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Eine Mauer führt zu neuen Konflikten

Am früheren Bahnhof in Inkwil sind die Bauarbeiten auf zwei Parzellen noch immer nicht abgeschlossen. Die Auseinandersetzung zwischen dem Bauherrn Markus Käsermann und der Gemeinde entzündet sich erneut.

Kaufen oder für die Nutzung nachzahlen: Markus Käsermann auf dem Streifen Gemeindeland mit Mauer und Geländer.
Kaufen oder für die Nutzung nachzahlen: Markus Käsermann auf dem Streifen Gemeindeland mit Mauer und Geländer.
Thomas Peter

Auch im vergangenen Jahr hat sich nicht allzu viel getan. Nach wie vor herrscht auf den beiden Parzellen beim ehemaligen Inkwiler Bahnhof Unordnung; allerlei Geräte und Baumaterial stehen auf dem Grundstück von Markus Käsermann im Spickel zwischen Aegelseestrasse und Stationsweg. Und das sehr zum Missfallen von einigen Bewohnerinnen und Bewohnern des 618-Seelen-Dorfs. Sie sprechen von einem «Schandfleck» und «unhaltbaren Zuständen».

Seit 2007 baut Käsermann nach mehreren Projektänderungen auf dem Grundstück ein Wohnhaus um und eine 20 mal 25 Meter grosse neue Gewerbehalle. Weil der Selbstständige den allergrössten Teil der Arbeiten selbst bewältigt, ziehen sie sich hin. Eigentlich sollten der Neubau im Juni stehen und die Umgebungsarbeiten im November beendet sein, so stand es im provisorischen Bauprogramm, das er dem früheren Regierungsstatthalter zukommen liess. Die Schriftwechsel mit den Behörden füllen Ordner um Ordner. Fest steht: Ihn zwingen, die Arbeiten voranzutreiben, ist nicht möglich. Dafür fehlt eine gesetzliche Grundlage.

Langsam, aber stetig

Markus Käsermann hat im vergangenen Jahr weiter gearbeitet. Der Unterbau der Gewerbehalle ist inzwischen gedeckt. Markus Käsermann rechnet damit, den Rest der Halle während sechs Wochen im Oktober erstellen zu lassen. Stehe die Halle erst, dann könne er auch den Fuhrpark und das Material reinräumen und so Ordnung schaffen. Die ebenerdige Wohnung, die er selbst mit seiner Freundin und der acht Monate alten Tochter bewohnt, ist praktisch fertig. Die obere Wohnung soll auf Ende Jahr fertig werden, die dritte später. Ob die Arbeiten zum genannten Zeitpunkt dann auch wirklich abgeschlossen sind, wird die Zeit zeigen.

Vorvertrag für Landstück

In der Zwischenzeit hat sich eine weitere Baustelle aufgetan. Es geht dabei um ein schmales Stück Land in Gemeindebesitz, das zwischen Käsermanns Land und der Aegelseestrasse verläuft. Der Bauherr nutzt es als Zufahrt auf seinen Grund und Boden, möchte es gerne kaufen. Die Gemeinde ihrerseits möchte den Landstreifen gerne verkaufen; sie hat bereits mit dem früheren Eigentümer von Käsermanns Grundstück einen Vorvertrag abgeschlossen. Im Raum steht ein Kaufpreis von 14'880 Franken, also 40 Franken für jeden der 372 Quadratmeter.

Geländer notdürftig verstärkt

Dass sich die beiden Parteien nicht handelseinig werden, liegt an der 45 Meter langen Mauer, die das Gemeindeland gegen die Strasse hin abschliesst. Sie sei in einem schlechten Zustand, moniert der Kaufwillige. Noch schlechter sei es um das darauf befestigte Geländer bestellt: Es wackelt bedenklich, Käsermann hat es mit einem Eisenkern provisorisch verstärkt. Wenn er das Geländer ersetzen wolle, müsse er auch die Mauer erneuern. Alleine für die Abdecksteine müsse er mit Kosten von rund 70'000 Franken rechnen – nachdem er das Land erst erworben habe.

Der bauliche Zustand der Stützmauer sei nicht eruiert worden, teilt ihm die Gemeinde auf Anfrage hin mit. Die Käuferschaft verpflichte sich, dafür zu sorgen, heisst es im Schreiben, dass keine Einwirkungen auf die Strasse erfolgen und keine Personen abstürzen können. Das, sagt Käsermann, sei kürzlich einem Kind beinahe passiert.

Seinem Vorschlag, ihm das Land mit der sanierungsbedürftigen Mauer und dem gefährlichen Geländer zum Nulltarif zu überlassen, hat der Gemeinderat nicht entsprochen, sagt Gemeindeschreiberin Eliane Bürki. Stattdessen hat ihm die Gemeinde in Aussicht gestellt, für die jahrelange Nutzung nachträglich eine Rechnung auszustellen – gemäss Gebührenreglement zu einer Pauschale von 190 Franken pro Tag. Käsermann fühlt sich dadurch unter Druck gesetzt, einem Verkauf schnell zuzustimmen – nun, da der schlechte Zustand bekannt sei.

Gemeinde: Sehr tolerant

Man habe Markus Käsermann damit lediglich bewusst machen wollen, dass er kostenlos öffentlichen Boden nutze, hält Eliane Bürki dagegen. Die Gemeinde sei bisher sehr tolerant gewesen. Geländer und Mauer seien zuvor nicht in einem schlechten Zustand gewesen, aber schliesslich sei das Land auch mit schweren Baumaschinen befahren worden.

Beide Seiten erhoffen sich viel von der Instruktionsverhandlung beim Statthalter Ende Juni – auch wenn es dann primär um die Höhe der Kanalisationsanschlussgebühr geht.

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