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Dreimal brannte es in Alphütten

Wie in Leissigen und im Suldtal ist kürzlich in einer Sennhütte auf der oberen Niesenalp ein Brand ausgebrochen. Überall wurde eine andere Ursache festgestellt. Auf der Niesenalp entstanden gegen 50000 Franken Schaden.

In einer Sennhütte auf der oberen Niesenalp brannte es am 27.Juli. Der Brand entstand durch Funken aus einer offenen Feuerstelle (siehe Ausgabe vom 31.Juli). Der dort arbeitende Erwin Schmid lobt die benachbarten Älpler. «Sie haben sofort geholfen: Die Tiere aus dem Stall, den Käse aus dem Keller und das Stroh aus dem Obergeschoss geholt.» Auch das Feuer haben sie bekämpft. Die Feuerwehr half dann auf dem Dach bei der Brandbekämpfung. Erwin Schmid weilt im Sommer mit 20 Kühen auf der Niesenalp und stellt Alpkäse her. Gegenwärtig hat er Pech, eine Kuh ist tödlich abgestürzt. Dann war der Brand, und am Montag hat eine Kuh Zwillinge «erworfe». «Wir brauchen bald ein Spendenkonto», meint Schmid sarkastisch. Schon in zwei Wochen zügeln die Älpler bis zum Ende der Alpzeit (für drei Wochen) in die untere Niesenalp. Dort verfügt Schmid über eine bessere Infrastruktur mit geschlossener Feuerstelle und einem gemauerten Kamin, wo er käsen kann. Reparatur noch im Herbst «Selbstverständlich muss der Schaden noch in diesem Herbst behoben werden, denn am Niesen gibt es viel Schnee», betont einer der vier Eigentümer der Sennhütte beim Besuch. Hanspeter Zurbrügg von der Firma Zurbrügg Holzbau AG findet die Beurteilung des Schadens schwierig, weil das Dach mit einer Plane abgedeckt ist und geprüft werden muss, wie weit die angebrannten Sparren ersetzt werden müssen. Auf die Kosten wirken sich auch die abgelegene Lage und das Transportproblem aus. Er hat einen Kostenvoranschlag von knapp 50 000 Franken bei der Gebäudeversicherung eingereicht. Verschiedene Ursachen Innert kurzer Zeit hat es in drei Sennhütten – Leissigbergli (Dachstock, aber nicht Kamin), Suldtal (Brand im Stahlkamin) und Niesenalp (offener Kamin) – gebrannt. Zum Glück konnte das Feuer jeweils gelöscht und konnten ganz grosse Schäden verhindert werden. Dennoch gibt diese Häufung zu denken. «Ein solches Ereignis ist immer tragisch und für die Betroffenen nur schwer zu verkraften», erklärte Hansueli Burri, der Präsident der Casalp, auf Anfrage. Zum Brandschutz äusserte er sich folgendermassen: «In Bezug auf den Brandschutz ist sicher ein System mit einem geschlossenen Kamin besser. Viele Alphütten mit offenem Kamin sind schon weit über 100 Jahre alt. Darum erachte ich das Risiko eines offenen Kamins als vertretbar.» Er betont aber: «Jeder Eigentümer und Bewirtschafter hat dafür zu sorgen, dass die Anlagen in einem guten Zustand sind, der Unterhalt und Brandschutzmassnahmen liegen in ihrer Verantwortung.» «Unglückliche Zufälle» Grossrat Samuel Graber, Horrenbach, meinte: «Diese Brände waren unglückliche Zufälle. Oft wird nach dem Käse noch Ziger gemacht und dabei (zu) schnell mit viel Feuer geheizt. Die Temperatur muss um die 94 Grad erreichen. Das heisse Wetter, das trockene Holz sowie das heisse Blechdach könnten weitere Gründe für den Brand sein.» Ein Schätzungsexperte der Gebäudeversicherung verneinte die Frage, ob offene Rauchküchen in Sennhütten gefährlich seien. «Die offenen Kamine sind seit Jahrhunderten üblich, und die Funken des offenen Feuers kühlen sich beim Aufsteigen im (Holz-)Kamin ab. Darum sind sie bei vorsichtiger Arbeitsweise nicht unbedingt gefährlich.» Allerdings werde bei einer Reparatur oder Sanierung sicher ein Kamin eingebaut. Käsen weckt Emotionen Ernst Roth, Verfasser der Bücher «z’Bärg» und Kenner der Alpen, gibt einen Überblick: «Bei meinen Besuchen traf ich gegen zehn Prozent Dampfkessel und beim Rest je etwa zur Hälfte geschlossene oder offene Feuerstellen an.» Bei mehrstafligen Alpen und darum kurzer Aufenthaltsdauer sei die Infrastruktur aus Kostengründen oft einfacher. Die Casalp agiere nicht aktiv gegen offene Kamine, denn das Bild der züngelnden Flammen unter dem Käsekessi löse bei den Konsumenten positive Emotionen aus. Der Alpkäsereiberater Hanspeter Graf befürwortet die Anschaffung eines Feuerlöschers, wie es sie bereits auf vielen Alpen gebe. Rösi Reichen >

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