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Ein Hauch Afrika in der Emmestadt

Aufgefallen ist der hohe Besuch, der gestern Mittag Burgdorf beehrte, wohl nur einem kleinen Publikum. Denn der unübersehbare Tross schwarzer Limousinen mit deutschen und Westschweizer Kennzeichen hatte das Schloss zum Ziel, wo bekanntlich keine Passantenströme verkehren. Zur gestrigen Mittagsstunde mussten die noblen Karossen zirkeln, um im engen Schlosshof aneinander vorbeizukommen. Die Stadt hatte die Ehre, hochrangigen Besuch zu empfangen. Der Präsident der zentralafrikanischen Republik Gabun, Ali Bongo Ondimba, legte mit seiner knapp zwanzigköpfigen Entourage im Schloss einen Zwischenhalt ein. Präsident Ondimba besuchte den ehrwürdigen Ort nicht zum Vergnügen, sondern aus beruflichen Gründen: Er begleitete seinen Bildungsminister, Léon N’Zouba, zu einer Vertragsunterzeichnung. Im Rittersaal erwartete die Staatsmänner lokale und kantonale Politprominenz. Zum Empfangskomitee gehörten unter anderem Vertreter der Burgdorfer Stadtregierung, der bernische Erziehungsdirektor Bernhard Pulver und die Direktion der Abteilung Architektur, Holz und Bau der Berner Fachhochschule. Der neue Vertrag besiegelt die künftige Zusammenarbeit des Staates Gabun und des Departements Architektur, Holz und Bau der Berner Fachhochschule. Laut dessen Direktor Heinz Müller ist Holz eines der wichtigsten Exportgüter von Gabun. Zurzeit gehe das Tropenholz aber meist unverarbeitet ins Ausland. Nun sei es der Wunsch von Präsident Ondimba, dass im Land vermehrt mit Holz gebaut werde, so Müller. Weiter wolle die Regierung die Verarbeitung des Holzes vor Ort intensivieren. Beides bringt Arbeitsplätze und führt zu höheren Einnahmen. Da aber Gabun nicht über genügend qualifizierte Leute verfügt, holt sich der Staat nun Unterstützung aus der Schweiz. «In naher Zukunft werden Lehrer aus Gabun zu uns kommen, um sich das nötige Fachwissen anzueignen», sagte Heinz Müller. Im Gegenzug arbeiten dann hiesige Spezialisten in Gabun. Gemeinsam mit lokal ansässigen Schweizer Betrieben sollen sie die afrikanischen Fachleute bei der praktischen Arbeit begleiten. Bereits in den vergangenen Jahren absolvierten Studierende der Fachhochschule Holz im «Albert-Schweitzer-Land» Praktika. Nun wird diese Zusammenarbeit intensiviert. «Der Wissenstransfer soll aber keine Kosten generieren, sondern selbsttragend sein», betonte Müller. In den vergangenen Monaten hatten Vertreter von beiden Ländern einen entsprechenden Vertrag ausgearbeitet. In einer festlichen Blitzaktion haben die beiden Parteien das Papier nun also unterzeichnet. Kaum hatte das Ereignis mit den Ansprachen unter anderem von Burgdorfs Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch und Bernhard Pulver begonnen, war der Anlass bereits wieder vorbei. Denn für die Delegation aus Gabun war Burgdorf nur ein Termin in einer ganzen Reihe anderer. Es reichte aber den drei Rednern und der Rednerin, zu sagen, «wie glücklich» sie über das Ereignis seien, und alle wünschten sie Präsident Ondimba einen interessanten Aufenthalt in der Schweiz – gesprochen wurde selbstverständlich Französisch, die Amtssprache Gabuns. Umgeben von stetigem Blitzlichtgewitter und laufen-den Kameras unterzeichnete Bildungsminister N’Zouba schliesslich gemeinsam mit Bernhard Pulver den Vertrag. Präsident Ondimba beobachtete das Geschehen derweil, auf einem goldenen Kissen sitzend, bevor Heinz Müller ihm zum Abschied einen mit dem Wappen Gabuns und dem Logo der Fachhochschule verzierten Lebkuchen überreichte. «Bei uns nähert sich der Winter, da machen wir Geschenke.» Der Lebkuchen sei eine hiesige Spezialität und ein Zeichen der Freundschaft. Dann war die Zeit für den Apéro gekommen. Der Ehrengast erhob sich, naschte einige der aufgetischten Häppchen und verliess wenige Minuten später mit seiner Entourage den Saal. Nach einer kurzen Führung durchs Schloss schluckten die dunklen Limousinen die Gäste wieder und verliessen den Schlosshof. Eine gute halbe Stunde war seit der Ankunft der Gäste vergangen. Am Nachmittag stand noch ein Besuch in den Technikerschulen Holz in Biel auf dem Programm. Ab heute dann nimmt Präsident Ondimba gemeinsam mit 39 anderen Staatsoberhäuptern am Frankofonie-Gipfel in Montreux teil. Franziska Sommer >

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