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Ein Ja mit Murren zur Aushubdeponie

ZweisimmenGrosser Auflauf im Gemeindesaal: 230 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wollten bei der geplanten Aushubdeponie in Grubenwald mitbestimmen – schliesslich stimmten 74 gegen die entsprechende Überbauungsordnung.

Klare und markige Voten waren an der Zweisimmner Gemeindeversammlung zu hören. 230 Stimmende waren erschienen, um am politischen Geschehen der Obersimmentaler Gemeinde mitzumachen. Am meisten zu diskutieren gab das Vorhaben der Gemeinde, in Grubenwald eine Aushubdeponie zu bauen. «In der Region wird viel gebaut. Wenn wir keine Deponie erstellen, kommen wir bald in einen Notstand», begründete Gemeinderat Mike Schletti das Anliegen. Das Finden eines passenden Standortes sei nicht einfach gewesen. Das Areal Ey-Schlössli in Grubenwald eigne sich für eine Aushubdeponie, nicht nur weil die Erschliessung vorhanden sei, sondern auch, «weil die Einflüsse auf die Umwelt gering sind und im Gebiet nur wenige Menschen wohnen». Die Aushubdeponie soll 20000 Kubikmeter fassen und eine Laufzeit von rund 15 Jahren haben. Die Projektplanung rechnet mit rund 15 Lastwagen zusätzlich pro Tag (aktuell sind es geschätzte 310 im betroffenen Gebiet). Der Betrieb soll während fünf Tagen pro Woche zwischen 7 und 18 Uhr geöffnet sein. Noch mehr Lärm? Mehrere Votanten, unter ihnen der Zweisimmner FDP-Grossrat Hans-Jörg Pfister, setzten sich an der Versammlung für ein Nein zur entsprechenden Überbauungsordnung ein. Einer von ihnen war Polizeichef Roland Buchs: «Grubenwald hat im Umkreis bereits sechs Anlagen, die Lärm und Schmutz verursachen. Dazu gehören der Steinbruch, die ARA und zwei Schiessanlagen. Noch mehr erträgt es nicht.» Enttäuscht ist Roland Buchs ob der Äusserung der Gemeinde, das Areal sei kein Wohngebiet. «Unsere Häuser werden an Wert verlieren, und wir werden unter noch mehr Lärm leiden müssen», sagte Buchs. Auch das touristische Ansehen der Gemeinde Zweisimmen werde unter der neuen Deponie am Dorfeingang leiden. Betroffen sei auch die Wohnqualität der Gemeinde Zweisimmen, sagte Hans-Jörg Pfister. Trotz der verschiedenen initiativen Wortmeldungen für ein Nein zur Deponie zeigten sich die meisten Zweisimmner Stimmbürger von deren Notwendigkeit überzeugt: Der Antrag der Gemeinde zur «Überbauungsordnung ÜO Felsabbau und Aushubdeponie Ey-Schlössli/Grubenwald» wurde mit 138 Ja-Stimmen gegen 74 Nein-Stimmen angenommen. «Besser als budgetiert» Keinen Grund zur Diskussion gab hingegen die Jahresrechnung 2010, welche die neue Finanzchefin der Gemeinde, Alexandra Müller, den Versammlungsteilnehmenden mit verständlichen und knappen Erläuterungen näherbrachte. Einstimmig Ja sagten 230 dann auch zu deren Genehmigung bei einem Aufwand von 16161487 Franken (inklusive aller Abschreibungen) und einem Ertrag von 16703 072 Franken, beziehungsweise einem Ertragsüberschuss von 541584 Franken. Finanzchefin Müller lobte das gute Ergebnis: «Dieses ist massiv besser als budgetiert.» Trotzdem sei mit dem «Finanzpolster» weitsichtig umzugehen. Positiv beeinflusst haben die gute Rechnung unter anderem der Verkauf des Schulhaus Reichenstein, Mehreingänge bei den Grundstückgewinnsteuern und ein Mehrertrag im Lastenausgleich, den man im Vorjahr vergessen hatte zu verbuchen. Damit entstanden Mehrerträge von total rund 1,1 Millionen Franken. Ja zu Raumordnung Dass man sich trotz gegensätzlicher Meinung auf einen Kompromiss einigen kann, beweisen Gemeinderat Jean-Pierre Beuret, der Zweisimmner Urban Uebelhart und weitere Beteiligte. So hatte sich 10.-Schuljahr-Lehrer Uebelhart per Referendum gegen das projektierte Raumkonzept für das geplante Oberstufenzentrum im Rahmen von 172000 Franken gewehrt (wir berichteten mehrmals). Gemeinsam haben die Gemeinde und Referendumsmitglieder in der Folge das Budget überarbeitet und legten den Versammlungsmitgliedern am Freitagabend einen neuen Kredit von 130000 Franken vor. Nicht im neuen Kredit inbegriffen sind allerdings je 10000 Franken für die Pausenplatzgestaltung und der Planungskredit. «Wir wollten den Kredit senken und diesen der Versammlung vorlegen, was hiermit geschehen ist. Damit sind unsere Ziele erreicht», sagte Uebelhart. Ziel der Referenten war auch, mit der Umsetzung nicht sofort zu beginnen. Auch dies haben sie erreicht: Das Oberstufenzentrum wird nun wegen der Verzögerungen nicht wie geplant auf das Schuljahr 2011/2012, sondern erst ein Jahr später umgesetzt. Ferner stimmten die Zweisimmner der Kreditabrechnung zum Neubau der Kanalisation Reichenstein zu und liessen sich im Anschluss an die Versammlung über die Gesamtplanung zum Bahnhof Ost/Gwattareal informieren. Die nächste Gemeindeversammlung findet am 28.September statt. Sarah McGrath-Fogal>

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