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Ein US-Steindrucker an der Aare

Der in Amerika geborene Steindrucker Tom Blaess (53) feiert das zehnjährige Bestehen seines Druckateliers an der Aare mit

Viele Pioniere sind von Europa nach Amerika ausgewandert. Tom Blaess, 1956 in Michigan aufgewachsen, hat es umgekehrt gemacht: Er ist von der Neuen Welt in die Alte zurückgekehrt, von San Francisco, wo er seine Ausbildung zum Steindrucker absolviert hatte, nach Amsterdam und schliesslich nach Merligen bei Thun. Seine wahre Identität hat er aber erst gefunden, als er sein eigenes Druckatelier in einer ehemaligen Brauerei an der Aare eröffnete. Es ist ein stimmungsvoller, lichtdurchfluteter Ort mit einer hohen Gewölbedecke und riesigen Bogenfenstern. Wenn Tom Blaess hier seine Kurse durchführt, die er für Laien und Profis anbietet, herrscht das kreative Chaos. Traditionelles und Neues Bis zu fünf Teilnehmer hantieren dann mit Farbwalzen, scannen, zeichnen und diskutieren mit dem Meister seines Fachs über Farbnuancen und Druckresultate. «Viele gute Sachen entstehen durch vermeintliche Fehler oder Zufälle. Das ist das Faszinierende», erklärt Blaess. «Ich biete Drucktechniken von heute, gestern und vorgestern an.» Die traditionellen Techniken, die Blaess während seiner Ausbildung erlernte, sind Lithografie, Kaltnadel und Monotypie. Die Ursprünge dieser Kunst gehen ins 18.Jahrhundert zurück. Ein Grund mehr, warum er bereits als Kind von Europa fasziniert war: «Ich lebte kurze Zeit in London und wollte immer dorthin zurück, wo das Druckhandwerk entstanden ist.» Obwohl Blaess diese alten Techniken liebt, ist er auch offen für Neues und erarbeitet gemeinsam mit den Künstlern Lösungen mit Hilfe des Scanners und Computers, die erst nach der digitalen Bearbeitung in die Handpresse gelangen. Das Gespür für Farben Tom Blaess ist selbst Künstler, doch das stellt er in seiner bescheidenen Art gern unter den Scheffel. Lieber sieht er sich in der Rolle als Berater im Hintergrund, als jemanden, der mit seinem sicheren Gespür für Farben Einfluss auf das Resultat nimmt. In der Retrospektive ist sein eigenes Schaffen immerhin mit einem Bild, das in Detroit entstanden ist, vertreten. Das ist die Gegend, in der Blaess aufgewachsen ist und wo seine Familie immer noch lebt. 2009 besuchte er mit dem Berner Fotografen Dominique Uldry Detroit, eine Stadt, die dank der Autoindustrie boomte, heute aber zu den ärmsten in den USA gehört. Blaess und Uldry entdeckten hinter heruntergekommenen Fassaden Melancholie und Schönheit. Vielleicht entsteht daraus ein Buch. Vor zehn Jahren machte Blaess sein Atelier zu einem Zentrum für zeitgenössische Druckkunst und belebte so die Berner Szene. Dass ihm dies gelungen ist, wird in der Retrospektive deutlich. Er hat ein Netzwerk aufgebaut, mit vielen lokalen Künstlern zusammengearbeitet und immer wieder Gäste aus dem Ausland in sein Atelier geholt. Man stösst auf die farblich subtilen Werke des Berner Künstlers Kotscha Reist, auf die poetischen Arbeiten der Bielerin Mingjun Luo oder auf die ironisch-bissigen Drucke des Polen Marcin Kuligowski. Wer drucken will, weiss: Alle Wege führen zu Tom Blaess. Helen LaggerDie Ausstellung: bis und mit 28.März. Atelier Tom Blaess, Uferweg 10b, Bern. >

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