Dieser Kiosk ist für den SCL Gold wert

Langenthal

Die 70-Jährige Madeleine Nyffenegger verkauft so viele SCL-Playofftickets wie niemand anders. Ihre Arbeit erledigt die Langenthalerin kostenlos.

Kioskfrau Madeleine Nyffenegger (70) hängt die Konkurrenz locker ab. Niemand verkauft mehr Tickets für die Heimspiele des SC Langenthal als die rüstige Seniorin. Das Einkaufszentrum Manor, der Stadtladen und alle weiteren Vorverkaufsstellen haben keine Chance. Bis zu 200 Billette wandern am Schoren-Kiosk über die Theke – für jedes Playoff-Spiel. Die meisten werden von Stammkunden mitgenommen, die seit Jahren beim rustikalen Holzhäuschen an der Dorfgasse vorbeischauen. «Mein Kiosk hat Tradition. Er gehört zum Quartier und wird von der älteren Generation sehr geschätzt», sagt Nyffenegger.

Kaum Zusatzverkäufe

Ein lukratives Geschäft ist der Kartenverkauf gewiss nicht. Madeleine Nyffenegger macht diesen Job aus Leidenschaft, weil sie den SC Langenthal unterstützen will. Von den 25 Franken, die jedes Stehplatzticket einbringt, bleibt kein einziger in ihrer Kasse. Der gesamte Erlös kommt dem SC Langenthal zugute. Auch sonst profitiert die Mutter von zwei erwachsenen Kindern nicht gross. Früher nahmen viele Kunde zum Matchticket ein Päckli Zigaretten oder etwas Süsses mit. «Heute machen das nur noch ganz wenige. Die Leute wollen sich gesund ernähren und rauchen deutlich weniger», sagt Nyffenegger.

Zu ihren Stammkunden zählt der Langenthaler Hans Läderach (60). In jungen Jahren spielte er selbst beim SCL, heute gehe er nur noch sporadisch in den Schoren. Wenn er gerade Lust auf ein Spiel habe, wie er sagt. «Mein Ticket kaufe ich immer am Schoren-Kiosk. Ich schätze den persönlichen Kontakt hier. Das ist viel besser als ein anonymer Ticketcorner im Internet.»

Treffpunkt, Plauderecke, Verkaufsstelle. Der Schoren-Kiosk erfüllt manchen Zweck. Eine Goldgrube ist er allerdings nicht. «Meine Arbeit ist eher ein Hobby. Leben kann ich davon nicht», sagt die Kioskfrau. Von Dienstag bis Sonntag hat sie täglich geöffnet. Über 50 Stunden steht sie jede Woche hinter der Theke, zur Not kommt Tochter Beatrice Marti (45) zu Hilfe.

Madeleine Nyffenegger ist in Langenthal fest verwurzelt – und darüber staunt sie manchmal selbst ein bisschen. Eigentlich wollte die gebürtige Flamatterin (Kanton Freiburg) in Langenthal nur «eine Stippvisite» machen, wie sie sagt. Als junge Frau kam sie eher zufällig hierhin, fand eine Stelle bei einem Elektrogeschäft und lernte ihren Ehemann Willy Nyffenegger kennen. Dessen Mutter Klara Nyffenegger hatte den Schoren-Kiosk im Jahr 1963 gegründet und bis zu ihrem Tod im Jahr 1989 ohne Unterbruch geführt. «Sie war ein Unikum und ein riesiger SCL-Fan», erinnert sich Madeleine Nyffenegger.

Kaum hat sie diese Worte gesagt, kommt eine ältere Dame mit ihrem Hund über das vereiste Trottoir. Madeleine Nyffenegger reicht ihr zwei Päckli Zigaretten durch die offene Schiebetür. Für den Hund gibts gratis ein «Gudeli» dazu. Kleine Geschenke verteilt die Kioskfrau auch den Kindern, die mit ihren Müttern vorbeikommen. Für sie gibts einen «Gummifrosch» – und für den Postboten, der am Vormittag im Schoren die Runde macht, einen dampfenden Kaffee. Einfach so. «Andere Leute machen dem Briefträger am Jahresende ein Geschenk. Ich bedanke mich auf diese Weise», sagt Nyffenegger.

Stolz auf Sven Bärtschi

Zu ihren Stammkunden zählten früher auch die Spieler des SC Langenthal. Man kannte sich, weil die meisten im Quartier wohnten. «Heute werden Spieler aus der ganzen Schweiz verpflichtet, das ist nicht mehr dasselbe», sagt Nyffenegger ein bisschen wehmütig. Wenigstens zwei Einheimische sind ihr geblieben. Und auf die ist sie besonders stolz: Noah Schneeberger (Servette-Genf) und Sven Bärtschi (Portland Winterhawks) spielen zwar nicht mehr für den SCL, aber deren Karrieren verfolgt sie ganz genau.

Früher war Madeleine Nyffenegger auch an den Spielen im Schoren anzutreffen. Als Dank für ihre Dienste bekomme sie vom SCL jedes Jahr zwei Saisonkarten. «Aus gesundheitlichen Gründen konnte ich diesen Winter leider nicht mehr live dabei sein.» Was im Stadion abgeht, erfährt sie spätestens am nächsten Tag, wenn sich ihre Stammkunden mit neuen Tickets eindecken. «In diesem Winter können unsere Jungs noch weit kommen», ist Nyffenegger überzeugt. Jeder Gegner wäre ihr im Halbfinal oder Final recht – nur nicht der EHC Olten. «Bei den Derbys ist mir die Stimmung zu aggressiv. Da muss ich meinen Kiosk verbarrikadieren, damit nichts kaputt geht oder gestohlen wird.»

Berner Zeitung

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