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Das Nein zum Naturpark «tut weh»

Habkern hat den geplanten Naturpark Thunersee-Hohgant gebodigt. Davon betroffen sind auch Röthenbach und Schangnau. Hier ist man enttäuscht über diese «verpasste Chance» – und fragt sich, wie es weitergehen soll.

Schon im Vorfeld hatten die Befürworter in Habkern Drohungen erhalten – «Hütet euch, Ja zu sagen, sonst könnte plötzlich einer fehlen» –, und während der Gemeindeversammlung wurden sie mit hämischem Gelächter und Zwischenrufen eingedeckt. Die Stimmung heizte sich derart auf, dass sogar die Polizei aufgeboten wurde. Und das Schlussresultat war mehr als deutlich: 229 Nein gegen 93 Ja.

Ganz anders verlief letzten November die Gemeindeversammlung in Röthenbach: Die Bürger hörten sich an der Gemeindeversammlung ruhig die Argumente des Gemeinderats an. Die Diskussion war sachlich, und am Schluss siegten die Befürworter mit 59 Ja gegen 6 Nein.

Wenig solidarisch

Auch wenn man es nicht meinen könnte – beide Gemeinden stimmten über das gleiche Geschäft ab: den Beitritt zum Regionalen Naturpark Thunersee-Hohgant. Dieser ist nach Habkerns Nein gestorben, jedenfalls in der ursprünglich geplanten Form. Entsprechend gross ist die Enttäuschung bei jenen 16 Gemeinden, die gerne dabei gewesen wären. «Der Park», sagt etwa Röthenbachs Gemeindepräsident Ruedi Megert, «wäre eine Chance für eine Region gewesen, die wirtschaftlich nicht nur auf der Sonnenseite steht.» Er hat Verständnis für den Unmut der Bauern, «die in ihrem Alltag immer mehr Auflagen erfüllen müssen». Dass sie ihn nun aber ausgerechnet so ausliessen und dieses Projekt bodigten, sei schade. Dass Habkern und Sigriswil, welches schon vorher Nein gesagt hatte, wenig Solidarität mit den anderen Gemeinden zeigten, stimme ihn ebenfalls nachdenklich. «Mit all dem wäre aber noch zu leben.» Unakzeptabel sei dagegen die unflätige Art und Weise, wie der Entscheid offenbar zustande kam. «Das löscht mir ab.»

«Das versteht niemand»

Neben Röthenbach stimmte mit Schangnau auch eine zweite Emmentaler Gemeinde für den Beitritt zum Regionalen Naturpark. Hier war Gemeindepräsident Ernst Aegerter anfänglich alles andere als ein Fan des Projekts. Je mehr er darüber wusste, desto mehr sah er darin einen Sinn. «Der Naturpark befreit die einzelnen Gemeinden und Betriebe nicht davon, etwas zu tun.» Aber er sei der gemeinsame Vermarktungsrahmen, und überdies hätte der Kanton Projekte finanziell unterstützt. «In Bern wird vermutlich niemand verstehen, warum man dieses Geld nicht will.»

Erfolgreicher Start

In Schangnau sind unter dem Label «Naturpark» bereits mehrere Projekte angelaufen, etwa die Kennenlernroute in Richtung Zulgtal, das Mehrtagesangebot «Bewegen&relaxen am Emme-Ursprung» oder die letztjährige Heu-Ausstellung beim Hotel Kemmeriboden-Bad. Diese sei punkto Besucherzahlen und Medienecho «ein grosser Erfolg» gewesen, berichtet Heiner Invernizzi, Seniorchef des Hotels. Eine Rolle spielte der Naturpark auch beim geplanten Bau des Kemmeriboden-Ladens: Hier sollen dereinst allerlei Produkte aus dem Entlebuch, dem Emmental und dem Oberland verkauft werden. Das Nein zum Naturpark bringe das Bauprojekt nicht in Gefahr, erklärt Invernizzi, aber im Marketing falle eine Hilfe weg.

Abgespeckte Variante?

Wie soll es nach dem Nein weitergehen? «Vermutlich wird der Kanton nicht mehr so schnell ein Projekt aus der Region Thunersee-Hohgant unterstützen. Das tut weh», sagt Heiner Invernizzi – und fragt sich: «Was hat eine Gemeinde wie Habkern denn noch ohne den Tourismus?» Nein, dieser Entscheid will ihm nicht in den Kopf. Ernst Aegerter betrachtet den Naturpark Thunersee-Hohgant als sistiert, aber noch nicht als gestorben. «Wir werden nun mit der Projektleitung zusammensitzen und schauen, was man aus der neuen Situation machen könnte.» Eine abgespeckte Variante zum Beispiel.

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