischen des Viehmists. Auch ist sie schon in einem alten Saurer mit der immensen Motorhaube, einem «Hübeler», wie sie sagt, gefahren. Und mit Muldenlastwagen hat die Seeländerin auch Erfahrung. Und wenn man schon schwere Brummer fährt, so ist es naheliegend, auch bei der Feuerwehr zu chauffieren. Als erste Frau in der Aarberger Feuerwehr fährt Ursula Huber das Feuerwehrauto. Eigentlich hätte sie auf Ende letzten Jahres aufhören können. Mit 50 geht die Feuerwehrkarriere zu Ende. Aber sie hat diesen Rücktritt noch etwas hinausgezögert, «weil wir ein so tolles Ersteinsatzteam haben». Egal, wie schwer die Fahrzeuge sind: Für Ursula Huber ist es eine Herausforderung, diese ruhig und genau durch den Verkehr zu lenken. Sie empfinde das Fahren mit einem Lastwagen oder einem Reisecar als beruhigend. Mit 26 Jahren kam die dreifache Mutter durch ihren damaligen Mann zum Theaterspielen. 1986 gründeten Theaterfreaks aus dem Raum Aarberg die Aarberger Bühne. Zehn Jahre später bauten sie unter dem Hotel Krone das Theater Ringmuur. Mittlerweile blickt Ursula Huber auf über 30 verschiedene Rollen zurück. In der laufenden Saison führt sie zum zweiten Mal Regie, nach ihrem Debüt 2002 bei «Dr Neurose Kavalier». Nach 22 Vorstellungen geht das neue Stück «Room Service» am Samstag zu Ende. Da gibt es zeitlich wieder etwas Luft. Und Ursula Huber kann sich neben ihrem 100-Prozent-Job bei der Bank wieder hinters Steuerrad eines Reisecars setzen und mit Autosportfans nach Monza oder Hockenheim fahren. Sie, die eigentlich mal Kinderkrankenschwester werden wollte. Martin Rindlisbacher/BT/sl>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch