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«Ein Langenthaler – das ist gut»

Das Schweizer Fernsehen im Klassenzimmer:

Wer würde es schaffen? Das war gestern Mittwoch die grosse Frage an der Berufsfachschule Langenthal. Gesprochen wurde allerdings nicht über Prüfungen: Um halb neun dreht sich im Klassenzimmer der Klasse der technischen Berufsmaturitätsschule II alles um die Bundesratswahlen. Einige junge Frauen aus dem Ausbildungslehrgang «Fachfrau Gesundheit» haben sich ebenfalls eingefunden und schauen gespannt auf den Bildschirm. Und noch etwas ist speziell an diesem Morgen: Ein Fernsehteam von «10 vor 10» sitzt mit im Klassenzimmer. Die Reporter Debora Berweger und Jörg Glaser wollen von den Jugendlichen wissen, wem sie ihre Stimme geben würden. Und diese sagen, was geahnt werden konnte: Wir sind für Johann Schneider-Ammann. Doch sind sie wirklich alle für den Langenthaler Industriellen, oder spielt da der Gruppendruck mit? So richtig ausmachen lässt sich dies nicht. Vor der Klasse in ein Mikrofon zu sprechen und dabei noch gefilmt zu werden, braucht Mut. Dabei noch zu sagen, dass man eigentlich nicht Schneider-Ammann wählen würde, das wagt vorerst niemand. Inzwischen ist es neun Uhr geworden, und der erste Wahlgang in der Bundeshauptstadt beginnt. Die Ersatzwahl für Bundesrat Moritz Leuenberger steht an. Nun sind im Klassenzimmer erste politische Voten zu hören. Etliche würden nicht eine der SP-Kandidatinnen wählen, sondern den SVP-Mann Jean-François Rime. Um halb zehn sind Gruppen von Schülerinnen und Schülern am Diskutieren. Die Spannung steigt. Es wird zehn Uhr, der dritte Wahlgang ist ausgezählt. Ist die Sache nun klar, ist die Bundesrätin gewählt? Nein, ist sie nicht. Doch Jacqueline Fehr ist aus dem Rennen. «Wieso eigentlich?», fragt jemand konsterniert. Eine Schülerin erklärt, dass nach dem dritten Wahlgang die Person mit dem schlechtesten Resultat ausscheidet. So ist das, und so wirds in Bern gemacht. Für den Favoriten einiger Schüler besteht also weiter eine Chance. Um Viertel nach zehn ist es soweit: Simonetta Sommaruga ist mit 159 Stimmen gewählt, Rime unterliegt. Eine einzige Frau klatscht spontan in die Hände, die restlichen geben sich gelassen. Die meisten finden es in Ordnung, dass nun vier Frauen im Bundesrat sind. «Ich bin voll und ganz zufrieden mit der Wahl. Sie wird ihre Sache gut machen», sagt eine Frau. Es sind aber auch etliche enttäuschte Gesichter auszumachen. Der 20-jährige Michael Lappert sagt, dass er es lieber gesehen hätte, wenn Rime gewählt worden wäre. Die SVP hätte Anrecht auf diesen Sitz, argumentiert er. Auf die Frage, ob so gesehen nicht auch die SP Anrecht auf zwei Sitze habe, bleibt er die Antwort schuldig. – Die Konzentration der Schülerinnen und Schüler lässt auch nach der Pause nicht nach. In Bern werden kurz nach elf Uhr erste Wahlergebnisse verkündet, auf dem Bundesplatz macht sich die Stadtmusik Langenthal zum Einsatz bereit, im Klassenzimmer der Berufsschule werden derweil Mutmassungen angestellt: Wie viele Stimmen wird wohl Schneider-Ammann erhalten? Inzwischen ist es zwölf Uhr. Das Mittagessen muss noch etwas warten, die Entscheidung fällt um Viertel nach zwölf: Langenthal hat einen Bundesrat, Johann Schneider-Ammann ist gewählt. Applaus ertönt im Klassenzimmer. Von Standing Ovations sind die Schüler allerdings weit entfernt. «Er ist ein Langenthaler – und das ist gut», findet jemand beim Hinausgehen. Ursula Grütter >

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