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Dienst mit Defibrillatoren ist umstritten

Bei Herznotfällen rückt die Feuerwehr Huttwil bald mit Defibrillatoren aus. Doch das neue Modell wird teilweise harsch kritisiert.

Defibrillator: Im Kanton Solothurn sollen Feuerwehren auch bei Herznotfällen zum Einsatz kommen.
Defibrillator: Im Kanton Solothurn sollen Feuerwehren auch bei Herznotfällen zum Einsatz kommen.
Fred Struchen

Die Aufgaben der Feuerwehren sind vielfältig: Sie löschen Brände, rücken aus bei Überschwemmungen und retten manchmal sogar Katzen von Bäumen. Ab Oktober kommt für die Feuerwehr Huttwil eine neue Aufgabe hinzu: Die Männer sollen auch bei Herznotfällen ausrücken und mit dem Defibrillator Leben retten. Gemeinsam mit der Spital Region Oberaargau (SRO) AG will Huttwil einen nächtlichen Pikettdienst auf die Beine stellen. Der Grund: Ab Oktober fährt die Ambulanz beim früheren Akutspital Huttwil nur noch am Tag aus, in der Nacht bleibt das Fahrzeug in der Garage (wir berichteten). Die Feuerwehren überbrücken dabei die Zeit, bis die Ambulanz vom Spital Langenthal vor Ort ist. Wie das Modell für Huttwil, Eriswil und Wyssachen im Detail aussehen soll, ist aber noch nicht klar. Kanton bleibt schwammigTrotzdem zeigt sich Huttwils Feuerwehrkommandant Christian Bärtschi bereits skeptisch. «Ich habe gemischte Gefühle», sagt er. Machbar sei ein solcher Dienst sicher. Nicht gut findet er aber, dass nun Laien die Aufgabe von Profis übernehmen sollen. Zudem befürchtet er, dass die Feuerwehr bald «wegen jedem Chabis» ausrücken muss. Nicht klar ist zudem, wer die Kosten übernimmt. Die Krankenkasse bezahlt die Einsätze der Ambulanz, diejenigen der Feuerwehr müssen die Gemeinden vermutlich selber berappen. Noch gibt es im Kanton Bern kaum Vergleichsmöglichkeiten, bisher kennen erst die Stadtberner und die Frutiger Feuerwehren einen Dienst mit Defibrillator. Doch das könnte sich bald ändern: Ende 2008 hat der Grosse Rat ein Postulat von Thomas Fuchs (SVP) angenommen. Der Grossrat verlangt, im Kanton Bern sei ein Erstversorgersystem mit Defibrillatoren aufzubauen. Wie die Regierung in ihrer Antwort schreibt, möchte sie nun ein «Defibrillatorenkataster» erstellen, das zeigen soll, wo solche Dienste sinnvoll sind. Darüber hinaus bleibt die Antwort aber schwammig: Die Finanzierung und die rechtlichen Grundlagen seien erst noch zu prüfen. Kritik aus SolothurnMehr Erfahrung hat der Kanton Solothurn. Bereits im Jahr 2000 haben Olten und umliegende Gemeinden einen Defibrillatordienst für Feuerwehren eingeführt. Heute machen kantonsweit fünfzig Gemeinden und knapp vierzig Feuerwehren mit.Gemäss Paul Haus, dem kantonalen Feuerwehrinspektor, kann sich die Erfolgsquote sehen lassen: In den letzten fünf Jahren haben die Feuerwehren bei zehn Herznotfällen Leben gerettet. «Medizinisch ist der Dienst unbestritten», sagt Haus. Trotzdem ist er nicht ganz glücklich: «Der Dienst ist eigentlich überhaupt nicht Aufgabe der Feuerwehr.» Es gehe nicht an, den Rettungsdienst immer mehr abzubauen und dafür die Milizorganisationen zu belasten. «Ein hoch gestecktes Ziel»Dass Huttwil bereits im Oktober einen solchen Dienst anbieten will, bezeichnet Inspektor Haus als «hoch gestecktes Ziel». Und wenn alle am gleichen Strick ziehen würden, sei dies sicher auch machbar. Doch Haus warnt: Am Anfang sei die Euphorie vielleicht noch gross, «aber in fünf Jahren kann alles anders aussehen».

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