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Eine Win-win-Situation mit klaren Verlierern

HaslibergDer Entscheid des Kantons, in Hasliberg 190 Asylanten unterzubringen, stösst bei der betroffenen Bevölkerung auf grossen Unmut.

Die Gemeinde Meiringen und der Kanton Bern haben sich mit der Schliessung des in die Schlagzeilen geratenen Übergangszentrums Casa Alpina auf dem Brünigpass eine Win-win-Situation geschaffen – auf Kosten der Gemeinde Hasliberg (siehe gestrige Ausgabe und Kasten unten). Katrin Nägeli-Lüthi als Präsidentin der betroffenen Gemeinde Hasliberg wurde von der Militär- und Polizeidirektion am Mittwochnachmittag darüber orientiert, dass der Regierungsrat die Unterbringung von 190 abgewiesenen Asylanten im Tschorren oberhalb von Hasliberg-Hohfluh beschlossen hatte: «Wir sind frustriert und verärgert über die Machenschaften des Kantons, der so etwas einfach anordnet, ohne sich mindestens vorher mit uns an den Tisch zu setzen. Wir wurden einfach vor nackte Tatsachen gestellt und haben das zu akzeptieren, basta», regt sich Nägeli-Lüthi auf. Die Gemeinderatspräsidentin: «So etwas ist eine Frage des Anstands – das gibt mir schon schwer zu denken.» Sie glaubt auch nicht daran, dass die Asylbewerber nur während eines halben Jahres im Tschorren bleiben werden. «Und 190 Asylanten, das sind dreimal so viele wie momentan auf dem Brünigpass. Und mit was für Problemen man sich dort schon herumschlagen muss, haben wir ja deutlich genug gesehen.» Nägeli-Lüthi gibt auch zu bedenken, dass ein beliebter Wander- und Bikeweg direkt vor den Bundesgebäuden im Tschuggen vorbeiführt: «Dass dort den Weg entlang jetzt gelangweilte Männer herumhängen, wird sich sehr schnell herumsprechen. Wenn wir als touristisch abhängige Gemeinde beim Kanton ein Gesuch für ein tourismusförderndes Projekt vorlegen, blockiert man uns. Und jetzt auch noch dies.» Jedenfalls werde das Thema an der Gemeinderatssitzung vom kommenden Mittwoch noch ausführlich debattiert. «Besser abschliessen» Heinz Neiger ist gebürtiger Hasliberger und hat seinen Landwirtschaftsbetrieb in der Nähe des Tschorren im sogenannten Sattel liegen. Er bezweifelt stark, «dass die Situation hier mit dreimal mehr Insassen nicht einiges schlimmer werden soll, als sie es schon auf dem Brünigpass drüben ist». Neiger fühlt sich als Bürger von Bund und Kanton, aber auch Meiringen betrogen: «Uns wurde mal gesagt, die Asylanten würden ins Ausland gehen.» Das Gegenteil sei der Fall: «Jetzt werden sie sogar von Meiringen zu uns abgestossen.» Die kantonale Argumentation, die Unterbringung sei auf maximal ein Jahr befristet, hält Neiger für ein «Märchen». Der besorgte Bauer ist überzeugt: «Künftig werden wir unsere Sachen wesentlich besser abschliessen müssen.» Ein weiterer «Nachbar» der Militärunterkunft Tschorren ist der zeitlebens im Staldi wohnende Jäger und Pensionär Hans Anderegg: «Schon jetzt schleichen die Asylanten zu Unzeiten hier herum, und dies vom Brünig her. Unlängst haben sie das Auto meiner Frau aufgebrochen und Bargeld gestohlen.» Auch Anderegg ist überzeugt, dass der Kanton mit der maximalen Aufenthaltsfrist von einem halben Jahr der Bevölkerung einen Bären aufbindet: «Die führen uns nur an der Nase herum.» Antwort vom Regierungsrat Haslibergs Gemeindeschreiber Menk Blatter äusserte sich am Donnerstagabend in der TV-Sendung «Schweiz Aktuell» zum Entscheid des Kantons. Gestern Freitag flatterte ihm ein E-Mail von Regierungsrat Hans-Jürg Käser höchstpersönlich ins Haus: «Wenn Sie, Herr Blatter im SF sagen, es sei komisch, dass ausgerechnet Hasliberg für ein Bundeszentrum ausgesucht worden sei» Doch der Gemeindeschreiber berichtigt: «Das habe ich so nicht gesagt, sondern es sei enttäuschend, dass nur einen Kilometer weiter ein neuer Standort gesucht worden sei, wir also offenbar die Einzigen im Kanton seien, die geeignete Lokalitäten für Asylbewerber hätten.» Bruno Petroni>

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