Ein Wasserrad dreht die Zeit zurück

Oberwil

Die mit Wasserkraft angetriebene Säge auf dem Rossberg ist nach langer, liebevoller Instandsetzung funktionstüchtig. Der Betreiber Christian Aegerter will sie am bevorstehenden Sommerfest vorführen.

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Es ist ein Ort der behaglichen Ruhe. Das lang gezogene, schmale Sägereihaus mit seinem holzverschindelten Vollwalmdach und dem 20-teiliegen Sprossenfenster mit eingebautem Flügeli fügt sich idyllisch in die intakte Naturlandschaft ein. Das Sägewerk befindet sich längsseitig an einem Bachlauf im hügeligen Gelände des Rossbergs, 1150 Meter über Meer. Laut dem bernischen Denkmalschutz gilt es als «seltener Vertreter eines einst verbreiteten Gewerbes im Simmental». Heute ist es im Tal einzig in seiner Art und wird im Bauinventar als «schützens- und situationswert» aufgeführt.

Eigentümerin ist die Vorholzallmendkorporation Oberwil-Därstetten (bestehend aus vier Bäuerten), welche die Säge aus dem frühen 18. Jahrhundert der Bäuertgemeinde Hintereggen abgekauft hat. Christian Aegerter, der in der «Chürzi» eine alteingesessene Zimmerei betreibt und die alte Säge seit vielen Jahren etappenweise sanierte und restaurierte, ist heute ihr Pächter. Vorausgesetzt, es fliesst genügend Wasser, setzt er die einfache, doch sehr imposante Mechanik in Betrieb, womit er unter anderem Pfähle für die Bäuertgemeinde herstellt.

Demonstration am Fest

Gerne und stolz zeigt Aegerter das alte Bauwerk mit dem nimmermüde drehenden Wasserrad und der damit verbundenen Maschinerie interessierten Besuchern. Schulen und andere Gruppen können sich bei ihm melden. Beim traditionellen Sommerfest der Musikgesellschaft Oberwil, das von morgen Freitag bis Sonntag auf dem Rossberg stattfindet, will er Demonstrationen der Säge, die über eine Leistung von circa 2 PS verfügt und dessen Wasserrad sich 30-mal pro Minute dreht. Das passt gut ins Programm, das nebst Festivitäten und Musikauftritten auch ein Oldtimertreffen sowie am Sonntag Vorführungen der Handdruckspritze der Füürfäger Lago vorsieht.

Der lange Weg

Christian Aegerter war vierzig Jahre lang Sekretär der Bäuertgemeinde Hintereggen, der damaligen Eigentümerin der Säge. Da schon sein Onkel und sein Vater gesägt haben, lag ihm als Zimmermann in der dritten Generation das altertümliche, gemütliche Sägewerk am Herzen, und als es verkauft werden sollte, setzte er sich, unterstützt von einigen Nachbarn, für das Bijou als Zeuge alter Zeiten ein, damit es den Einheimischen erhalten bleibe.

Begleitet durch den Denkmalschutz, begann eine umfangreiche Sanierung der um 1700 erbauten, 1975 renovierten und 1982 neu eingedeckten Säge. Es musste vorerst gehörig ausgemistet werden. Dann mussten die Känel und das Wasserrad neu erstellt werden. Ebenfalls erneuert wurde das 1,7 Meter lange und mit 40 Zähnen versehene Sägeblatt, das Aegerter noch heute von Hand zu schärfen weiss, und ein Antriebsriemen.

Der alte ist noch vorhanden. Christian Aegerter meint: «Er wurde immer wieder geblätzet, aber er kam nicht mehr richtig in Gang». Trotz Unterstützung blieb immer wieder viel Arbeit und auch Finanzielles an Pächter Aegerter selbst hängen. Doch Freude und Enthusiasmus ist ansteckend: der jüngere Sohn Stefan interessiert sich für das Werk seines Vaters und kann schon selbstständig damit umgehen.

Berner Zeitung

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