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Ein Garten, den man hören kann

Artenvielfalt statt Schneckenkörner, einheimische Flora statt exotischer Zierpflanzen: Eveline Beyeler hat ihren Garten zum echten Lebensraum gemacht. Morgen Samstag öffnet die Roggwilerin ihr Naturgartentor für Besucher.

«Man soll nicht päpstlicher sein als der Papst», sagt Eveline Beyeler (65) und zeigt auf den Rosenstock neben ihrer Terrasse. Keine einheimische Pflanze – doch der Stock gefalle ihr eben. Weshalb manche Leute fast nur exotische Pflanzen im Garten hätten, das könne sie allerdings nicht verstehen. In ihrem Garten ist der Rosenstock nämlich die grosse Ausnahme. Hier, am Roggwiler Flurweg, dominieren einheimische Gewächse das Bild: Eveline Beyeler pflegt einen sogenannten Naturgarten. Am morgigen schweizweiten Tag der offenen Naturgartentür stellt sie Interessierten ihr kleines Reich vor – als Einzige im ganzen Oberaargau. Ein jahrelanger Prozess Man sei wohl immer noch eine Exotin als Naturgärtnerin, schmunzelt sie. Aus den anfänglich eher negativen Reaktionen von Passanten seien aber allmählich positive geworden. «Und letztlich», sagt Eveline Beyeler, «muss es ja jedem selber wohl sein in seinem Garten.» Mit dem schweizweiten Aktionstag wollen Naturgärtner und der Verein Pro Igel Interessierten nun einen Anreiz geben, selber ein solches Stück Natur zu schaffen. Auch bei ihr habe erst ein Umdenken stattfinden müssen, erzählt Eveline Beyeler. Bis Mitte der 70er-Jahre hatte sie noch einen konventionellen Garten gepflegt. Dann aber kamen die beiden Kinder – und es reifte die Idee: «Ich will Leben erhalten – in jeder Form, mitsamt seinen Würmern, Käfern und Spinnen.» Von Gärtnern hat sie sich immer wieder beraten lassen – «ein jahrelanger Prozess». Ein Hotel für Igel Heute finden in Eveline Beyelers Garten zahlreiche heimische Tier- und Pflanzenarten ihren natürlichen Lebensraum, alles ist ein Kreislauf. In manchen Pflanzen nisten Raupen, Steinhaufen bieten etwa Blindschleichen optimale Bedingungen. Sogar ein Igel-Hotel gibts im Naturgarten: Hier bereitet Eveline Beyeler kranke Igel, die zuvor auf der Wynauer Igelstation behandelt wurden, auf deren Auswilderung vor. Die Artenvielfalt in ihrem Garten möchte sie heute nicht mehr missen. Auch der Gemüsegarten profitiere von den vielen Nützlingen, erklärt sie. Und Eveline Beyeler freut sich ob dem Leben darin: «Einen Naturgarten sieht man nicht nur, man kann ihn auch hören.» Ein Geben und Nehmen Arbeit gibts allerdings auch in der scheinbaren Wildnis, denn Naturgärten brauchen wie alle Gärten Pflege. «Sonst entstünde eine Monokultur», erklärt Eveline Beyeler. Ums Jäten kommt denn auch sie nicht herum. Der Arbeitsaufwand sei vergleichbar mit einem konventionellen Garten – «nur wer giftet, der hat natürlich weniger zu tun». Für Eveline Beyeler waren Gifte und Kunstdünger allerdings nie ein Thema. Dünger liefert ihren Pflanzen der Kompost. Und dringen trotz Schneckenzaun ein paar Weichtiere in den Gemüsearten vor, so nimmt sie das gerne in Kauf. «Man muss auch geben können, wenn eine Schnecke einmal etwas wegisst», sagt Eveline Beyeler und lacht. «Hauptsache, für mich bleibt auch noch etwas übrig.» Kathrin HolzerTag der offenen Naturgartentür: morgen Samstag, 10 bis 17 Uhr, Evelyne Beyeler, Flurweg 2, Roggwil.>

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