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Herzergreifender Alpenkitsch

Der neue Verein Freilichttheater Lueg feierte mit seinem Erstling «Wo die Hirschlein seufzen» eine grandiose Premiere. Beim hemmungslosen Blick in den Schweizer Klischeespiegel amüsierte sich das Publikum prächtig.

Lustig ist das Älplerleben: «Wo die Hirschlein seufzen» spielt auf der Lueg mit allen denkbaren Schweizer Klischees.
Lustig ist das Älplerleben: «Wo die Hirschlein seufzen» spielt auf der Lueg mit allen denkbaren Schweizer Klischees.
zvg

Der Titel klingt verheissungsvoll: «Wo die Hirschlein seufzen» heisst das Stück von Ulrich Frey, mit dem der Verein Freilichttheater Lueg zum ersten Mal vor Publikum auftritt.

«In diesem Berg-und-Tal-Drama wird geschäkert, geliebt, geschossen und gestorben, gejodelt, gewildert und gespottet», heisst es im Programmheft. Das Premierenpublikum auf den beinahe ausverkauften Rängen ist vorgewarnt.

Ein Spass für alle

Dass der Berner Autor Ulrich Frey ein Meister der augenzwinkernden Situationskomik ist, wissen die Freunde des Theaterschaffens längst. Die Kitschparodie, die mit fast jedem Schweizer Klischee spielt, bereitet offensichtlich nicht nur den Zuschauerinnen und Zuschauern, sondern auch den vier Schauspielerinnen und Schauspielern Vergnügen. Die Spielfreude der Protagonisten scheint sich von Szene zu Szene zu steigern.

Dank der transparenten Sennhütte geniesst das Publikum auf den oberen Reihen der 450-plätzigen Tribüne unter dem Restaurant Lueg eine grandiose Aussicht. Das Bühnenbild von Dany Rhyner wirkt ebenso abstrakt wie idyllisch. Im Zentrum steht ein halb offenes Haus mit Türen und Fenstern. Daneben ragen Wände mit Steighilfen in die Höhe. Sie stellen schroffe Felsen, Berg und Tal dar.

Doch das Stück spielt nur vordergründig in einer kleinen, heilen Welt. Denn obwohl Gutsbesitzerin Meta (Sylvia Ernst) mit Vorliebe kitschige Groschenromane liest und Knecht Franz Dirrmoser (Hanspeter Blaser) mit gitarrenunterstützten Gesangseinlagen um Metas Gunst wirbt, kann von Ruhe auf dem Berg keine Rede sein: Im Hochgebirge seufzen die Hirschlein inbrünstig, weil ihnen die bösen Dirrmoser Drillingsbrüder von Knecht Franz ans Leder wollen. Jungkäserin Thesi (Bettina Schoch) beweist, dass sie ein grosses Herz für den gefrevelten Hirschbock Adalbert und den allzeit bereiten Wildhüter Xaver (Roberto de Simone) und dessen Hund Jana hat.

Ende gut, alles gut

Wie in Groschenromanen üblich, kommt auch am Ende dieses Berg-und-Tal-Dramas alles gut. Nachdem die in Trachten gewandeten Hauptfiguren (für die Kostüme ist Eveline Rinaldi verantwortlich) alle Irrungen und Wirrungen hinter sich haben, findet zusammen, was zusammengehört. Zu den schaurigen Klängen von «Spiel mir das Lied vom Tod» stürzt der Hirschfrevler ins Tobel.

Verschiedene Facetten

Die von Regisseur Rolf Schoch inszenierte Verulkung von Heimatfilmen und Försterromanen bietet den Darstellenden immer wieder Gelegenheiten, die unterschiedlichen Facetten ihres Könnens zu zeigen. Hin und wieder wird sogar Theater im Theater gespielt. Daneben gibt es alte Gassenhauer mit abgeänderten Texten. Zu Akkordeonklängen wird gesungen und getanzt, dass es eine Freude ist. Alle Figuren sind ausgezeichnet besetzt. Eine besondere schauspielerische Herausforderung dürften die Dirrmoser Drillinge dargestellt haben, die von Hanspeter Blaser gespielt werden. Der tosende Applaus für die homogene Teamleistung war mehr als verdient.

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