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Ein Teamplayer – nicht nur im Strassenbau

«Als Vorgesetzter kann ich zusammen mit einer Gruppe ein Ziel erreichen.» So umschreibt der Thuner Stefan Fankhauser die Faszination seines Berufs als Bauführer Strassenbau bei der Frutiger AG. Ein Teamplayer ist er aber auch in anderen Bereichen seines Lebens.

Roland Krebs, stellvertretender Leiter des Armeeverpflegungszentrum Brenzikofen, hat ein Interview mit Ihnen gewünscht. Er möchte wissen, woraus Ihre Arbeit als Bauführer Strassenbau bei der Frutiger AG im Winter besteht. Können Sie eine ruhige Kugel schieben? Stefan Fankhauser: Nein. Ich schliesse Rechnungen ab, mache Nachkalkulationen und schreibe Offerten, weil im Winter die Aufträge des nächsten Jahres ausgeschrieben werden. Aber es stimmt, meine Arbeit ist im Winter weniger intensiv als im Sommer. Sie zeichnen keine Pläne für künftige Strassenbauprojekte? Nein, es sind Bauingenieure, die diese Arbeit im Auftrag des Bauherren erledigen. Wir sind für die praktische Ausführung zuständig. Die Pläne sind aber die Grundlage für unsere Offerten. Was ist Ihre Aufgabe als Bauführer Strassenbau im Sommer, wenn die Arbeit so richtig losgeht? Das sind vor allem Koordinationsarbeiten, beginnend bei der Bestellung des Materials, das unsere Leute auf der Baustelle brauchen. Ich bin zudem ein Bindeglied zwischen dem Bauherrn und dem Polier vor Ort, wenn Probleme auftauchen, sowie zwischen der Firma und unseren Auftraggebern. Auch die Abrechnung und gegebenenfalls Nachkalkulationen gehören zu meinem Aufgabengebiet. Dann sind Sie also auch immer wieder persönlich auf den Baustellen anzutreffen? Ja, das ist ein steter Wechsel zwischen Büro und Baustelle, zwischen innen und aussen. Das gehört auch zur Faszination meines Berufes. Haben Sie auch Kontakt mit den eigentlichen Strassenbauern? Also jenen Männern, die im Schweisse ihres Angesichts arbeiten? Sicher, diese Kontakte sind sogar ausserordentlich wichtig. Wenn die Chemie zwischen uns stimmt, macht die Arbeit allen Spass, und das wirkt sich positiv auf die Leistung aus. Strassenbauer ist ja ein ziemlich harter Job: Diese Männer sind der Witterung ausgesetzt und müssen sich blöde Bemerkungen von Autofahrern anhören, die sich über Verkehrsbehinderungen bei Baustellen aufregen. Das stimmt. Aber oft sind die Fussgänger fast noch schlimmer, weil sie die Strasse nun an einem anderen Ort überqueren müssen. Es gibt aber auch das Gegenteil: So erhalten wir auch Anerkennung und Lob, beispielsweise für eine besonders gut gelungene Pflästerung. Es ist wie in allen anderen Berufen: Es gibt Positives und Negatives. Wie kamen Sie zum Strassenbau? War das von Anfang an Ihr Berufsziel, oder hat es sich einfach so ergeben? Dass ich Tiefbauzeichner werden wollte – der erste Beruf, den ich erlernt habe – , war mir schon in der sechsten oder siebten Klasse klar, weil mir das technische Zeichnen sehr gefiel. Aber ich merkte bald, dass ich nicht der Typ bin, der von morgens bis abends im Büro sitzt. Das entspricht nicht meinem Naturell. Ich erlernte zusätzlich den Maurerberuf und stellte fest: Immer nur draussen zu arbeiten, ist auch nichts für mich. Unter anderem wegen Rückenproblemen entschied ich mich, mich zum Bauführer weiterzubilden. Damit hatte ich meine berufliche Bestimmung gefunden. Sie haben bereits vorhin von der Faszination Ihres Berufs gesprochen. Können Sie das noch etwas ausführen? Es ist ähnlich wie im Militär: Als Zugführer musste ich mit einer Gruppe ein vorgegebenes Ziel verfolgen. Aber wie ich das anging, konnte ich selber entscheiden. Im Strassenbau ist es ähnlich: Wir müssen eine Strasse sanieren oder Werkleitungen ersetzen, und zwar schnell, finanziell günstig und in guter Qualität. Hinzu kommt, dass die Behinderungen für Fussgänger und Autofahrer so gering als möglich sein sollten. Optimal ist, wenn die Leute die Baustelle als solche gar nicht wahrnehmen. Oder anders gesagt: Die Faszination besteht darin, als Vorgesetzter zusammen mit einer Gruppe ein Ziel zu erreichen. In der Schweiz werden kaum jemals neue Strassen gebaut – in Ihrem Beruf geht es vor allem um Sanierung und Erhaltung der bestehenden Verkehrswege. Ist das nicht ein wenig frustrierend, wenn Sie es mit Ihren Kollegen aus dem Hochbau vergleichen, die Neues schaffen können? Nein. Wenn wir die Arbeit abgeschlossen haben, ist die Strasse für uns neu, auch wenn sie vorher schon dort war. Nehmen wir die Berntorgasse in Thun: Nach der Sanierung hatte sie ein komplett neues Gesicht und erschien in einem neuen Glanz. Hinzu kommt: Wir können unsere Arbeit von A bis Z selber erledigen, und das ist ein tolles Gefühl. Im Hochbau hingegen sind Vertreter der verschiedensten Berufe tätig. Schauspieler träumen von bestimmten Rollen, Journalisten zuweilen von prominenten Interviewpartnern. Welche beruflichen Träume haben Sie? Vielleicht als Bauführer im Ausland tätig zu sein. Sonst aber sind es eher Wünsche als Träume: Da wir nicht zu 100 Prozent selber für die Sicherheit auf unseren Baustellen sorgen können, hoffen wir immer, dass es keine Unfälle gibt. Es kann zum Beispiel passieren, dass ein Autofahrer einen Herzinfarkt erleidet und in unsere Baustelle fährt. Dagegen können wir nichts tun. Blicken wir ein wenig in die Vergangenheit: Wie verlief das letzte Jahr für Sie? Ziemlich intensiv und stressig. Ich habe geheiratet und hatte interessante berufliche Projekte. Hinzu kommt meine Fussballleidenschaft. Alles unter einen Hut zu bringen, war nicht immer einfach. Erzählen Sie bitte von diesen Projekten! Da waren der Uferweg zwischen dem Bahnhof und der Schadau, die Sanierung des Guisankreisels, die Neugestaltung vom Aldi im Grabengut und die Fernheizung für die Neubauten auf dem Selve-Areal. Das waren vier Baustellen zur selben Zeit – also eine ziemliche Herausforderung. War der Uferweg etwas Spezielles für Sie? Es handelt sich ja nicht um eine Strasse. Ich war mir zu Beginn der Tragweite dieses Projektes nicht bewusst. Als ich dann aber hörte, wie lange sich die Planung schon hingezogen hat, und mit welcher Hingabe die Planer daran arbeiteten, hat sich das geändert. Heute kann ich sagen: Als Thuner bin ich stolz auf diesen Uferweg. Was die eigentliche Arbeit betrifft: Es war ruhiger als auf Strassen, wir hatten mehr Platz aber rein technisch unterschied sich der Uferweg nicht besonders stark von dem, was wir sonst machen. Wie siehts 2012 aus? Wissen Sie bereits, was im neuen Jahr ansteht? Im Januar sind es Werkleitungsarbeiten für die Energie Thun AG. Was weiter geht, ist noch offen. Zurzeit werden die Aufträge erst ausgeschrieben. Sicher ist aber bereits, dass sie irgendwann Ferien haben. Sind Strassen auch hier ein Thema für Sie, in dem Sinn, dass Sie ins Auto sitzen und losfahren? Überhaupt nicht. Ferien heisst für mich: In Thun in den Zug steigen, zu einem Flughafen fahren und abfliegen. Obwohl ich sehr gerne Auto fahre, würde ich in den Ferien nie durch halb Europa kurven. In den Ferien ein Auto zu mieten, ist aber etwas ganz anderes: Da habe ich einen anderen Wagen und grössere Strassen. Die Strasse kann auch eine Metapher für den Lebensweg eines Menschen sein. Sie begleiten als Fussballtrainer Jugendliche zwischen 17 und 19 Jahren auf diesem Weg ein Stück weit. Was gefällt Ihnen daran? Es hält jung. Hinzu kommt, was ich bereits bei den Themen Beruf und Militär angetönt habe: Wir können gemeinsam ein Ziel erreichen. Zudem sind die Jugendlichen leichter zu motivieren als Erwachsene, sind offener und manchmal fast zu ehrlich. Sie geben mir damit etwas für mein Engagement zurück. Welche Wünsche haben Sie für 2012 – abgesehen von Baustellen ohne Unfälle? Gesundheit, Zufriedenheit und Herausforderungen im Beruf. Und dass Basel und Davos Meister werden. Letzte Frage: Mit wem möchten Sie ein Interview lesen? Mit einem Bus-Chauffeur der STI, der während der Feiertage arbeiten musste. Interview: Marc Imboden>

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