Klassik

Eine grosse Kiste für den Kinderchor

KlassikDer Kinderchor der Musikschule Unteres Simmental Kandertal hat am Swiss Chamber Music Festival einen grossen Auftritt. Die 24 Kinder zeigen dabei keine Berührungsängste mit klassischer Musik.

Der Kinderchor der Musika probt im Pro Senectute Haus Reichenbach für den Auftritt am Swiss Chamber Music Festival.

Bruno Petroni

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«Der Starkult ist nicht unser Ding», sagt Christine Lüthi. «Stattdessen interessieren uns Begegnungen und Verbindungen in all ihren Formen und Facetten. Dabei ist die Musik als universelle Sprache ja das treibende Mittel.»

Lüthi ist künstlerische Leiterin des Swiss Music Chamber Festival (SCMF), das vom 13. bis 22. September im Kander- und Engstligtal stattfindet.

Den Festivalmachern sei es ein grosses Anliegen, Begegnungen zu schaffen zwischen Profis und Laien, zwischen älteren und jüngeren Generationen, zwischen Klassik und Volksmusik, hält Christine Lüthi fest.

Ein konkretes Projekt des anstehenden Festivals deckt gleich alles davon ab: Am 21. September tritt der Kinderchor der Musikschule Unteres Simmental Kandertal (Musika) gemeinsam mit dem Opalio Piano Trio auf, das in der diesjährigen Orpheus Swiss Chamber Music Competition mit dem 3. Preis ausgezeichnet wurde.

Die Kinder im Alter zwischen 3 und 10 Jahren singen dabei bekannte Volkslieder zu eigens arrangierter klassischer Begleitung.

Spass mit klassischer Musik

Dieses Konzept bewähre sich, sagt Ursina Humm, die gemeinsam mit der Sängerin und Stimmbildnerin Esther Feingold den Kinderchor leitet: «Für mich ist es extrem eindrücklich, wie die 24 Kinder auf die klassische Musik einsteigen.» Sie gingen richtiggehend darin auf und hätten Freude an den Liedern. «Das ist für mich überhaupt nicht selbstverständlich.»

Ursina Humm ist Leiterin des Kinderchorprojekts. Bild: PD

Als Thema des Konzerts und Brücke zum Abendprogramm hat sich die Musiklehrerin Johannes Brahms vorgenommen. «Ich habe seine Biografie kindergerecht aufgearbeitet und eine Geschichte mit Bezug zum Berner Oberland kreiert», schildert sie.

Aus der Luft gegriffen ist die Verbindung zwischen Brahms und der Region nicht: «Brahms war mehrere Sommer hier und komponierte meine liebste Violinsonate in Thun», sagt die ausgebildete Violinistin.

Für die Kinder sei nicht nur die Musik an und für sich, sondern auch die alte Sprache, in der Brahms seine Lieder geschrieben habe, Neuland. «Die Herausforderung ist, die Kinder zu fordern und zu fördern, ohne sie zu überfordern», resümiert Humm.

Ein Experiment

Die Arrangements sowohl zu den originalen Brahms-Kinderliedern wie auch zu allen anderen Stücken wie «Bunt sind schon die Wälder», «Mir Senne heis lustig» und natürlich dem Vogellisi-Lied stammen aus der Feder von Bruno Leuschner.

«Unser Anspruch war, etwas zu haben, das nicht allzu schwierig ist, damit es die Kinder nicht aus dem Konzept bringt, aber musikalisch doch etwas hergibt», erklärt Humm. Vor allem sollten nebst dem Klavier auch Violine und Cello zur Geltung kommen. «Das Ganze ist auch für das Opalio Trio ein Experiment», sagt sie.

Es ist nicht die erste Koperation zwischen dem SCMF und der Musika: Bereits letztes Jahr fand eine Zusammenarbeit statt, das diesjährige Projekt ist allerdings doch um einiges umfassender.

Am Tag vor dem grossen Auftritt in der reformierten Kirche Adelboden bestreitet der Kinderchor bereits ein Konzert in Wimmis – allerdings in Begleitung anderer Musikerinnen und Musiker.

Auch dort steht aber die Freude am Musizieren und die Verbindung, die Musik über Altersgrenzen hinweg schafft, im Vordergrund.

Erstellt: 11.09.2019, 06:43 Uhr

Das Swiss Chamber Music Festival

Das Swiss Chamber Music Festival wurde als Plattform für den Spitzennachwuchs der Schweizer Musikhochschulen ins Leben gerufen.

In Zusammenarbeit mit der Orpheus Swiss Chamber Music Competition treten jährlich die jeweils sechs bestplatzierten Kammermusikensembles am Festival auf. Dieses Jahr findet dieses zum neunten Mal statt.

Traditionellerweise sind am Festival nebst bekannten Werken auch Uraufführungen von Schweizer Musikschaffenden zu hören. Teil der zehntägigen Veranstaltung sind auch fünf Hörspaziergänge: Hier erhalten die Teilnehmenden vor den Konzerten die Gelegenheit, sich unter professioneller Anleitung auf das Konzert vorzubereiten.

Das biete die Gelegenheit, sich besser und tiefer auf die Musik einzulassen, sagt Christine Lüthi, künstlerische Leiterin des Festivals. «Wir möchten Zugänge schaffen, die einen die klassische Musik und den klassischen Musikbetrieb anders und neu erfahren lassen», fasst sie zusammen.

Die Konzerte finden zwischen dem 13. und 22. September in den reformierten Kirchen Adelboden, Frutigen und Kandersteg statt sowie in der alten Zündholzfabrik in Frutigen.

Nebst den Hörspaziergängen gehören auch diverse öffentliche Workshops und die Musik für Kinder zum Rahmenprogramm. (nik)

swisschambermusicfestival.ch

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