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Die Milchbranche ist sauer

Der Schmuddelbauer aus Studen hat seine Berufskollegen verärgert und dem Image der Milchbranche geschadet. Experten sagen: Für die Konsumenten bestand trotz der unhaltbaren Bedingungen in den Ställen keine Gefahr.

«Die Zustände waren hygienisch mehr als bedenklich», sagt Thomas Reinhard, Projektleiter der Organisation Schweizer Milchproduzenten (SMP). Solche Zustände, wie sie über Monate in den Ställen von Thomas Tiefenbach in Studen herrschten, dürfe es nicht mehr geben. Der Schmuddelbauer liess seine 78 Kälber, Rinder und Kühe knietief im eigenen Mist stehen, bis die Polizei vergangene Woche einschritt (wir berichteten).Bedenkenlos konsumierbarTiefenbach verkaufte die Milch seiner vernachlässigten Kühe seit Jahren an den führenden Schweizer Käse- und Frischmarktproduzenten Emmi. An dessen Standort in Ostermundigen wurde der Rohstoff zu Trinkmilch, Joghurt oder zu Milchmischgetränken verarbeitet und an Grossverteiler sowie Detaillisten ausgeliefert. Emmi wie auch Reinhard sind sich sicher: Für die Konsumentinnen und Konsumenten bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr. Denn die Milch von Tiefenbach wurde mehrfach durch verschiedene Labors getestet sowie pasteurisiert, homogenisiert oder stark erhitzt. Dem Image geschadet2006 wurden in der Schweiz Milchproben von 30000 Landwirten mit Labortests untersucht. Pro Monat wurde in durchschnittlich je drei Fällen eine zu hohe Keimbelastung und Zellzahl beanstandet. In zwölf Fällen pro Monat fanden sich in den Milchproben Hemmstoffe. «Jeder Fall ist einer zu viel», so Reinhard. Jedoch verfüge die Schweiz bei Milchprodukten über die höchsten Qualitätsstandards der Welt. «Umso mehr ärgere ich mich, wenn ein einzelner Landwirt dem guten Image der Milchproduktion schadet.»Bauer Tiefenbach ist bis auf weiteres mit einer Milchliefersperre belegt. Ihm bleibt also nichts anderes übrig, als die Milch seinen Kälbern zu vertränken oder ins Güllenloch zu giessen. Die Liefersperre wird unter anderem verhängt, wenn die Milch in Labortests beanstandet wurde, der Hof die Anforderungen an die Hygienestandards nicht erfüllt, das Tierschutzgesetz verletzt wird oder die Tiere mit Medikamenten behandelt werden müssen. «Es gibt viele objektive Kriterien, die ein Bauer erfüllen muss», weist Reinhard auf die strengen Verordnungen und Auflagen hin. Es müsse jedoch auch immer wieder das persönliche Umfeld des betroffenen Bauern mitberücksichtigt werden. «Beanstandungen können ihren Ursprung bei einem einmaligen Fehler aber auch bei familiären oder psychischen Problemen haben.»14 Mal pro Jahr wird die Milch eines Bauern im Labor kontrolliert. Hier werden die Keimbelastung, die Zellzahl, der Gefrierpunkt und die Hemmstoffe gemessen. Eine zu hohe Keimzahl lässt auf mangelnde Hygiene schliessen und ein erhöhter Wert der Zellzahlen auf entzündete Euter der Tiere. Werden in der Milch Hemmstoffe gefunden, so weiss das Labor: Dieser Bauer behandelt seine Tiere mit Medikamenten, zum Beispiel mit Antibiotika.«Eine Zeitbombe»Kopfschütteln löst der Fall des Seeländers auch bei Suisselab aus. Im Labor in Zollikofen werden Milchproben aus zwölf Kantonen zentral überprüft. «Landwirte mit solchen Missständen sind wie eine Zeitbombe», sagt Peter Gerber von der Suisselab-Geschäftsleitung. «Über kurz oder lang bleibt jedes schwarze Schaf in unseren Kontrollen hängen.»Nach fünf positiv ausgefallenen Tests erstattet das Labor dem Berner Kantonschemiker Meldung. Dieser wird aktiv und verhängt die Milchliefersperre. «Erstatten wir Meldung, sind die kantonalen Stellen über die Laborergebnisse meist nicht erstaunt», so Gerber. Beste Rohmilch weltweitEr hofft, dass die Kontrollen der unterschiedlichen Organisationen und Behörden auf den Bauernhöfen vereinheitlicht und Risikobetriebe, wie jener von Thomas Tiefenbach, häufiger überwacht werden. «Unsere Rohmilch gehört weltweit zu den besten», sagt auch Gerber, «und das soll auch so bleiben.»

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