Zum Hauptinhalt springen

Dieser Politiker ist extrem – Daniel Wyrsch läuft ein Ultra-Rennen

jegenstorfGemeinderatspräsident Daniel Wyrsch startet heute Abend in Chamonix zum Montblanc-Rennen. Nach 167 Kilometern ist er am Sonntag am Ziel. Und am Montag ist er wieder in seinem Büro im Gemeindehaus Jegenstorf. Hoffentlich mit einer guten Zeit. Sicher mit Muskelkater.

Irgendwann wird die rechte Achillessehne schmerzen, dann das linke Knie. Blasen an den Füssen sind kaum zu vermeiden. Magenprobleme sind häufig, manche müssen erbrechen. Zwischen den Beinen, ja genau dort, droht der böse «Wolf», eine ziemlich unangenehme Entzündung. Wenns regnet, reiben sich die Brustwarzen so sehr am Stoff, dass sie bluten. Gegen Schluss schmerzen auch Muskeln, von denen man bisher gar nicht wusste, dass es sie gibt. Nach dem Lauf können viele nur noch rückwärts die Treppen hinuntersteigen. Fast die Hälfte gibt auf Heute ab 18.30 Uhr laufen 2300 Läuferinnen und Läufer in Chamonix in diese und viele weitere Strapazen hinein. Wenn das Wetter mitspielt, kommt etwas mehr als die Hälfte nach 167 Kilometern am gleichen Ort wieder an. Sie sind 9400 Höhenmeter hinauf und wieder hinunter gelaufen und haben das Montblanc-Massiv umrundet. Wenn das Wetter übel will, müssen weit mehr als 50 Prozent aufgeben. Die Prognosen versprechen Kälte. Zu den hoffnungsfrohen Sportlern, die heute Abend auf den Startschuss warten, gehört Daniel Wyrsch. Er ist 48, Grossvater und Schulleiter mit Teilpensum. Und er ist SP-Gemeinderatspräsident von Jegenstorf. Eigentlich gibt es zu einem solchen Vorhaben nur eine einzige vernünftige Interviewfrage: Warum? Daniel Wyrsch spricht von faszinierenden psychischen und physischen Grenzerfahrungen. «Ich denke bei solch langen Läufen viel über mich und mein Leben nach.» Es dürfte doch auch ein bisschen Eigennutz sein. Joschka Fischer ist jetzt zwar wieder pummelig, hat aber als ehemaliger deutscher Aussenminister vom fitten Image profitiert. «Ach was», sagt Wyrsch. Es seien keine Wahlen in Sicht. «Wenn schon, hätte dieser Artikel vor zwei Jahren vor den Gemeindewahlen erscheinen müssen.» Zum vierten Mal dabei Dann halt umgekehrt: Statt sich um Jegenstorf zu kümmern, verplempert der Gemeinderatspräsident seine Zeit beim Joggen im Wald. Er habe sein Pensum als Schulleiter der Gewerblich Industriellen Berufsschule reduziert, um genügend Zeit fürs Präsidium und für den Sport zu haben, kontert Wyrsch. Und fügt an: «Am Montag bin ich auf der Verwaltung an der Arbeit – wenn auch mit Muskelkater.» Maximal 46 Stunden Zeit hat er, um von Chamonix nach Chamonix zu rennen. Wyrsch ist zum vierten Mal dabei, 2006 und 2007 kam er ins Ziel. 2009 musste er wegen Magenproblemen aufgeben. Dieses Jahr rechnet er, zum schnellsten Viertel der Läufer zu gehören. Damit könnte er sich bei den Besten unter den Auserwählten einreihen. Für den Ultra-Trail du Montblanc müssen sich die Teilnehmer mit einem Punktesystem qualifizieren. In der Schweiz sind diese Punkte kaum zu ergattern: Der Jungfrau-Marathon ist zu kurz, der 100-Kilometer-Lauf von Biel zu flach. Beim Wettkampf schränken Regeln die Sportler ein. Sie müssen einen Rucksack mit Pflichtgepäck mitnehmen, unter anderem sind Notfalldecke und warme Kleider vorgeschrieben. Überdies sind sie verpflichtet, bei Notfällen den Mitläuferinnen und -läufern zu helfen. So etwas sei selbstverständlich, sagt Daniel Wyrsch. «Schliesslich müssen wir an diesem Rennen nicht die Mitläufer überwinden, sondern uns selbst.» Peter Steiger>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch