Damit es die Bienen leichter haben

Weier

Werden Uferhecken kahlgeschnitten, erschwert das den Bienen im Frühjahr die Pollensuche. Eine Arbeitsgruppe will nun Hecken bienenattraktiv aufwerten. Am Samstag halfen Naturfreunde beim sorgfältigen Schneiden der Sträucher.

Ast um Ast wird gekappt: Mitglieder des Vereins Trachselwalder Bienenfreunde und andere Helfer  schneiden unter fachkundiger Leitung Hecken in Weier hinter dem Tannenbad.

Ast um Ast wird gekappt: Mitglieder des Vereins Trachselwalder Bienenfreunde und andere Helfer schneiden unter fachkundiger Leitung Hecken in Weier hinter dem Tannenbad.

(Bild: Olaf Nörrenberg)

Tatort: Bachufer im Tannenbadgraben, Weier. Ein munteres Bächlein schlängelt sich durch beidseitig wuchernde Hecken, deren Äste in die Strasse hinausragen und den Asphalt mit einem Blätterteppich zudecken. «Da ist dringend ein Schnitt fällig», sagt Gemeinderat Heinz Jenni, der die Schwellenkommission der Gemeinde Sumiswald vertritt.

Überhängende Äste und Laub würden den Verkehr gefährden. Auch stören sie Bauern beim Grasen und führen wegen Schattenwurf zu Mindererträgen. Und die Fischer haben nicht gern, wenn Bäche total zugewachsen sind. Man ist sich also einig: Die Uferhecke muss gestutzt werden.

«Bitte kein Kahlschlag»

Genau da kommt Rita Jakob, seit 20 Jahren Bienenberaterin, Korberin, Arbeitsagogin und Schützerin der Wildbienen, auf den Plan. «Der Zeitpunkt ist richtig. Kurz vor der Weidenblüte im Frühjahr zu schneiden, wäre dagegen eine Katastrophe», sagt sie. Wichtig sei, dass nicht schwere Geräte eingesetzt werden, damit die Büsche nicht zur kargen Mauer verunstaltet werden.

Die Uferhecke im Tannenbadgraben setzt sich aus Schneeball, Hartriegel, Geissblatt, Pfaffenhütchen, verschiedenen Weiden, Schwarzdorn und Hasel zusammen – eine ideale Komposition für Wildtiere. Sie beherbergt Insekten, Vögel und Kleinsäuger und trägt mit ihrem Schatten dazu bei, dass Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt des Bachs beständig bleiben. Das freut viele Kleinstlebewesen und Fische. Hinzu kommt, dass einige Büsche schon im Februar blühen, wenn die Bienen erstmals auf Pollensuche gehen. «Darum bitte kein Kahlschlag», mahnt Naturschützerin Rita Jakob, «sonst sind alle Vorteile dahin.»

«Aber Ast um Ast zu kappen oder abzusägen, bedeutet Mehrarbeit, woher Geld und Personal nehmen», gibt Gemeinderat Jenni zu bedenken. Die Gemeinde Sumiswald habe nicht nur ein riesiges Strassennetz, sondern 250 Kilometer Fliessgewässer, also zahlreiche Ufer, die unterhalten werden müssen. Darauf wussten Rita Jakob und ihr Mann Christoph Rat. Sie baten Fischer, Bienenzüchter, Vogelschützer und Naturfreunde um Mithilfe.

So kamen am Samstag elf Erwachsene und zwei Kinder zum Arbeitsplatz in Weier. Etwa ebenso viele gingen nach Huttwil. Binnen einer Stunde war die Arbeit getan. Und Rita Jakob freute sich über den Berg von Geäst, aus dem sie mit ihren Grosskindern «Wedele» binden wird.

Handeln statt jammern

Jakobs haben mit der Arbeitsgruppe «Synergia-Weidengarten» – ihr Weidenpark mit 23 verschiedenen Weidenarten steht in Huttwil – die Gruppe «Uferhecken» gegründet. Sie wollen künftig Landbesitzer und Gemeinden für den Heckenschutz sensibilisieren und Naturfreunde um Mitarbeit bitten. Sie beginnen in der Region, nach und nach soll sich die Kampagne auf den ganzen Kanton, später sogar auf das ganze Land ausdehnen.

«Meist ist es nicht böse Absicht, sondern Unkenntnis oder Zeit- und Geldmangel, die zur falschen Bachuferpflege führen», ist Rita Jakob überzeugt. Diesem Übel, meint sie, sei abzuhelfen.

www.weidengarten.ch

Berner Zeitung

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