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Finne nach 54 Jahren in Laupen noch nicht eingebürgert

Jukka Alava lebt seit 1956 in Laupen und ist mit einer Schweizerin verheiratet. Auf eine Einbürgerung hat er bis jetzt verzichtet. Obwohl er nicht abstimmen kann, besucht der gebürtige Finne aber jede Gemeindeversammlung.

Er sieht sich als politischen Beobachter, fühlt sich integriert in Laupen und in der Schweiz und hat wohl zu jeden Thema der schweizerischen Politik etwas zu sagen. An der Gemeindeversammlung in seinem langjährigen Wohnort Laupen ist Jukka Alava immer anzutreffen. Dort meldet er sich schon mal zu Wort und zählt auch die Stimmen, wenn er dazu aufgefordert wird. Aber wenns ums Abstimmen geht, bleiben seine Arme unten.

Der Finne lebt zwar seit 54 Jahren in Laupen, aber eingebürgert ist er nicht. «Das letzte Wort ist da noch nicht gesprochen», sagt der pensionierte Repro- und Photolithograph und lächelt hintergründig.

Nachdem Alava in der finnischen Armee die Rekruten- und Offiziersschule absolviert hatte, merkte er, dass ihm die Militärkarriere nicht zusagte. Obschon sein Vater Leiter in einem grossen Tiefdruckbetrieb war und er dort hätte einsteigen können, zog es den jungen Mann in die Ferne. «Weil die Firma meines Vaters mit der Schweiz Handelsbeziehungen pflegte, bekam ich ein Visum und konnte in der Laupner ‹Poly› anfangen», erzählt der 76-Jährige im Wohnzimmer des Häuschens am Hilfigenweg, das er mit Ehefrau Erika bewohnt. Die beiden haben sich bereits bei Alavas erstem Aufenthalt in Laupen kennen gelernt. Auf dem Tennisplatz. «Deutsch konnte ich schon. Mit Erika habe ich dann Berndeutsch gelernt.» Das Paar lebte immer in Laupen. Jukka Alava fand eine Stelle in Bern, wo er bis 1994 auf seinem Beruf arbeitete. «Nach einer Umstrukturierung wurde ich entlassen.»

Gemeindearchiv geordnet

Es sei hart gewesen, die Stelle zu verlieren, erinnert sich Alava. Aber dank seiner Frau und deren Familie hatte er eine Basis. «Und die Gemeinde Laupen bot mir an, Teile des Gemeindearchivs neu zu ordnen.» Das sei für ihn eine tolle Arbeit gewesen, bei der er erst noch viele seiner geschichtlichen Kenntnisse habe vertiefen können. Bis heute ist er Mitglied von «Spürnase», einer Laupner Interessengemeinschaft, welche heimatliche Geschichtsforschung betreibt. Davon ist Jukka Alava fasziniert und auch vom schweizerischen Gemeindewesen. «Das ist etwas Einzigartiges», lobt er und vergleicht mit der demokratischen Republik Finnland, wo Parlament und Staatspräsident vom Volk gewählt werden. «Es gibt aber keine direkte Demokratie wie in der Schweiz.»

«Wissen, was passiert»

An der Gemeindeversammlung von Laupen hat Jukka Alava noch fast nie gefehlt. «Ich will wissen, was passiert, auch wenn ich nicht abstimmen kann.» Früher sei eine Einbürgerung nicht in Frage gekommen, weil er die finnische Staatsbürgerschaft verloren hätte. Heute ist eine Doppelstaatsbürgerschaft möglich. «Aber ich frage mich, was mir eine Einbürgerung eigentlich bringen würde.»

Er sei auch schon von der Gemeinde angefragt worden, ob er nicht Schweizer werden wolle. Er habe sich nicht dazu entschliessen können. Ernsthaft darüber nachgedacht hat Jukka Alava, als er bei der Minarett-Initiative nicht abstimmen konnte. «Auch zur Erschliessung der Stadtmatte hätte ich mich gern geäussert», sagt er.

Aber irgendwie hat er sich im Lauf der Zeit an seinen Beobachterstatus gewöhnt, ist ein Stück weit Schweizer geworden, aber eben trotzdem Finne geblieben.

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