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«Die Sache ist mir entgleist»

Er ist der Halter der 78 völlig vernachlässigten Kühe, die Polizei und Veterinärdienst letzten Dienstag in Studen entdeckt haben: Thomas Tiefenbach, Landwirt und Familienvater. «Ich stehe zu dem, was ich getan habe», sagt er.

Die Bilder vom letzten Dienstag erschütterten die Schweiz: In einem verlotterten Stall im Zentrum von Studen finden Veterinärdienst und Kantonspolizei 78 völlig verwahrloste Rindviecher. Die Tiere stehen auf Bergen von Mist, ihre Klauen sind deformiert. Einer Kuh geht es so schlecht, dass sie vor Ort eingeschläfert werden muss (siehe Ausgabe von gestern).Gestern Nachmittag. Überraschend stellt sich der Halter der Tiere auf seinem Grundstück in Studen den Medien. Es ist Thomas Tiefenbach, 42-jährig, Landwirt und Vater von drei Kindern. Es ist bitter kalt. Er sagt: «Als ehrlicher Schweizer stehe ich zu den Delikten, die ich begangen habe. Da will ich nichts beschönigen.»«Kein Dauerzustand»Mit der Tierhaltung im alten Stall sei er überfordert gewesen, so Tiefenbach. Das Grundstück mit dem verlotterten Stall und dem ehemaligen Wohnhaus hat seine Familie letzten Sommer verkauft. Hier entstehen neue Wohnblöcke; schon nächste Woche soll der alte Hof abgerissen werden. Im letzten Herbst zogen Tiefenbachs in eine Wohnung im Dorf. Etwas ausserhalb baut die Familie derzeit zwei neue Freilaufställe – hierhin wurden am Dienstag auch die vernachlässigten Kühe gebracht. Weil er in den letzten Wochen «sehr viel» mit dem Neubau zu tun gehabt habe, habe er die Pflege der Tiere im alten Stall vernachlässigt. «Ich war derart unter Zeitdruck, dass mir die Sache entgleist ist.» Tiefenbach versichert, dass die «unschönen Bilder» in seinem Stall «kein Dauerzustand» gewesen seien. Weil sein Hof seit mehreren Jahren als «Risikobetrieb» eingestuft wird, werde er zwei Mal im Jahr unangemeldet kontrolliert. «Es war immer alles in Ordnung, wenn auch knapp», so Tiefenbach. Er könne hier und jetzt versprechen, dass in den neuen Ställen «alles tipptopp» sei – und sein werde. Dass er in Studen jetzt als Tierquäler abgestempelt ist, weiss der Landwirt. «Für mich und meine Familie ist das keine leichte Situation.» «Hatten zu viel Geduld»Unter Beschuss ist seit dem Bekanntwerden des Falls Tiefenbach auch die Gemeinde Studen. Der frühere Gemeindepräsident Robert Kunz ist direkter Nachbar des alten Stalls von Tiefenbach. Er machte die Behörden vor sieben Jahren (!) erstmals auf die Zustände beim Bauern aufmerksam: «Ob die Tierhaltung über alle Zweifel erhaben ist, kann ich als Laie nicht beurteilen», schrieb der heute 68-Jährige damals der Ortspolizeikommission. Für den Gemeinderat allerdings war die Angelegenheit nach langer und zunehmend giftiger werdender Korrespondenz mit Kunz am 10. März 2005 «erledigt», wie er schrieb. «Wir sehen keinen Handlungsbedarf», hiess es. Kunz reichte daraufhin beim Regierungsstatthalter eine aufsichtsrechtliche Beschwerde gegen die Gemeinde ein – und schrieb: «Tiere leben auf Misthaufen, bis sie mit dem Kopf die Decke berühren.» Die Beschwerde wurde abgewiesen. Und Kunz sagt heute: «Die Behörden haben zugeschaut, bis die Sache explodiert ist.» Diese Vorwürfe relativiert Studens Gemeindepräsident Urs Lanz: «Wir haben die Situation gründlich abgeklärt, Massnahmen waren nicht nötig.» Der SVP-Mann räumt aber ein, dass die Dorfbehörden in den letzten Monaten «viel Geduld mit Tiefenbach» gehabt haben, «vielleicht zu viel». Der Landwirt sei mit dem Neubau und den Problemen im alten Stall «völlig überfordert» gewesen. «Wir hätten ihm helfen sollen.»

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