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«Das Leben ist mein Instrument»

Müslüm: Sein Glaube habe Einfluss auf seine Musik, sagt Semih Yavsaner alias Müslüm im Interview mit Schülern der Oberstufe Herzogenbuchsee. Denn er glaube an die Kunst, so der Kultmusiker.

Backstage mit Schülern: Müslüm (Mitte) empfängt Furkan Bütün, Rafael Steiger, Joel Ramseier und Dana Baumberger (von links) vor einem Konzert in der Mühle Hunziken.
Backstage mit Schülern: Müslüm (Mitte) empfängt Furkan Bütün, Rafael Steiger, Joel Ramseier und Dana Baumberger (von links) vor einem Konzert in der Mühle Hunziken.

Müslüms Art gefällt der Klasse 2A der Sekundarschule Herzogenbuchsee. Umso cooler war es für eine Gruppe von vier Schülern, den Musiker auf der Redaktion der Berner Zeitung persönlich zu treffen und ein Interview mit ihm zu führen. Semih Yavsaner, wie der 35-Jährige im echten Leben heisst, nahm sich über eine Stunde Zeit, die Fragen zu beantworten – und lud die Interviewer zu seinem Konzert in der Mühle Hunziken in Rubigen ein. Dort gab es Gelegenheit, Bilder zu machen.

Semih Yavsaner, was war Ihr Traumberuf als Schüler?

Ich wollte immer Fussballer werden. Mein Cousin Gürkan Sermeter spielte bei YB, mein Bruder ist Basketballprofi geworden. Und ich, ich war lange «nichts», bis ich dann etwas geworden bin.

Hatten Sie als Kind Integrationsschwierigkeiten?

Integration ist meist automatisch etwas Negatives. Dabei ist die ganze Geschichte eigentlich einfach: Man muss sich gar nicht überlegen, ob man integriert ist oder nicht. Man muss einfach mit dem leben, was hier ist.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit?

Ich war in der Primarschule. Ich finde, die Schule ist extrem wichtig. Aber in meinem Fall war es schwierig. Ich hatte ein bisschen einen «Egge» ab, und diesen konnte mir die Schule auch nicht zurückgeben. Ich hatte das Gefühl, dass ich bei all dem, was ich freisetzen wollte, gebremst werde. Ich finde, dass wir werden sollten, was wir in uns haben. Schule hat auch nichts mit Intelligenz zu tun. Intelligenz ist für mich Fantasie, Intuition, Kreativität, Räumlichkeit. Was bringt dir ein Diplom, wenn du nicht Mensch bist?

Das Cover Ihres neuen Albums «Apochalüpt» ist dunkler als das von «Süpervitamin». Hat das einen Grund?

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir beides in uns haben: das «Süpervitamin» und auch den «Apochalüpten».Wir haben den Mörder in uns, wir haben den, der alles liebt, in uns, wir haben den Vater in uns, wir haben alles in uns. Es braucht beides im Leben, man kann nicht einfach super sein, und alles ist gut (lacht ironisch). Es braucht auch das andere. Und das andere muss man auch freisetzen.

Hat Ihr Glaube Einfluss auf Ihre Musik?

Ja, denn ich glaube an die Kunst! Werden Sie einmal Musik in türkischer Sprache veröffentlichen? Eher nicht. In der Türkei verkauft man kaum eine CD, da wird alles heruntergeladen. Du musst auch irgendwie überleben können, irgendwie musst du das alles finanzieren können. Deutschland und Österreich sind im Moment interessanter für uns. Sie machten früher Telefonscherze, später den «Erich»-Song und dann Alben. War das geplant? Nichts war geplant. Kunst ist nicht planbar, genauso wenig wie die Liebe.

Wie entstehen die Müslüm-Songs?

Das ist ganz unterschiedlich und nicht planbar. Auf «Samichlaus» bin ich zum Beispiel gekommen, als ich mit dem Velo vor dem Denner durchfuhr. Melodie und Gefühl sind immer höher als das Wort. Wenn ich einmal eine Melodie habe, verbringe ich Monate damit, die Musik mit Text auszufüllen.

Gab es Startschwierigkeiten bei Ihrer Karriere?

Es gibt eigentlich immer noch Schwierigkeiten. Die Medien spielen meine Lieder nicht, wie ich mir das vorstelle. «Süpervitamin» hatte 3,7 Millionen Klicks auf Youtube und ist nur etwa 30-mal im Radio gekommen. Aber ich weiss: Kunst lebt weiter, nur das Kapital stirbt.

Spielen Sie eigentlich ein Instrument?

Das Leben ist mein Instrument. Ich habe kein Musikinstrument gelernt. Ich denke, dass man die Kräfte, die man in sich trägt, freisetzen sollte statt vielleicht in eine Schule oder in eine Universität zu treten und dann zu denken, dass die einem zeigen, wie das Leben ist.

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