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Ein Leben als akademischer Maler

eggiwilEr malt Bild für Bild und versucht seit Jahr und Tag, sich mit seiner Kunst durchs Leben zu bringen. Dass das nicht einfach ist, sagt Ulrich Dolder offen.

Das Bild wirkt imposant. Es füllt das Zimmer fast auf seiner ganzen Länge und zeigt eine dieser vertrauten Emmentaler Ansichten. Weit geht der Blick über die sanft gewellten Hügel hinweg zu den verschneiten Berner Alpen, und obwohl es noch Vorfrühling ist, schimmert die Landschaft in allen Farben. Dunkles und helles Grün prägt die Wälder und Matten, Weiss und Blau sind die Farben des Himmels und der Gipfel – wobei zwischendurch der Himmel auch in Gelb und Braun und die Matte in purpurnem Rot leuchten kann. Vielleicht macht genau das den eigentümlichen Charakter dieses Gemäldes aus. Früher lief es besser Hier, mitten in seinem Reich in Eggiwil und umgeben von einer Vielzahl weiterer Werke, sitzt Ulrich Dolder. Akademischer Maler nennt sich der bald 60-Jährige, und was das heisst, erklärt er gleich so: «Kunst ist ein dehnbarer Begriff.» Mit dem Zusatz wolle er klarmachen, dass er Maler mit Diplomabschluss sei. Dass das Leben als akademischer Maler alles andere als ein einfaches ist, wird im weiteren Verlauf des Gesprächs rasch klar. Dolder redet offen davon, dass er finanziell nicht eben auf Rosen gebettet ist. Zwar zeigt er im Moment zwanzig seiner Bilder in den Büros der «Bauernzeitung» in Bern der breiteren Öffentlichkeit, es ist die erste Ausstellung seit längerer Zeit, die seine angeschlagene Gesundheit überhaupt zulässt. Doch ob er dabei etwas verkaufen wird und wenn ja wie viel, ist noch völlig offen. Mit Wehmut erinnert er sich an die besseren Zeiten zurück, als er nach Jahren mit den verschiedensten Brotjobs von der Malerei «nicht schlecht» leben konnte. Ein Jahrzehnt lang, von 1985 bis 1995, war dies der Fall, damals war er mit seinem Atelier noch in Niederbipp am Jurasüdfuss zu Hause – doch dann brachen die Verkäufe ein. Obs daran lag, dass Bilder als Wandschmuck nicht mehr so gefragt waren? Oder daran, dass die Leute nicht mehr so viel Geld zur Verfügung hatten? Dolder zuckt die Schultern. Er muss es offenlassen. Dass in dieser Zeit auch die gesundheitlichen Probleme begannen, machte die Sache nicht einfacher. Entlastung brachte ums Jahr 2000 die Züglete nach Eggiwil in eine gemeinsame Wohnung mit seiner Mutter, die es in ihrem Alter schätzte, betreut zu sein. Er wiederum konnte die Lebenskosten auf zwei Köpfe verteilen, obwohl er mittlerweile eine kleine Rente erhielt – prompt musste er jedenfalls eine neue Bleibe suchen, als die Mutter 2005 starb. Er fand sie im Mittler Schachen, wo er heute lebt. Mit Gotthelf ins Emmental Es ist kein Zufall, dass Dolder vor gut zehn Jahren im Oberemmental landete. Der Grund liegt vielmehr in seinem künstlerischen Schaffen. Gleich zweimal innert kurzer Zeit wurde damals in Gedenkjahren der Dichterpfarrer Jeremias Gotthelf gefeiert, und der Maler fühlte sich von all den Aktivitäten inspiriert. Er begann, sich mit den Gotthelf-Filmen zu beschäftigen, machte sich daran, die Schauspieler in den verschiedenen Szenen zu malen, und fühlte sich vom Umfeld, das er auf die Art mitbekam, immer stärker angezogen. «Ich wollte die Landschaft, die Gotthelf beschrieben hat, selber erleben.» Dass er gleichzeitig den Jurasüdfuss und damit seine eigentliche Heimat verliess, nahm er in Kauf. Schon den grössten Teil seiner Kindheit und Jugendzeit hatte Dolder nämlich in Niederbipp verbracht. Hier entdeckte er seine künstlerische Ader, zum Beispiel, wenn er selber Spielsachen anfertigte, «weil die Eltern kein Geld hatten». Und hier fand er in seinen Lehrern auch erste kreative Vorbilder. Seiner Familie war das Talent ebenfalls nicht verborgen geblieben. Dolder erinnert sich noch gut daran, wie ihn der Vater zu einem seiner ersten Malversuche ins Aaretal mitnahm und er dafür sogar die Schule schwänzen durfte. Sein Onkel wiederum gab ihm einen Rat, der noch heute nachhallt: «Wenn du kopierst, dann nur einen Meister mit grossem Namen.»Stephan Künzi«Ulrich Dolders Ansichten des ländlichen Raums», Ausstellung in der Redaktion der «Bauernzeitung» am Dammweg 3 in Bern, offen werktags zu Bürozeiten (bis 17.März). >

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