Der «Löwen» ist immer noch im Dornröschenschlaf

Oberburg

Seit gut drei Jahren ist im Restaurant Löwen Oberburg nichts los. Noch hat die aktuelle Besitzerin Catherine Heng keinen Käufer gefunden. Momentan interessiert sich ein Burgdorfer Gastronom für das stattliche Gebäude mitten im Dorf.

Im «Löwen» an der Oberburger Kreuzung tut sich seit gut drei Jahren gar nichts.

Im «Löwen» an der Oberburger Kreuzung tut sich seit gut drei Jahren gar nichts.

(Bild: Thomas Peter)

Noch immer herrscht rund um den «Löwen» Oberburg gespenstische Ruhe. 2010 hat Besitzerin Catherine Heng das Haus Richtung Zürich verlassen. Inzwischen macht die Immobilie einen etwas ungepflegten Eindruck. Verdorrte Pflanzen in den Kübeln vor dem Eingang bieten ein trauriges Bild. Seit mehr als drei Jahren hat kein Gast mehr das stattliche Traditionshaus betreten. Wer es heute betritt, möchte

die Immobilie kaufen. Doch bislang hätten sich alle Bewerber wieder zurückgezogen, sagt der für den Verkauf zuständige Immobilienhändler Peter Bauer. Zwanzig von insgesamt vierzig Interessenten hätten in den letzten drei Jahren den «Löwen» besichtigt. Zu verbindlichen Verhandlungen ist es bislang nicht gekommen. Kein Wunder angesichts der Tatsache, dass die Banken für einen Gastrobetrieb mittlerweile 50 Prozent Eigenkapital verlangen, wie Baumer bewusst macht. Bei einem Kaufpreis von 1,5 Millionen Franken schlägt dies einigermassen zu Buche.

Viele Wechsel

Angefangen hat die schier unendliche Geschichte des «Löwen» im Sommer 1998, als der langjährige Pächter Willi Fuhrer aufhörte. In der Folge gaben sich Wirt um Wirt die Klinke in die Hand. Nachdem Pächter und Gastrosanierer Peter Bosshard das Inventar mitgehen liess, kam der geschichtsträchtige Gastrobetrieb aus der Jahrhundertwende vor zwölf Jahren unter den Hammer. Für 1,5 Millionen Franken erhielt die Dezennium Finanz AG den Zuschlag. Die betreibungsamtliche Schätzung hatte bei 2,2 Millionen Franken gelegen.

Zu hoher Preis

Ein Jahr später gelangte das Haus in den Besitz von Catherine Heng. Die damals 35-jährige Frau mit kambodschanischen Wurzeln aus dem aargauischen Neuenhof wollte aus dem Gasthof teilweise ein asiatisches Restaurant machen. Bis zum Antrinket sollte es allerdings noch weitere vier Jahre dauern. Für die lange Dauer machte Heng familiäre Gründe geltend. Zudem sei es kaum möglich, eine Arbeitsbewilligung für gute asiatische Köche zu bekommen, argumentiert sie noch heute. So war denn die Freude am stattlichen Gasthaus, welches die Gastronomin in eine prosperierende Zukunft führen wollte, nur von kurzer Dauer. Zur Zeit der Übernahme besass Heng in Zürich weitere Gastrobetriebe, die sie inzwischen verkauft hat.

«Messiehaft»

Nur vier Jahren nach dem Antrinket versuchte sie den «Löwen» wegen Personalproblemen wieder zu verkaufen. Das entpuppte sich als schwieriges Unterfangen.

Auch ein Gastronom aus der Emmestadt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat sich kürzlich die imposante Immobilie mit den insgesamt über dreihundert Innensitzplätzen und den Gästezimmern angesehen. Als «messiehaft» bezeichnete er den momentanen Zustand des Lokals. Angefangene Flaschen, halbvolle Tiefkühltruhen und vieles mehr habe er angetroffen. Schon allein für die Räumung müsste viel Geld in die Hand genommen werden, vermutet der Unternehmer. Unter anderem bemängelt er das undichte Dach. Vor diesem Hintergrund möchte der Burgdorfer nur etwa ein Drittel des geforderten Preises zahlen, wie Bauer auf Nachfrage bestätigt.

Noch weiss Heng, die schwer erreichbar ist, nichts von dieser Offerte. Eines ist für sie allerdings klar: Unter Wert verkaufe sie den «Löwen» nicht. «Heute kosten nicht wenige Einfamilienhäuser bereits mehr als eine Million Franken», sagt sie. Eine moderate Preisreduktion hingegen sei durchaus vorstellbar.

Berner Zeitung

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