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Gefahr im Storchenrevier an der Langete

Nahrung für Weissstörche gibt es am Ufer der Langete mehr als genug. Doch die stolzen Vögel leben gefährlich: Seit 2007 sind in der Region zwei Tiere mit Stromleitungen in Berührung gekommen und gestorben.

Die Störche im Visier: Margrith Enggist hofft, dass in den Wässermatten bald noch mehr Brutpaare auf Nahrungssuche gehen.
Die Störche im Visier: Margrith Enggist hofft, dass in den Wässermatten bald noch mehr Brutpaare auf Nahrungssuche gehen.
Thomas Peter

Bei diesem Anblick zögert Margrith Enggist (63) von der Organisation Storch Schweiz keine Sekunde. Zackig bremst sie ab, fährt rechts ran und lässt ihren Wagen auf dem Trottoir stehen. «Schade, habe ich meinen Fotoapparat nicht eingepackt, das gäbe jetzt ein Superfoto», schwärmt die Kleindietwilerin und blickt angestrengt über die Hauptstrasse hinweg in die Wässermatten. Zwei Störche haben es sich dort gemütlich gemacht. Stolzieren zufrieden durchs frisch gemähte Gras, picken mal hier, mal da einen Happen vom Boden auf. Im Nu hat Margrith Enggist ihr Fernrohr in Stellung gebracht und die stattlichen Vögel ins Visier genommen. Wer da am helllichten Tag an der Langete sein «Zvieri» verdrückt, weiss sie ganz genau. Es ist das Paar vom Schulhausdach Roggwil – die einzigen Störche, die momentan im Oberaargau heimisch sind. Reiches NahrungsangebotSchlecht hat es der Klapperstorch an der Langete gewiss nicht. «Die Wässermatten bieten ein ideales Nahrungsangebot», weiss Enggist, die bei Storch Schweiz für die Sekretariatsarbeiten zuständig ist, aber auch Feldarbeiten übernimmt, also Tiere beobachtet, beringt und Daten zusammenträgt. Allerlei Kleingetier gehört auf den Speiseplan des eleganten Zweibeiners. Während der Aufzucht der Jungen sind es vor allem Würmer. In Acht nehmen müssen sich aber auch Heuschrecken und Mäuse. Tückische FahrleitungWeil die Oberaargauer Störche beringt sind, weiss Margrith Enggist ganz genau: Die Tiere halten ihrem Wohnort Roggwil seit Jahren die Treue. Von 1999 bis 2007 nistete jeden Frühling dasselbe Paar auf dem Schulhausdach. Bis sich eines der Tiere in einer Fahrleitung der Aare Seeland mobil verfing und verendete. Das andere kehrte im darauffolgenden Frühling zurück – mit einem neuen Partner. Für Margrith Enggist war das keine Überraschung: «Störche sind nicht monogam – aber nesttreu. Sie kommen immer wieder zu ihrer Brutstätte zurück.»Kleindietwil: Leeres NestNicht mehr zurückgekehrt sind die Störche auf den Hochkamin bei Kleindietwil. Auch hier nistete bis im letzten Jahr ein Brutpaar – und auch hier verfing sich eines der Tiere in einer Stromleitung. Nun ist der Horst verwaist. «Das ist schade, aber wir geben nicht auf», sagt Margrith Enggist. Auch im nächsten Frühling werde sie das Nest so gut wie möglich vorbereiten. Mit der Hoffnung, ein neues Paar möge dort seine Jungen ausbrüten und am nahen Langeteufer auf Nahrungssuche gehen. Ganz ungefährlich wäre der Aufenthalt auch für diese Störche nicht. «Hätte ich einen Wunsch frei», sagt Margrith Enggist denn auch , «er wäre ganz einfach: «Möglichst viele Stromleitungen in den Boden. Denn für Störche sind sie die grösste Gefahr.»

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