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Ein Leben im gestreckten Galopp

TurfHartnäckigkeit zahlt sich aus. Sarah Leutwiler ist zum Abschluss ihrer Karriere WM-Zweite der Amateurreiterinnen geworden. Selbst ein Genickbruch war für sie kein Hindernis.

Wenn Sarah Leutwiler über ihre Leidenschaft spricht, dann leuchten ihre Augen. Trotzdem hat die 28-Jährige ihre Laufbahn als Amateurgaloppreiterin auf dem Gipfel beendet. Die in Burgdorf geborene und in Heimiswil aufgewachsene Leutwiler ist im vergangenen Dezember auf Mauritius dank einem 2.Platz im letzten Rennen der 22 Wettkämpfe umfassenden Rennserie für Amateure Weltmeisterschaftszweite geworden. «Das war der Höhepunkt meiner Laufbahn», sagt die Emmentalerin, die heute im zürcherischen Urdorf lebt und im Stall von Startrainer Miro Weiss trainiert. Die Juristin will sich auf ihre berufliche Karriere konzentrieren, die letzten Prüfungen im April bestehen und das Anwaltspatent erlangen. Aktuell arbeitet Sarah Leutwiler als Gerichtsschreiberin in Horgen am Zürichsee. «Dem Reitsport werde ich weiterhin treu bleiben, aus Spass und ohne grosse sportliche Ambitionen», sagt die Wahlzürcherin. «Ich bringe Trainingsaufwand und Beruf nicht mehr unter einen Hut, um weiterhin auf diesem Niveau mittun zu können.» Seit gestern weilt Sarah Leutwiler im Sultanat Oman. Dort wird sie am Donnerstag ein Einladungsrennen bestreiten. Überhaupt hat die Vizepräsidentin des Schweizer Rennreiterverbandes dank ihrer Leidenschaft die halbe Welt gesehen. Australien und Südamerika sind die (noch) weissen Flecken auf der sportlichen Weltkarte der Emmentalerin. 51 Siege bei 340 Starts hat Leutwiler auf den Rücken diverser Vollblüter davongetragen. Bestens in Erinnerung geblieben sind der 1,64 Meter grossen und 52 Kilo schweren Jockeyfrau dabei die acht Erfolge im Ausland (in den USA, Belgien, Macao, Deutschland, Italien, Frankreich und in der Türkei), der Doppelerfolg auf Schnee in Arosa 2006 und der dreifache Erfolg am Ostermontag desselben Jahres in Fehraltorf. Auch der nationale Championtitel im Jahr 2005 bei den Amateuren ist ein Erfolg, der im Palmarès grossen Stellenwert geniesst. «Leider ist mir in St.Moritz nie ein Sieg geglückt.» Es begann auf Ponys Drei Jahre jung war Sarah Leutwiler, als die Begeisterung für Pferde einsetzte. «Es begann in Heimiswil. Meine Eltern haben mir dort das Ponyreiten ermöglicht und so dafür gesorgt, dass mich der Virus gepackt hat.» Dass die Emmentalerin nicht – was aufgrund der ländlichen Herkunft naheliegender gewesen wäre – im Springsport gelandet ist, hat seinen guten Grund. «Galoppieren war das Grösste für mich. Das Tempogefühl hatte mich gepackt, und so führte mein Weg über im ganzen Land stattfindende Ponyrennen bis zu den grossen nationalen Anlässen der Galopper in Frauenfeld, Fehraltorf oder Maienfeld.» Auf die Ausbildung zum Profijockey verzichtete Leutwiler bewusst. Als gute Schülerin wählte sie den sicheren Weg mit Matur und Jurastudium in Bern, weil in der Schweiz die Verdienstmöglichkeiten im Rennsport eher gering sind. Dank den Leistungen von Pferd und Reiterin haben andere Geld gewonnen, wenn sie denn beim Wetten an die Emmentalerin geglaubt haben. Allerdings, so versichert Leutwiler, handle es sich dabei nicht um die ganz grossen Beträge. Auch Sarah Leutwiler wurde mit ihrem Sport nicht reich. Für den 2.Platz an der WM strich sie gerade mal eine Prämie von 2000 Franken ein. Der beinahe fatale Sturz Am 1.August 2007 hingen Karriere und sogar das Leben von Sarah Leutwiler an einem dünnen Faden. Nach einem Sturz bei Positionskämpfen mit Tempo 60 km/h brach sich Leutwiler in Avenches den ersten Halswirbel. Dank Glück und Hartnäckigkeit konnte und kann sie ihre Karriere und ihr Leben im gestreckten Galopp weiterführen. «Zum Glück war es ein stabiler Bruch. Der Kopf wurde mit einer Halsstütze ruhig gestellt, sodass ich ihn nicht mehr bewegen konnte. Meine Geduld wurde strapaziert, weil ich ein halbes Jahr nicht habe reiten dürfen.» Nun sitzt sie wieder im Sattel, und bald wird die junge Frau als Anwältin und ohne Unterstützung eines beschlagenen Pferdes durch die Paragrafen zu galoppieren haben.Peter Gerber>

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