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Der Figaro, der auch den Tango liebt

Roberto Mignogna ist Coiffeurmeister mit eigenem Salon und Tangotänzer aus Leidenschaft. Der Italiener, der seit 15 Jahren in Bern lebt, schätzt die schweizerische Korrektheit und wundert sich über zu viel Bescheidenheit.

Bern, Spitalgasse 38. Das Schild mit der Aufschrift «Hair Dresser Italian Style. By Roberto» führt die Besucherin von der Passage in den ersten Stock eines hellen Hauses und in einen ebenso hellen Salon. Dort herrscht leises, aber reges Treiben. Hände arbeiten an Köpfen und in Haaren.

Beruf und Kunst

Dominiert wird die Szene von der ruhigen Präsenz Roberto Mignognas. Seines Zeichens Maestro des Coiffeursalons und des Teams und – wie es die an der Wand hängende bemalte Leinwand dokumentiert – «Star Figaro» von Bern. «Diese Leinwand ist mein Gästebuch», sagt Roberto Mignogna, auf die bunten Sätze voller Referenzen deutend. Und obwohl es dem bescheiden-korrekten Anfangsvierziger aus Mittelitalien wohl nie in den Sinn käme, seine Person mit Worten hervorzuheben, so spricht doch seine Haltung für sie: Würdevolle Zurückhaltung, ein sicherer Gesichtsausdruck und langsame, anmutige Bewegungen verraten den Meister auf den ersten Blick.

«Mein Beruf ist meine künstlerische Berufung. Ich verschönere gern Menschen, bin ein Ästhet», sagt er. Er gebe das Beste für seine Kunden. «Solange ich mit einem Haarschnitt oder einer Frisur nicht zufrieden bin, höre ich nicht auf.»

Zwischen Adria und Aare

Roberto Mignogna lebt seit 15 Jahren in Bern. Den Friseurberuf übte er bereits in Italien aus, in der Weinregion Molise Campobasso, aus der er stammt und wo seine Geschwister mit ihren Familien leben.

Er habe als Jüngster von fünf Geschwistern eine Kindheit in Geborgenheit verbracht, sagt Mignogna. Bern sei schön, findet er. «Campobasso ist dazu noch mediterran.» Was bewog ihn 1995 seine Heimat zu verlassen? «Der Grund war meine damalige Freundin.» Barbara, Italienerin und Mutter von Robertos Kindern, lebte bereits damals in Bern und zog den Verliebten ins Ausland.

«Daheim, wo das Herz ist»

«Heimat ist, wo das Herz ist», ist Roberto überzeugt. An der Schweiz gefällt ihm, «dass alles perfekt funktioniert». Vermisst er die stets warme Heimatregion nicht? «Ich glaube, die Italiener sind flexibler als die Schweizer, was die Anpassungsfähigkeit betrifft», sagt er. «Unsere ganze Mentalität ist locker und unverkrampft. Nun bin ich aber in Bern, also bin ich auch hier daheim.» Gibt es nichts, was ihn manchmal an der Schweizer Kultur stört? «Doch, schon, manchmal. Zum Beispiel, dass es hier als oberflächlich gilt, wenn man seine schönen Kleider und Accessoires gern zeigt. Wenn ich die Menschen in der Stadt mit ihren Einkaufstüten beobachte, auf denen ein Markenname steht, so sehe ich, dass diese lieber verschämt versteckt statt stolz hergezeigt werden.» Diese schweizerische Bescheidenheit habe ihn zuerst irritiert. Dass sich die italienischen Frauen überzeugter zurechtmachten als die Schweizerinnen, sei ihm sofort aufgefallen.

Argentinien in Bern

Roberto Mignogna ist Vater der Töchter Clarissa, 14, und Eleonora, 6. Mit ihnen reist er mindestens einmal im Jahr nach Italien, «damit sie die italienische Kultur bewahren». Ausser ihnen und seinem Salon widmet er seine Zeit seiner Leidenschaft – dem Tango Argentino. «Ich tanze seit drei Jahren», sagt der Maestro und zeigt ein Foto, das ihn mit Tanzpartnerin Claudia zeigt. «Wir üben jeden Tag.» Und plötzlich schiebt sich über das Bild des Figaros dasjenige des emotionalen Tangotänzers.

Kommt die Sprache auf den Tango, lässt Roberto Mignogna seinen Zurückhaltung fallen und erzählt: «In Argentinien, der Heimat des Tangos, leben viele Italiener. Sie haben den Tanzstil wesentlich mitgeprägt.» Also findet Mignogna im argentinischen Tango in der Schweiz ein Stück Heimat.

«Schade ist nur, dass in der Berner Tangoszene nicht so viel läuft, wie ich mir wünsche.» Für ihn ist klar, dass dies wieder mit der schüchtern-zurückhaltenden Schweizer Art zu tun haben muss. «Um zu tanzen, fahre ich sehr oft nach Zürich, Basel, Genf oder Milano.» Da laufe schon wesentlich mehr als im beschaulichen Bern. «Dabei gehört der Tanz doch ganz und gar zum Leben.»

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