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Ein energiepolitisches Erdbeben

DebatteDie Reaktorunfälle in Japan haben politische Folgen. In Deutschland kursiert gar der Vorschlag «Turboausstieg» aus der Atomenergie.

Die Schäden an den Atomreaktoren im japanischen Fukushima haben international Folgen: Atomenergie wird kritisch hinterfragt. Viele Staaten kündigten an, die Sicherheit ihrer Reaktoren zu überprüfen. Obwohl die Atomkrise in Japan erst vor wenigen Tagen begonnen hat, haben einzelne Länder schon erste Entscheide gefällt und konkrete Schritte eingeleitet. Ein deutliches Zeichen setzte Deutschland: 7 ältere von insgesamt 17 Atommeilern sind nicht mehr am Netz und werden heruntergefahren. Experten prüfen danach die Sicherheit in aufwendigen Verfahren. Es kursieren auch Vorschläge wie ein «Turboausstieg» aus der Atomenergie bis ins Jahr 2020 – dies wäre allerdings mit von Experten veranschlagten 230 Milliarden Euro ein sehr kostspieliges Unterfangen. Auch China zieht bereits Konsequenzen aus der Fukushima-Katastrophe: Das Land hat per sofort alle Bewilligungsverfahren für AKW-Projekte gestoppt. Bevor China die geplante Verachtfachung der Atomenergie weiter vorantreibt, will es die Sicherheit der Bauwerke eingehend überprüfen. Österreichs Umweltminister Nikolaus Berlakovich forderte Stresstests für Atomkraftwerke der EU-Mitgliedländer. «Die europäische Bevölkerung ist verunsichert angesichts der Ereignisse in Japan», sagte er in Brüssel. «Daher müssen diese Stresstests für Atomkraftwerke rasch erfolgen.» Auch in den USA, die 104 Atomkraftwerke betreiben, werden die kritischen Stimmen lauter. So fordern einzelne Politiker ein Moratorium für den Bau neuer Reaktoren. In der Schweiz sistierte Energieministerin Doris Leuthard die Pläne für einen Neubau auf unbestimmte Zeit. Der Auftrag lautet: Analyse der Sicherheit. Daraus folgen möglicherweise höhere Anforderungen. Finnland hinterfragt nicht grundsätzlich die Sicherheit seiner Anlagen, sondern die Notfallpläne. Gegensätzliche Reaktionen kommen bisher aus der Atomnation Frankreich: Die Grünen fordern zwar eine Atomdebatte und eine Volksabstimmung, doch die Regierung wiegelte bisher ab. Italien gibt sich bisher bedeckt. Unter anderem Russland, Polen und die Türkei halten unverändert an ihren Plänen für einen Neubau von Atommeilern fest. Bernhard Kislig>

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