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Albert Rösti: Pragmatiker, kein Polterer

Noch setzt er sich als Direktor der Schweizer Milchproduzenten für einen höheren Milchpreis ein. Doch künftig möchte Albert Rösti (SVP) im Berner Regierungsrat für tiefere Steuern und eine schlankere Verwaltung kämpfen.

Albert Rösti (SVP) hatte schon immer ein politisches Amt im Visier. Mit dem Sitz im Gemeinderat von Uetendorf ist der 42-Jährige nicht am Ziel seiner Träume. Als er vor nicht ganz vier Jahren den Direktorenposten bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP) übernahm, hatte er nicht die Absicht, das Amt für den Rest seines Lebens zu behalten. Deshalb griff er zu, als ihn die SVP für eine Regierungsratskandidatur anfragte. Leicht habe er sich den Entscheid allerdings nicht gemacht, sagt Rösti. «Denn beim SMP habe ich eine herausfordernde Funktion.» Doch dann sagte er sich: «Eine solche Chance kommt wohl nur einmal im Leben.»

Es gab eine Zeit, da war Rösti nah dran am Regierungsrat: Er war Generalsekretär der damaligen Volkswirtschaftsdirektorin Elisabeth Zölch (SVP). Das Amt habe er immer als überaus reizvoll und interessant empfunden, sagt Rösti. Er hätte sich aber nicht träumen lassen, dass es für ihn selber so schnell in greifbare Nähe rücken könnte.

Kritik an alten Kollegen?

12 Jahre hat der Agronom, der als Berater und Landwirtschaftslehrer angefangen hatte, für den Kanton gearbeitet. Es lässt deshalb aufhorchen, wenn er im Wahlkampf tiefere Steuern fordert und zur Erreichung dieses Ziels auch die Kantonsverwaltung abspecken möchte. Hat er den Eindruck, gewisse Stellen könnten ersatzlos gestrichen werden? Rösti wiegelt ab: «Ich unterstelle niemandem, dass er nicht von morgens bis abends seine Aufgabe erfüllt.» Vielmehr gehe es ihm darum, dass der Staatsapparat regelmässig Prozesse überprüfen und nach Effizienzsteigerung suchen müsse. Dort habe die strategische Aufgabenüberprüfung seinerzeit angesetzt, und nach diesem Vorbild möchte Rösti die Staatsaufgaben weiterhin durchleuchtet wissen. Dass das nicht überaus visionär tönt, stört Rösti nicht. «Pragmatisch und mit Knochenbüez» will er den Kanton «vorwärts bringen».

«Aber ich wäre nur ein Mosaikstein in der Regierung», gibt er zu bedenken. Rösti ist kein Polterer. Es heisst auch etwa, er sei einer, der es allen recht machen möchte. Selber drückt er es so aus: «Ich versuche, zum Ziel zu kommen, ohne Geschirr zu zerschlagen.». Mit zwischenmenschlichen Konflikten liessen sich sachliche Probleme schliesslich kaum lösen. «Aber ich habe gelernt, Klartext zu reden.» Als SMP-Direktor sagt er: Wenn die Milchverarbeiter nach der nächsten Sitzung nicht bereit seien, die gemeinsam definierten Instrumente zur Stabilisierung des Milchmarktes nun auch anzuwenden, werde er «heftiger einfahren». Doch man spürt, dass es Rösti anders herum lieber wäre. Immerhin glaubt er, über ein «gewisses Verhandlungsgeschick» zu verfügen.

SVP, nichts anderes

Als die BDP gegründet wurde, steckte Rösti «mitten im Milchstreik». Aber ein Parteiwechsel sei für ihn, der als Jüngster einer Bergbauernfamilie in Kandersteg aufgewachsen ist und die Treue zur SVP sozusagen mit der Muttermilch eingesogen hat, ohnehin nie in Frage gekommen. Rösti trägt die Haltung der Berner SVP mit – auch wenn diese die Überzeit- und Ferienregelung für Kantonsangestellte scharf kritisiert. Dabei wird ihm vorgeworfen, er habe auf Staatskosten den Master of Business Administration absolviert, um sich später gut 25000 Franken für nicht bezogene Ferien auszahlen zu lassen. Doch Rösti dementiert: Das ausbezahlte Guthaben entspreche Ferien, die er in der Zeit nach dem MBA als Generalsekretär ordentlich zugute gehabt hätte. Und: Zwei Drittel der Ausbildungskosten habe er gemäss den personalrechtlichen Bestimmungen selber bezahlt.

Der «wahre Wert»

Sollte Rösti Ende März nicht gewählt werden, würde er sich nach der ersten Enttäuschung auf die «wahren Werte» konzentrieren: auf seine Familie. Rösti ist verheiratet und Vater eines 13-jährigen Sohns und einer 9-jährigen Tochter. Als der Sohn kürzlich die Aufnahme in den gymnasialen Unterricht schaffte, hat der SMP-Direktor gemerkt: «Das ist mir eigentlich wichtiger als der Karriereschritt.» Ohne die vorbehaltlose Unterstützung seiner Familie würde Rösti deshalb nie nach der Erfüllung seines Traums greifen.

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