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Ein zügelloses Bad im Glück

Das Centre Pasquart in Biel feiert sein zwanzigjähriges Bestehen mit der Ausstellung «Felicità». Rund dreissig Kunstschaffende laden zu einem sinnlichen Rundgang für Glückssucher ein.

Kunst anfassen ist verboten? Für die Installation «lucky» der 1966 in Schaffhausen geborenen Künstlerin Kassandra Becker gilt das nicht. Drei riesige Buddha-Köpfe aus Harz fordern zum Berühren auf, was laut Begleittext Glück bringen soll. Ein erster Posten auf einer sinnlichen Glückssuche im Centre Pasquart. Ausschweifung Die Künstler und Künstlerinnen loten das Thema auf unterschiedlichste Art und Weise aus. In einem Raum riecht es etwa nach Schokolade. Den meisten geht es bei diesem Geruch wohl wie dem Ich-Erzähler in Marcel Prousts «A la recherche du temps perdu», der drastisch beschreibt, wie ihm beim Essen einer Madeleine glückliche Erinnerungen aus der Kindheit in den Sinn kamen. Doch wann wird aus Genuss Dekadenz? Die 1969 in Deutschland geborene Künstlerin Sonja Althäuser hat eine schlichte Edelstahlwanne randvoll mit geschmolzener Schokolade gefüllt. Am Boden führen Fussspuren zum Lift – sie lassen uns wissen, dass hier tatsächlich jemand ein Schokoladebad genommen hat. Neben der Wanne hängt eine Zeichnung, die eine feiernde Bande, angelehnt an die dionysischen Umzüge aus der Antike, zeigt und so zusätzlich ausschweifende Zügellosigkeit zelebriert. Dauerrausch Die 1968 in Finnland geborene Künstlerin Katharina Turku schlägt leisere Töne an. Sie hat sich selbst als junge Mutter fotografiert. Turku kommt ursprünglich aus dem Fotojournalismus, was wohl ihren realistischen Stil und die Liebe zum Dokumentarischen erklärt. Sie präsentiert sich nicht etwa als idealisierte Mutter, sondern nackt und schonungslos, ohne die Spuren, die ihr Körper von der Schwangerschaft davongetragen hat, zu kaschieren. Mutter werden oder in Schokolade baden sind allerdings nicht die einzigen Strategien, um glücklich zu werden: Gleich mehrere Künstler zeigen sich vom psychedelischen Trip fasziniert. Der 1975 in Genf geborene Frédéric Post zeigt seine Installation «Le Temple de l’Extase» von 2004. Ein Raum, irgendwo zwischen modernistischem Sitzungszimmer, Sektenseminarraum und Opiumhöhle, lädt zum Philosophieren über Tradition und Gefahren des künstlich hervorgerufenen Rausches ein. Nüchtern zu bleiben, ist in dem mit Ventilatoren und wissenschaftlichen Tabellen ausgestatteten Raum jedoch kein Problem. In der Salle Poma wird das schon schwieriger. Die 4-Kanal-Videoinstallation «Tinkerbell» des 1962 in London geborenen Thuner Künstlers Dominik Stauch verändert das Raumgefühl und provoziert einen Farbrausch. Ein glockenspielartiger Tonkanal, der auf die titelgebende Fee Tinkerbell (deutsch Glöckchen) anspielt, sorgt zusätzlich für das Gefühl, dass man sich in einer kindlichen Traumwelt befindet. Doch auch dieses Glück ist flüchtig: Wer möchte schon auf Dauer in einer kaleidoskopischen Spieldose verweilen? Helen LaggerAusstellung: Bis am 21.November 2010 im Centre Pasquart, Seevorstadt 71–73, Biel. Info: www.pasquart.ch >

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