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Ein Zentrum gegen den Ärztemangel

SchwarzenburgVier von fünf Hausärzten im Schwarzenburgerland ziehen sich bald aus dem Beruf zurück. Um dem drohenden Mangel zu entgehen, soll in Schwarzenburg ein Zentrum für die medizinische Versorgung entstehen.

Antonio Gervasi, Arzt mit eigener Praxis in Schwarzenburg, möchte seine Praxis in nächster Zeit in jüngere Hände übergeben. Weitere Ärzte im Schwarzenburgerland werden in naher Zukunft das Pensionsalter erreichen. Sollten sie keine Nachfolge finden, wäre die medizinische Grundversorgung im Schwarzenburgerland akut gefährdet. Gemeinde und Ärzte wollen Gegensteuer geben, bevor es zu spät ist: Vorbereitungen für ein medizinisches Zentrum sind im Gang. «Die medizinische Versorgung hier kann nur in diese Richtung gehen», sagt Schwarzenburgs Gemeindepräsident Ruedi Flückiger (SP). Im vergangenen Sommer fand ein Gespräch am runden Tisch statt, das das grundsätzliche Bedürfnis nach neuen Strukturen im Schwarzenburger Gesundheitswesen ergab. Am 15.März findet eine Sitzung statt, welche die ersten Schritte an die Hand nimmt. Die Gemeinde Schwarzenburg arbeitet zu diesem Zweck mit dem Spital Riggisberg, der bernischen Ärztekasse, der Spitex und dem Pflegezentrum Schwarzenburg zusammen. Damit sind alle Beteiligten an einem Tisch. Als Projektleiter fungiert Hansruedi Federer, der im Zürichbiet eine Unternehmensberatung für das Gesundheitswesen besitzt. Lösung in einem Jahr Ziel ist, binnen Jahresfrist eine konkrete Lösung zu finden und auch zu realisieren. Die Zeit sollte nach Federers Schätzung reichen, wenn nicht ein Neubau erstellt werden muss. Die Lösung des Versorgungsproblems kann eine Gemeinschaftspraxis, ein Ärztezentrum oder auch ein Gesundheitszentrum sein. Die Projektkosten übernimmt Schwarzenburg: Diese Woche hat der Gemeinderat einen Kredit von 25000 Franken genehmigt. Laut Flückiger ist offen, ob sich die Gemeinde auch an der Realisation des Zentrums finanziell beteiligen wird. «Das entscheiden wir, wenn ein konkretes Projekt vorliegt», so Flückiger. Persönlich geht er aber davon aus. Der erste Schritt ist nun, ein geeignetes Zentrumsmodell zu finden. Danach geht es an die Suche nach einem Standort und der Finanzierung. Auch da stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl: Möglich wäre, ein bestehendes Gebäude in Schwarzenburg umzunutzen. Muss ein Neubau her, sollte das Bauland kein Problem sein: «Verschiedene Eigentümer haben bereits signalisiert, dass sie Land oder eine Liegenschaft für ein solches Zentrum verkaufen würden», sagt Flückiger. Schweizweites Problem Für den Schwund an Hausärzten, der schweizweit zum Problem wird, gibt es viele Gründe: Eine eigene Praxis bringt hohe Fixkosten und eine dauerhafte Entscheidung für eine Ortschaft mit sich. Zudem haben herkömmliche Hausärzte enorm viel Präsenzzeit und müssen im Notfall immer verfügbar sein. Junge Ärzte sind nicht mehr bereit, diese Nachteile auf sich zu nehmen. Durch geteilte Strukturen in einer Gemeinschaftspraxis oder in einem Gesundheitszentrum sinken die Kosten und auch die Arbeitsstunden für die jeweiligen Ärzte. Den Pikettdienst als weiteren Nachteil hat Schwarzenburg bereits entschärft: Seit Anfang Jahr arbeiten die Ärzte mit dem gemeinsamen telefonischen Beratungsdienst Medphone. Anna Tschannen>

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