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Eine Frau fährt mit der Bank

AarwangenFranziska Käser hat eine ungewöhnliche Berufsbezeichnung: Niederlassungsleiterin mobile Bank. «Ihre» Bank fährt sie jeweils selber vor. In Aarwangen immer montags. Dafür hat sie extra Lastwagen fahren gelernt.

Hinter der Frontscheibe ein Nummernschild mit dem Namen «Fräne», so wie in vielen Lastwagen. Ein Geschenk der Bank zur Fahrprüfung. Von den Truckern wird sie akzeptiert und kollegial gegrüsst. Einige hupen beim Vorbeifahren. Lastwagen fahrende Frauen gibt es viele, aber wohl kaum eine ist dabei so adrett gekleidet wie Franziska Käser. Sie darf Lastwagen fahren, ist aber Bankangestellte, und das seit 20 Jahren. Bei der Berner Kantonalbank an der St.-Urban-Strasse in Langenthal hat sie ihr Büro. Jeden Montag aber startet sie in Wangen. Sie lenkt den 9,5 Tonnen schweren Lastwagen durch den Oberaargau. Denn einmal pro Woche stellt Franziska Käser in Aarwangen an der Langenthalstrasse 29 gleich neben der Clientis-Bank die mobile Bank der BEKB hin. Rund 30 Kunden pro Tag Um 8.30 Uhr tauscht sie die Führerkabine des Mercedes mit dem Schalterraum der Bank. Meistens ist sie alleine, gelegentlich wird sie von Auszubildenden begleitet. Per Kabel wird sie mit Strom und der nötigen EDV versorgt. Deshalb benötigte der Standplatz auch eine Baubewilligung. Alles ist da, von der Münzzählmaschine über den Kopierer bis zur Kaffeemaschine im Warte- und Beratungszimmer. Der Lastwagen ist klimatisiert. Durchschnittlich bedient Franziska Käser hier rund 30 Kunden pro Tag. Der Kontakt ist persönlich – man kennt sich. «Sie sind glücklich, dass wir ihnen diesen Service bieten.» Viele schätzen auch die Parkplätze. Einzelne kommen aus den angrenzenden Gemeinden Bannwil oder Schwarzhäusern. Als 2009 Freiwillige gesucht wurden für die mobile Bank, da zögerte sie nicht lange. Der Fahrausweis für Lastwagen war zwar Voraussetzung. Den hatte sie damals natürlich nicht. Dafür aber den Abschluss als Kundenberater Stufe 2. Das bedeutet: Beratung in sämtlichen finanziellen Belangen. «Die Lastwagentheorie war eine echte Herausforderung. Für mich war es sehr ungewohnt, mich plötzlich mit Bremssystemen und Ladungen auseinanderzusetzen.» Die Fahrstunden dagegen konnte sie geniessen. «Zu Beginn musste der Fahrlehrer schon mal warnen, wenn ich die Breite oder die Höhe des Lastwagens etwas unterschätzte.» Am 19.März 2010 bestand sie die Fahrprüfung für Lastwagen. 17 mobile Bankstellen Seit dem 16.August 2010 öffnet sie die mobile Bank jeden Montag in Aarwangen. Am Dienstag fahren ihn ihre Kollegen nach Koppigen, am Mittwoch nach Wangen, am Donnerstag nach Wiedlisbach. Voraussichtlich ab Sommer wird er auch in Bützberg stehen. Zwei Frauen und zwei Männer betreuen die Oberaargauer Standorte. Eine dritte Frau lernt gerade Lastwagen fahren. So können sie sich gegenseitig vertreten. Keine Angst 17 mobile Bankstellen betreibt die BEKB zurzeit mit vier Fahrzeugen. Neben der Region Oberaargau-Emmental werden vor allem das Oberland, das Seeland und Teile des Kantons Solothurn angefahren. Franziska Käser gefällts: «Das ist eine Abwechslung. Familien kommen mit ihren Kindern das Kässeli leeren, andere holen Fremdwährungen für die Ferien, Geschäftsleute bringen ihre Einnahmen, und ich kann hier auch beraten.» Hat sie keine Angst vor einem Überfall? «Ich stehe ja direkt vor dem Polizeiposten», lacht sie. Zudem wird das Geschehen im Lastwagen per Videokamera überwacht und nach Bern übertragen. Das Bargeld sei gesichert wie in jeder andern Bankfiliale auch. Und rundum seien ja die Läden geöffnet. Einer davon ist der Dorfbeck Nyfeler. Auch er ist mobil. Dort startet Ramona Bögli täglich mit einem Verkaufswagen zu einer Znünitour. Sie versorgt die Mitarbeiter in mehreren Langenthaler und Bützberger Firmen. Zudem fährt sie auch mit Brot nach Bannwil und Graben. Bis nach Interlaken Pannen hatte Franziska Käser mit ihrem 9,5-Tönner noch nie. Auch unterwegs gabs keine Probleme. Ämtchen wie Lastwagen waschen, tanken oder Toilette leeren teilt sie sich mit ihren Kollegen. Die weiteste Fahrt führte sie bisher nach Interlaken vors Hotel Viktoria-Jungfrau, wo sie den Lastwagen dem BEKB-Verwaltungsrat präsentierte. Hatte sie nie Lust, weiter oder öfters zu fahren, sich mal unter den Brummis auf der Autobahn einzureihen? «Nein, das dann doch nicht», sagt sie entschieden. Aber vielleicht könne sie dieses spezielle Billett ja trotzdem mal anderweitig brauchen, zum Beispiel beim Zügeln. «Man weiss ja nie.»Robert Grogg>

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