Zum Hauptinhalt springen

Einstiger Gourmettempel wird Schoggiparadies

Die Krone im Herzen von Bätterkinden hat eine lange Geschichte. Eng mit ihr verknüpft ist der Name Hubler. Doch der Knoten löst sich, Hublers hören auf. Nun wird nur noch Catering betrieben und Schokolade hergestellt.

Res (rote Mütze) und Therese Hubler führten die Krone Bätterkinden zusammen mit Behinderten. Jetzt übernehmen Willi Schmutz (links) und Martin Schwarz mit neuem Konzept.
Res (rote Mütze) und Therese Hubler führten die Krone Bätterkinden zusammen mit Behinderten. Jetzt übernehmen Willi Schmutz (links) und Martin Schwarz mit neuem Konzept.
Thomas Peter

Beim Kreisel in Bätterkinden, dort, wo sich die Überlandstrassen von Bern nach Solothurn und vom Seeland ins Emmental kreuzen, steht ein stattliches Haus: die Krone Bätterkinden. Einst war sie ein Traditionslokal, weit über die Dorfgrenze hinaus bekannt.

Vor acht Jahren hat das Wirtepaar Res und Therese Hubler den Gasthof in eine Wohn- und Arbeitsgemeinschaft für Menschen in schwierigen Lebenslagen umgewandelt. Im Dorfbeizli boten sie fortan nur noch einen Mittagstisch an. Auch gestern fanden sich zur Mittagszeit einige Gäste ein. Drei Menüs stehen auf der Karte, dazu gibt es hausgemachten Eistee. Therese Hubler ist um alle Gäste bemüht, und der Chef kommt persönlich an den Tisch und erkundigt sich, ob es denn geschmeckt habe. Es hat.

Die süsse Versuchung

Alles wie immer. Doch die Ära Hubler geht ihrem Ende entgegen. Und damit wird das letzte Kapitel einer fast 200-jährige Geschichte geschrieben. Hublers wollen Ende Juni aufhören – endgültig. «Ich bin jetzt 64, meine Frau ist 61 Jahre alt. Verschiedene Faktoren kamen zusammen, die diesen Schritt gerade zum jetzigen Zeitpunkt begünstigten», erklärt Spitzenkoch Res Hubler, der sich an den Tisch gesetzt hat. Die Nobile Catering GmbH, die ebenfalls seit Jahren in der Krone untergebracht ist, stösst an ihre Grenzen. Nebst dem Cateringbetrieb stellen die Inhaber Martin Schwarz und Willi Schmutz sowie die ständigen fünf Mitarbeiter im Haus auch Schokolade her. Gerade die Schokoladenproduktion ist auf Erfolgskurs. Die Firma will expandieren – «und die Unternehmensführung war bereit, alle Betriebsräume der Krone zu übernehmen». Im Juli werden nun bauliche Anpassungen vorgenommen; im August startet dann der erweiterte Betrieb mit einem kleinen Laden. Das Gebäude bleibt im Besitz von Hublers, sie werden weiterhin darin wohnen. «Es ist eine Win-win-Situation für beide, zumal die Gastronomie mit einem Catering auf hohem Niveau im Haus weiterlebt», sagt Res Hubler.

Aktuell betreuen Hublers fünf Personen in ihrer Arbeits- und Wohngemeinschaft. Es sind Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, oder Asylsuchende. Für alle würden sich «recht gute Lösungen» abzeichnen.

Wo Bundesräte speisten

Das Ende kommt just in jenem Jahr, in dem das Gasthaus Krone sein 175-Jahr-Jubiläum feiert. Res und Therese Hubler führen die Wirtschaft bereits in der fünften Generation. Ein Landwirtschaftsbetrieb mit einer Gaststube hatte schon seit je existiert, aber 1838 erwarb der Ururgrossvater die Liegenschaft. 1882, nach dem grossen Dorfbrand in Bätterkinden, musste die Krone neu aufgebaut werden.

Hublers und die Krone erlebten einige ereignisreiche Jahre. So taten sich beispielsweise 24.Juli 1945 General Guisan und seine Delegation an Bachforellen und einer währschaften Bernerplatte gütlich. Am 6.Juli 1961 weilten der deutsche Bundespräsident Heinrich Lübke und seine Frau zum Staatsbesuch in der Krone. Auch Bundesräte wie Willi Ritschard, Samuel Schmid oder Adolf Ogi assen gelegentlich hier. «Wir hatten einige illustere Gäste», entsinnt sich Res Hubler. Und erzählt von einem weiteren Spektakel: In den 1980er-Jahren habe eine Schweizer Firma mit sechs oder sieben Helikoptern ihre Leute eingeflogen. «Den Namen der Firma weiss ich nicht mehr, aber es ging das Gerücht um, Margaret Thatcher sei in Bätterkinden zu Besuch.» Denn die britische Premierministerin hielt sich damals tatsächlich gerade in der Schweiz auf.

Bekanntes Gourmetlokal

In dieser Zeit führten bereits Res und Therese Hubler den Landgasthof. Sie hatten die Krone im Jahr 1979 übernommen. Als Gourmetlokal war sie bald in aller Munde. 17 Gault-Millau-Punkte und ein Michelin-Stern besass sie. Bis zum Brand 1995. Danach hängte Hubler den Spitzenkochhut an den Nagel und führte den Betrieb als Kulturlokal weiter. Auch das erfolgreich: Die Veranstaltungen mit Beni Thurnheer, Emil Steinberger oder Walter Andreas Müller liefen ausserordentlich gut. Ein abermaliger Einschnitt kam im Jahr 2005. Weil sich abzeichnete, dass die beiden Töchter nicht in die Gastronomie einsteigen würden, richteten Hublers neu eine Wohn- und Arbeitsgemeinschaft für psychisch und physische Eingeschränkte ein, führten mit den Leuten gemeinsam das Dorfbeizli und produzierten Suppen, Glacen und Fertiggerichte für das Warenhaus Globus und für Landishops. Der christliche Glaube war ihre Motivation. Unterstützt wurden sie von einem Verein. Weiterhin sozial engagiert

Und wie geht es mit Hublers weiter? Res Hubler möchte im August nach Togo in Westafrika reisen, um bei einem Hilfswerk mitzuarbeiten. Auch seine Frau will sich weiter sozial engagieren. Und freilich kann ein ehemaliger Gourmetkoch kaum die Hände vom Kochlöffel lassen. Er wird weiterhin für Verwandte und Bekannte Gerichte zaubern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch