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Ein Superherbst rettete die Saison

Ein Schlechtwetter-Juli und ein durchzogener August verhinderten für viele SAC-Hütten einen Rekordsommer. Die Hüttenwarte sind trotzdem zufrieden. Vier Betriebe sind noch offen, der Rest befindet sich bereits im Winterschlaf.

Talak Tamang ist Bergführer. Der 29-Jährige hat soeben sein erstes Jahr als Hüttenwart der SAC-Trifthütte hinter sich, die er zusammen mit seiner Ehefrau Irene betreut. Es gefällt dem Nepalesen hier oben: «Es ist sehr spannend, immer wieder neue Leute kennen zu lernen und bewirten zu dürfen.» Zur Begeisterung der Gäste bereitet Talak natürlich auch hin und wieder ein Gericht aus seiner Heimat zu. Das Hüttenwart-Ehepaar erlebte von März bis Mai einen Einstand nach Mass. Irene Beck-Tamang: «Während der Skisaison lief die Hütte wie verrückt. Im Sommer waren wir dann an den Wochenenden mehrmals ausgebucht, aber wir kommen trotzdem nur auf gut 2000 Übernachtungen. Budgetiert hatten wir 3000.» Am letzten Sonntag haben die beiden den Hüttenbetrieb auf 2520 Meter über Meer eingestellt: «Vielleicht machen wir im Winter eine Reise nach Patagonien, ehe es dann im Frühling in der Trifthütte wieder losgeht», sagt Irene Beck. Knapp unter Rekordjahr Die Bilanz der zu Ende gehenden Saison fällt in den allermeisten der 26 bewarteten Oberländer SAC-Hütten ähnlich aus wie in der Trift. «Besser als 2010, aber schlechter als das Rekordjahr 2009», lautet der einstimmige Tenor von der Glecksteinhütte (Grindelwald) und der Tierberglihütte (Sustenpass). Heiri Büchler von letzterer Hütte spricht von einem «Supersommer, der von einem noch besseren Skitourenfrühling ergänzt wurde und uns so über 4000 Übernachtungen einbrachte.» Die Engelhornhütte, Gspaltenhornhütte und Schreckhornhütte schlossen die Saison mit durchschnittlichen Gästezahlen ab. Als Einziger spricht Ernst Müller von der Doldenhornhütte (Kandersteg) von einem Rekordjahr: «Mit 1150 Übernachtungen habe ich gleich viele Gäste gehabt wie im Rekordsommer vor zwei Jahren.» Fast alle erlebten im Juli wegen des meist miesen Wetters einen Einbruch. Ganz anders tönt es bei der Brochhütte. Deren neuer Hüttenwart Alexander Nägeli: «Ich hatte viele Gruppen, die trotz des schlechten Wetters kamen.» Ebenfalls von Gruppenbuchungen profitierte im verregneten Juli Ruedi Hählen in der Grubenberghütte am Jaunpass: «Wir hatten unter anderem ein Camp der Privatschule Le Rosey. Dies half uns durch den wetterbedingt mageren Juli.» Hählen erfreute sich einiger ausgebuchter Wochenenden und eines erfolgreichen, weil schönen Herbstes: «Da kann ich verkraften, dass es heuer weniger Tagesgäste gab als in anderen Jahren.» Als einer der wenigen spricht Willy Romang von der Wildhornhütte von einem Saisonabschluss unter dem langjährigen Durchschnitt. Als passabel bezeichnet Cyrille Zwicky von der neu ausgebauten Dossenhütte das Hüttenjahr 2011. Weniger Tagesgäste Erna Schuler erlebte ihren ersten Hüttensommer in der Bächlitalhütte. Das Hüttenwartleben gefällt ihr, sie wird die Herausforderung auch nächstes Jahr wieder anpacken. In der Lobhornhütte beendet Lisa Emmenegger ihr zweites Jahr. Sie hatte wesentlich weniger Tagesgäste als im Vorjahr und im Juli praktisch keine Gäste: «Auch ein schöner Herbst kann natürlich die Zahlen eines sehr guten Vorjahres nicht mehr einholen.» Emmenegger, die während des ganzen Sommers die Sanierungs- und Ausbauarbeiten der Lobhornhütte hautnah miterlebte, stellte fest, «dass der ganze Bau- und der damit verbundene Flugbetrieb von den Gästen als ausserordentlich interessant angeschaut wurde. Trotzdem bin ich dann froh, wenn die Hütte im nächsten Frühling fertig ist.» Bereits vier Jahre haben Hans und Hildi Hostettler in der Blümlisalphütte hinter sich: «Wir verbuchen den zweitbesten Sommer, seit wir die Hütte übernommen haben», freut sich Hans Hostettler, der gestern von der Hütte zum Überwintern ins Tal zurückgekehrt ist. Elf Jahre in der Geltenhütte haben Ulrich und Marianne Stalder hinter sich: «In diesen Jahren hatten wir noch nie einen so schlechten Juli. Der ausgesprochene Schönwetter-September hat unsere Saison gerettet.» Nur noch vier sind offen Nicht zuletzt wegen des Wintereinbruchs vom letzten Wochenende sind bereits fast alle SAC-Hütten im Winterschlaf. Noch dieses Wochenende sind offen: die Bächlitalhütte (2330 m, Grimselgebiet) und die Lobhornhütte (1955 m, Lauterbrunnental). Bis zum 22.Oktober offen ist die Brochhütte (Reichenbachtal), und Ruedi Hählen bewirtschaftet die Grubenberghütte bis Ende Monat. Bruno Petroni>

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