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Dilemmas der Unternehmer in der Krise

Martin Strehl

Krisenmanagement war im ablaufenden Jahr 2009 ein häufig verwendeter Begriff. Krisenmanagement tönt nach einer klar definierten, begreif- und erlernbaren Materie, also einem Fach, welches man an Uni und Fachhochschule lernen und im Bedarfsfall anwenden kann. Dieser Eindruck täuscht gewaltig, ist Krisenmanagement doch weit mehr als eine Fachdisziplin. Es ist vielmehr eine unglaublich komplexe, äusserst anspruchsvolle und für einen Unternehmer und das Management in verschiedener Hinsicht extrem belastende Angelegenheit. Wirtschaftskrisen betreffen Unternehmen in Form von nicht beeinflussbaren, schwer vorhersehbaren, raschen und dramatischen Veränderungen ihres Umfelds. Die Weltwirtschaftskrise führte für viele Betriebe zu markanten Einbrüchen im Auftragseingang, zu veränderten Finanzierungsmöglichkeiten und teilweise auch zu Ausfällen von Geschäftspartnern und den sich daraus ergebenden Konsequenzen. Zum Bewältigen von solchen Krisen gibt es kein Patentrezept. Jeder Unternehmer und Firmenchef steckt in verschiedenen Dilemmas, die er für sein Unternehmen und in seinem spezifischen Markt alleine lösen muss. Es gilt zum einen die wichtigen Fragen zu beantworten, wie stark das Geschäft einbrechen und wie lange der Einbruch anhalten wird. Fragen, die sich kaum beantworten lassen, aber letztlich entscheidend sind. Soll reagiert werden oder nicht? Können Verluste in Kauf genommen werden? Wenn ja, in welchem Ausmass und für wie lange? Wie lange reichen die finanziellen Mittel, wann würde es kritisch? Stehen die zugesagten Bankkredite auch zur Verlustfinanzierung unverändert zur Verfügung oder muss mit Kürzungen oder schlechteren Konditionen gerechnet werden? Soll man sich von Mitarbeitenden trennen und wenn ja, wann und von wie vielen? Soll man rasch handeln oder möglichst lange zuwarten, um damit für die Zukunft wichtiges und notwendiges Know-how zu sichern, keine Unruhe im Unternehmen aufkommen zu lassen und seine Position auf dem Arbeitsmarkt zu verschlechtern? Wie komfortabel und teuer soll bei unausweichlichen Entlassungen der Sozialplan sein? Man möchte natürlich den Betroffenen helfen, dem Unternehmen aber auch nicht zusätzlich rarer werdende Geldmittel entziehen. Wer zu spät oder zu milde handelt, gefährdet allenfalls das ganze Unternehmen (wie das Beispiel Wifag zeigt) und verliert die Freiheit des Handelns. Wer aber voreilig und übertrieben reagiert, schwächt sich letztlich ebenfalls. Das richtige Mass und das richtige Timing zu finden, ist im Krisenmanagement entscheidend. Das ist leicht gesagt, in der Realität aber vermutlich eine der grössten Herausforderungen für einen Unternehmer. Firmenchefs erhalten inunserer Gesellschaft Auszeichnungen und Lob wenn ihr Unternehmen eindrücklich wächst und überdurchschnittliche Gewinne erzielt. Meiner Meinung nach ist es aber eine mindestens ebenso grosse Leistung, ein Unternehmen intakt und zukunftstauglich durch eine schwere Krise – wie die aktuelle – zu steuern. Im Vorstand des Arbeitgeberverbands Wirtschaftsraum Thun und Berner Oberland sind wir beeindruckt, wie die Firmenchefs unserer Mitglieder mit grosser Sorgfalt und sozialem Verantwortungsbewusstsein aber auch mit der erforderlichen Entschlossenheit das Krisenmanagement wahrnehmen. Wir drücken ihnen und ihren Mitarbeitenden die Daumen, dass es gelingt, diese schwierige Zeit bestmöglich zu überstehen und mit intakten Chancen für den Aufschwung bereit zu sein. Dies auch im Interesse unseres Wirtschaftsraums. Wir zählen dabei auf das Verständnis und die Unterstützung der Sozialpartner, der Politik und der Öffentlichkeit. redaktion-tt@bom.ch >

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