«Bschütti» kann man bei Hadorns auch auf Französisch

Leimiswil

Für Hadorns Gülletechnik ist das Welschland ein wichtiger Absatzmarkt. Kein Wunder, pocht Firmeninhaber und SVP-Grossrat Christian Hadorn darauf, dass Teile der Belegschaft Französisch sprechen. Überhaupt verficht er das Welsche.

Einen grossen Kundenkreis im französischen Sprachraum hat die Leimiswiler Firma Hadorns Gülletechnik. Deshalb ist Unternehmer und SVP-Grossrat Christian Hadorn (links) froh, wenn einige seiner Mitarbeitenden der Fremdsprache mächtig sind.

Einen grossen Kundenkreis im französischen Sprachraum hat die Leimiswiler Firma Hadorns Gülletechnik. Deshalb ist Unternehmer und SVP-Grossrat Christian Hadorn (links) froh, wenn einige seiner Mitarbeitenden der Fremdsprache mächtig sind.

(Bild: Thomas Peter)

Patrick Jordi@jordipatrick

Einen grösseren Freund des Französischen muss man im Oberaargau zuerst suchen: SVP-Grossrat und Unternehmer Christian Hadorn (59) betont nur zu gern, wie nützlich die Fremdsprache in Alltag und Beruf sein kann. Er muss es wissen. Hadorns Gülletechnik – seine Leimiswiler Firma – verkauft auch Maschinen ins Welschland, wo sie mitunter gewartet werden müssen.

Sprich: Monteure von Hadorns fahren regelmässig in die Romandie, um französischsprachige Kundschaft zu bedienen. Dass es dabei nicht schaden kann, ein paar Brocken «Franz» zu können, liegt auf der Hand. Ganz zu schweigen von Hadorns Büroangestellten, die in telefonischem Kontakt mit der welschen Käuferschaft stehen.

Hadorn im Welschlandjahr

Diesen Einblick in den Berufsalltag bei Hadorns gewährte der SVP-Grossrat kürzlich an einem von ihm mitorganisierten Anlass, der in Langenthal unter dem markigen Titel «Französisch – Trumpf oder Misere» über die Bühne ging. «Ich selber rede täglich Französisch», sagte Hadorn bei der Gelegenheit. Der 59-Jährige ist Vorstandsmitglied des Vereins Bern Bilingue, eine Organisation, die sich für den Fortbestand des zweisprachigen Kantons Bern einsetzt.

Hadorn brach an dem Anlass einmal mehr eine Lanze für die französische Sprache. Er erzählte von seinem Welschlandjahr, das er – gerade erst der Schule entwachsen – in Denens VD auf einem Landwirtschaftsbetrieb verbracht hatte. «Unheimlich nützlich und lehrreich» sei dieses Jahr gewesen, betonte Hadorn in seiner gewohnt lockeren Art. Gleichzeitig räumte er aber ein, dass es als Jüngling in der Ferne nicht immer einfach gewesen sei. «Auch Tränen sind damals geflossen», sagte Hadron. «Im Nachhinein hat es sich aber mehrfach gelohnt.» Im Waadtland habe er nämlich den Grundstein für seine Firma gelegt.

Befruchtender Austausch

Die Botschaft vom erfolgversprechenden Welschlandaufenthalt vermittelte an der Veranstaltung im Schulzentrum Kreuzfeld nebst Hadorn auch Thomas Raaflaub, Austauschverantwortlicher des Kantons Bern. Konkret stellte er das Projekt «deux langues – ein Ziel» vor, bei welchem Schülerinnen und Schüler aus dem Kanton Bern für einige Tage im französischsprachigen Teil des Wallis zur Schule gehen und bei einer Gastfamilie wohnen. Umgekehrt drücken Walliser Jugendliche für eine halbe Woche im Kanton Bern die Schulbank.

Raaflaub sagte, dass dieser befruchtende Schüleraustausch auch für Langenthaler Schulklassen zur Selbstverständlichkeit werden sollte. Gemacht worden sei das Angebot insbesondere für Fünft- bis Siebtklässler.

Sprachkurs kam schlecht an

Je jünger die Schüler, desto grösser die Motivation, Französisch zu lernen. Diese Erkenntnis konnten unter anderen die Lehrkräfte, die im Publikum zugegen waren, mit nach Hause nehmen. Christian Hadorn sagte, dass es sehr schwierig sei, jemanden über dreissig zum Lernen einer Fremdsprache zu ermuntern. Er habe einmal die Idee gehabt, in seinem Betrieb einen Französischkurs durchzuführen. «Das kam nicht so gut an», gestand der Unternehmer. Was seine Mitarbeitenden betreffe, sei es ein «learning by doing». Auch ein Monteur, der kaum ein Wort Französisch spreche, gehe ins Welschland auf Kundenbesuch. Dieser kehre dann oftmals mit den besten Erfahrungen aus der Romandie zurück.

Er selbst könne im Übrigen besser sprechen als schreiben, sagte Hadorn. «Obschon: Einen Text auf Französisch kriege ich schon auf die Reihe – wenn noch jemand drüberschaut.» Wirklich wichtig sei doch aber das Reden.

Schüler mögen Englisch lieber

Genau das würden auch Neuntklässler gerne vermehrt praktizieren. Eine Auswahl Jugendlicher berichtete an dem Anlass vom Französischunterricht, der in der Oberstufe sehr theorielastig sei. Englisch sei für sie tendenziell die gängigere Fremdsprache. Weitere Widerstände und Grenzen im Zusammenhang mit dem Französischen wurden aufgezeigt. So kristallisierte sich im Verlauf der Veranstaltung heraus, dass es im Berufsalltag wohl ziemlich stark davon abhängt, wo und für wen man arbeitet. Bei Hadorns Gülletechnik mag Französisch hoch im Kurs stehen. Bei anderen Oberaargauer Firmen tut es das alleine schon aufgrund einer anderen Geschäftsausrichtung nicht.

Übrigens: Bschütti oder Gülle heisst auf Französisch lisier.

Berner Zeitung

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