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Beatrice Simon: Das städtische Landei

Noch vor ein paar Jahren war sie einfach nur Gemeindepräsidentin von Seedorf und SVP-Mitglied. Heute ist Beatrice Simon Grossrätin, Aushängeschild einer neuen Partei und Kandidatin für den Regierungsrat.

Manchmal, sagt Beatrice Simon, seien zwei Spaziergänge am Tag nicht genug. Dann ziehe sie ihren West Highland White Terriers Fuffy und Maike das Gestältli über und gehe ein drittes Mal. Raus. In den Wald, der gleich hinter dem Haus der Familie in Seedorf liegt. Dort könne sie ihre Probleme «büschele», sagt Simon. Im Wald werde ihr bewusst, was sie falsch gemacht habe, was richtig. «Aufmerksames Abschalten», nennt die 49-Jährige das. «Manchmal rennen dann die Hunde los, und ich muss ihnen zeigen, dass die Chefin noch da ist.»

Beatrice Simon hat gern die Kontrolle, im Wald. Und in der Politik. 1995 wird die gebürtige Stadtbernerin in den Gemeinderat von Seedorf gewählt, seit 2003 ist sie Präsidentin der 3000-Seelen-Gemeinde. 2006 wird sie für die SVP in den Grossen Rat gewählt. Sie sei ein städtisches Landei, sagt Simon, sie fühle sich in Seedorf und in Bern zu Hause.

Im Dorf und im Parlament hat sie den Ruf einer pflichtbewussten, selbstsicheren, dominanten Frau. Selbst politische Gegner anerkennen es: Simon ist eine, die die Fäden in der Hand hat. Eine, die hinsteht und ihre Meinung vertritt.

Das Blitzlichtgewitter

Im Juni 2008 steht Simon auf einen Schlag im nationalen Blitzlichtgewitter: Sie ist eine der wichtigsten Figuren bei der Abspaltung der BDP von der SVP und wird zur ersten Kantonalpräsidentin der neuen Partei gewählt. Am kommenden 28. März nun will sie für die BDP den Sprung in den Regierungsrat schaffen. Und die Chancen, ihren Parteikollegen Urs Gasche zu beerben, stehen so schlecht nicht.

Wenn ihr jemand vor fünf Jahren diese Entwicklung ihrer politischen Laufbahn prophezeit hätte, Simon hätte ihn für verrückt erklärt. Eigentlich habe sie ihr Leben «anders einrichten» wollen. Einen längeren Aufenthalt in den USA habe sie geplant, mit Mann Helmut und den beiden erwachsenen Töchtern. «Aber», sagt sie, «ich bin eine, die Verantwortung sucht. Eine auch, die weiss, dass es jemanden braucht, der am Karren zieht.»

Die Vermittlerrolle

Beatrice Simon kann am Karren ziehen, das hat sie als Gemeindepräsidentin bewiesen. Sie kann hart sein, das hat sie als BDP-Präsidentin demonstriert. Gleichzeitig aber, und das dürfte die grösste Stärke der Seeländerin sein, kann sie es einfach gut mit den Leuten. Simon ist eine humorvolle Frau, eine umgängliche. Eine, mit der man lachen kann, am Stammtisch in der Dorfbeiz oder an der Kommissionssitzung. Für sie gebe es keine höher- und tiefergestellte Menschen, sagt Simon.

Die vier M hätten sich zu ihrem Lebensmotto entwickelt. «Man muss Menschen mögen.» In den Wahlkampf zieht sie mit einer Art Tagebuch, in das alle schreiben dürfen. «Die Leute notieren darin ihre Wünsche, ihre Hoffnungen, das, was sie stört.» Dieser Umgänglichkeit, dieser vermittelnden, interessierten Art hat Simon viel zu verdanken. Sie hat 2009 als wahrscheinlich erste und auch letzte Gemeindepräsidentin im Kanton eine Ortsplanungsrevision an der Gemeindeversammlung ohne Gegenstimme durchgebracht. Simon hatte im Vorfeld alle Interessengruppen, die Bauern, die Hausbesitzer, das Gewerbe zusammengetrommelt, Gespräche geführt, Informationsveranstaltungen organisiert. An der Gemeindeversammlung hatten alle, was sie wollten – und winkten das Geschäft durch.

Wenn es so laufe, laufe es gut, sagt Simon. Sie bewege in der Gemeinde und im Grossen Rat gerne etwas hinter den Kulissen und geniesse dann den Erfolg. «Das bringt mehr als mit schlagzeilenträchtigen, aber letztlich sinnlosen Vorstössen auf sich aufmerksam zu machen.»

Die Werkhofschlappe

Immer aber könne man auch mit einer vermittelnden, offenen Taktik nicht gewinnen, sagt Beatrice Simon. Als Seedorf, Grossaffoltern und Rapperswil im Frühling 2006 ihre Werkhöfe zusammenlegen wollten, kassierte die Gemeindepräsidentin eine Abfuhr. Das Seedorfer Stimmvolk schickte das Geschäft bachab. Rapperswil und Grossaffoltern legten ihre Werkhöfe zusammen, Seedorf hat bis heute einen teuren eigenen. Das wurme sie noch heute, sagt sie.

Dann lächelt Simon wieder, sie spricht jetzt über die wirklich schönen Dinge im Leben. Das Piercing an ihrer Nase glitzert. Simon erzählt von der Costa Brava, vom kleinen Dorf, in das sie seit über 30 Jahren mit ihrem Mann in die Ferien fährt. Von der Musik von Zucchero, die sie gern auf den Kopfhörern hat. Von den Berner Troubadouren Tomazobi, denen sie gern zuhört.

Und von Fuffy und Maike, den Hunden, mit denen sie rausgeht. In den Wald. Manchmal drei Mal am Tag.

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